Neuer Reiseführer durch Brünn verärgert Nachbarstädte

Foto: Archiv des Brünner Touristeninformationszentrums

Ein neuer Reiseführer durch Brno / Brünn hat für eine Welle der Empörung gesorgt. Entrüstet reagierten vor allem Städte in der Umgebung der mährischen Stadt auf das Buch. Ihre Einwohner fühlen sich durch Aussagen im Buch beleidigt.

Foto: Archiv des Brünner Touristeninformationszentrums
Kuřim sei „eine Art Arbeitslager“ und ein „Denkmal für den Verlust des menschlichen Urteilsvermögens“, steht in der Publikation. Rousínov sei eine Produktionsstelle von Spielautomaten, in denen die Menschen ihre Zukunft ertrinken ließen. In Blansko wiederum fühle der Besucher „Nichtigkeit, Depression und Leere“.

Solche Behauptungen über die Städte in der Umgebung findet man in dem Reiseführer mit dem Namen „To je Brno“ (auf Deutsch „Das ist Brünn“). Die Publikation wurde vom Brünner Touristeninformationszentrum herausgegeben. Die Bürgermeister der genannten Gemeinden halten dies für Beleidigung und Provokation. Es sei, als ob man ein Billboard auf der Straße platzieren und dort schreiben würde: ‚Alle meine Nachbarn sind abscheulich‘, so reagierte der Vize-Bürgermeister von Kuřim, David Holman. Und ihm stößt noch etwas sauer auf:

David Holman (Foto: Archiv der Stadt Kuřim)
„Sollte jemand dies privat in seiner eigenen Publikation herausgeben und damit in eigener Verantwortung auf den Markt gehen, wäre nichts Schlechtes daran. Aber wenn eine Stadt sich mit den Geldern der Steuerzahler über eine andere Stadt auf so rüpelhafte Art äußert, dann ist das kaum in Ordnung.“

Das Touristeninformationszentrum der Stadt Brünn hat den Reiseführer am vergangenen Wochenende in Verkauf gegeben. Laut der Leiterin des Zentrums, Jana Janulíková, war die Ironie eine Absicht: „Das Buch ist natürlich nichts für jeden. Ich kann mir vorstellen, dass sie Diskussionen hervorruft, und ich finde das richtig. Das war unsere Absicht. Brünn ist eigenartig. Wir haben einen eigenartigen Sinn für Humor, sind ironisch und selbstironisch. Das alles ist in dem Buch drin.“

Einer der Autoren ist der Soziologie Stanislav Biler. Aus seiner Feder stammen die kritisierten Passagen.

„Es ist nicht meine Schuld, dass die Städte so aussehen. Wenn die dortigen Verwaltungen wollen, dass ihre Städte als schön und gemütlich beschrieben werden sollen, müssen sie zunächst zu solchen gemacht werden. Es ist nicht möglich anzuordnen: Schreibt schön über uns!“

Petr Vokřál (Foto: ČT24)
Es sei von ihm erwartet worden, klar zu übertreiben. Die Orte habe er aber selbst ausgewählt.

„Es ist zugespitzt und sarkastisch. Der Kern ist aber wahr. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich es erfasst habe.“

Der Oberbürgermeister von Brünn, Petr Vokřál, hält die Publikation im Allgemeinen für sehr gelungen. Er distanzierte sich allerdings am Montag von dem ironischen Kapitel über die Städte in der Nachbarschaft.

„Es ging keinesfalls darum, die Städte zu entehren. Das Buch ist für eine spezifische Besuchergruppe und nicht für breite Öffentlichkeit bestimmt. Wir wollen die Besucher mit einem Lesezeichen auf die Ironie aufmerksam machen, das in jede der 3000 Publikationen eingelegt wird.“