Neue Tonqualität: Viklickýs Jazz-Aufnahmen mit Bill Frisell wieder aufgelegt

Emil Viklický

Der tschechische Jazz-Pianist Emil Viklický hat in den 70er Jahren zusammen mit dem amerikanischen Gitarristen Bill Frisell zwei Alben aufgenommen. Diese Zusammenarbeit mit dem damaligen so genannten Klassenfeind war durchaus ungewöhnlich. Die gemeinsamen Aufnahmen wurden nun auf einer einzigen CD mit dem Titel Okno a Dveře (Door & Window) neu aufgelegt.

Emil Viklický
Emil Viklický startete seine Karriere zu Beginn der 70er Jahre. Zuerst stieg der Pianist beim S und H Quartett von Karel Velebný ein, kurz darauf wurde er Mitglied der Jazz-Rock-Formation Energit. 1976 wurde Viklický bei Wettbewerben in Lyon und in Monaco mit Preisen bedacht. Laut seinen Aussagen galt er aber weiterhin eher als unbekannter Musiker aus dem mährischen Olomouc / Olmütz. Und so kam es, dass ihm die kommunistischen Behörden erlaubten, ein Stipendium am renommierten amerikanischen Musikcollege Berklee anzunehmen. Zudem half ihm, dass vorher mit Martin Kratochvíl bereits ein weiterer tschechischer Musiker denselben Weg beschritten hatte. Kratochvíl hatte sich gegenüber den Behörden in der Tschechoslowakei auf die KSZE-Schlussakte von Helsinki berufen. Die Schlussakte enthielt Vereinbarungen über Menschenrechte und über die Zusammenarbeit zwischen Ost und West.

Emil Viklický (vorne) und Bill Frisell, Vinton Johnson und Kermit Driscoll (Foto: Archiv von Emil Viklický)
Viklický kam 1977 nach Boston, wo sich das Berklee-College befindet. Dort freundete er sich mit seinen amerikanischen Kommilitonen an: mit dem Gitarristen Bill Frisell und dessen Bandmitgliedern, dem Bassisten Kermit Driscoll und dem Schlagzeuger Vinton Johnson. Über die Sommerferien 1978 kehrte Emil Viklický in die Tschechoslowakei zurück. Doch dann schlugen die kommunistischen Behörden die Tür zu: Der Jazz-Musiker durfte nicht mehr in die USA ausreisen, obwohl er noch drei Studienjahre vor sich hatte.



Album mit dem Titel Okno (Fenster)
Emil Viklický saß also zu Hause fest. Doch eines wollte er noch erreichen: ein gemeinsames Album mit seinen amerikanischen Freunden einzuspielen. Er lud sie also nach Prag ein, und im Juni 1979 kamen alle vier dann auch. Eingespielt wurden die damals zwei Platten beim Staats-Label Supraphon in den Studios im Stadtteil Dejvice. Man hatte insgesamt nur fünf Tage Zeit und wurde aber am zweiten Tag schon aus dem Studio geschmissen. Laut Viklický entstanden die Aufnahmen deswegen eigentlich nur in zwei Tagen und praktisch ohne Overvoice. Die Einspielungen hatten jedoch großen Erfolg. Es sind im Übrigen Frühaufnahmen von Bill Frisell – erst in den 80ern und 90ern war der Amerikaner ein sehr angesagter Gitarrist nicht nur im Jazz, sondern auch im Pop oder in der Neuen Musik.

Autor: Till Janzer
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