Neues Prager Netzwerk vermittelt Informationen über Menschenrechte in China

Foto: Martina Schneibergová

Seit Dienstag besteht in Prag ein neues Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte in China. Gegründet wurde es, als der chinesische Staatspräsident Xi Jinping zu Besuch in Tschechien weilte.

Ondřej Klimeš und Jakub Klepal (Foto: Martina Schneibergová)
Das Zentrum für Demokratie und Menschenrechte ist keine Institution, sondern ein Netzwerk. Unter der Schirmherrschaft der von Václav Havel gegründeten Stiftung „Forum 2000“ beteiligen sich am Projekt mehrere Organisationen und Bürgerinitiativen, darunter die Prager Nationalgalerie, die Initiativen Češi Tibet podporují (Tschechen unterstützen Tibet), Lungta oder Post Bellum. Sie wollen Vorträge, Ausstellungen und Diskussionen veranstalten. Jakub Klepal leitet das „Forum 2000“:

„China wird ein immer wichtigerer Partner Tschechiens – ob im Handel oder im politischen und diplomatischen Bereich. Man sollte jedoch wissen, mit wem verhandelt wird, mit wem Kontakte geknüpft werden, wem der Zugang in bestimme Bereiche der tschechischen Wirtschaft ermöglicht wird. Wir sind davon überzeugt, dass es gut wäre, der tschechischen Öffentlichkeit mehr Informationen über die Menschenrechtslage in China zu vermitteln. Dazu gehören Informationen über die Stellung nationaler, kultureller und religiöser Minderheiten in China. Es ist wichtig beispielsweise über die Lage in Tibet oder die Stellung von Christen zu sprechen sowie darüber, wie der Staat mit ihnen umgeht und ob er deren Menschenrechte schützt oder verletzt.“

Tibet (Foto: Qeqertaq, CC BY-SA 3.0)
Der tschechische Sinologe Ondřej Klimeš begrüßt die Gründung des Informationszentrums. In Tschechien mangele es an Informationen über das fernöstliche Land, sagt er:

„Im politischen Bereich verstärkt das Regime in China seinen autoritären Führungsstil, und innerhalb der kommunistischen Partei festigen einige wenige Gruppierungen derzeit ihre Macht. Wir wissen von Verhaftungen politischer Gegner, von Dissidenten und deren Familienmitgliedern. Auch auf die Medien wird starker Druck ausgeübt. Unter Druck stehen zudem die Minderheiten: in Tibet oder in der Inneren Mongolei. In den Gebieten, die für China strategisch wichtig sind, ist nur Chinesisch als Amtssprache zugelassen. Deutlich sind auch die Tendenzen des Regimes, Christen zu unterdrücken. Und im Ausland ist China bemüht, seinen Einflussbereich mit Hilfe angeblich privater Firmen zu erweitern, diese Unternehmen sind aber mit der regierenden Garnitur verknüpft.“

Dalai Lama und Václav Havel (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
Der Sinologe hält es darum für notwendig, das Geschehen in China zu verfolgen. Man müsse sich bewusst werden, welche Werte das Land in der Welt durchzusetzen versucht.

Die Stiftung Forum 2000 bekennt sich zum Vermächtnis von Václav Havel, der frühere tschechische Präsident war eng mit dem tibetischen Dalai Lama befreundet. Die gewaltsame Besetzung von Tibet durch China gehört zu den oft kritisierten Punkten der chinesischen Politik. Die Entstehung des Informationszentrums hat auch Ivan Havel unterstützt, der Bruder des Ex-Präsidenten:



Foto: Martina Schneibergová
„Mein Bruder, dem es sehr um die Zivilgesellschaft und die Entstehung von Bürgerinitiativen ging, wäre bestimmt froh, dass es derartige Aktivitäten wie die Gründung des Zentrums gibt. Der Handel mit China dient als Entschuldigung für alles andere, falls sich überhaupt jemand entschuldigen will. Diese Haltung ist höchst pragmatisch, und niemand weiß, welche Folgen sie haben wird.“

Mehr über die Aktivitäten des Informationszentrums für Demokratie und Menschenrechte in China erfahren Sie auf der Webseite des Forums 2000 unter www.forum2000.cz.