Newcomer und bekannte Stars – Nominierungen zu den 30. Anděl-Musikpreisen in Tschechien

Anděl-Musikpreis

Am kommenden Samstag werden in Prag ein weiteres Mal die Musikpreise „Anděl“ (Engel) überreicht. Diese sind die tschechische Version der amerikanischen Grammy Awards und werden seit 1991 von der hiesigen Musikakademie (ČHA) verliehen.

Die Musikakademie setzt sich aus Kritikern, Produzenten und weiteren Persönlichkeiten der tschechischen Musikszene zusammen. Die Fachleute stimmen jedes Jahr über die Preisträger in mehreren Kategorien ab. 2021 werden 14 Preise vergeben, dazu wird ein verdienter Künstler in die Ruhmeshalle der Akademie aufgenommen.

Kategorie „Bester Solo-Interpret“

7krát3 | Foto: Archiv von Štěpán Hebík

Hinter dem Künstlernamen 7krát3 (7 mal 3) verbirgt sich der Sänger Štěpán Hebík. Der 31-Jährige hat mehrere erfolgreiche Singles herausgebracht, darunter „Promiň“ (Entschuldige). Das entsprechende Musikvideo wurde vor zwei Jahren für die Anděl Awards nominiert. Einige dieser Songs hat Hebík nun endlich auf seiner ersten EP veröffentlicht, auf der aber auch neue Lieder zu hören sind.

Dan Bárta | Foto: Khalil Baalbaki,  Tschechischer Rundfunk

Anders als Hebík gehören Dan Bárta und seine Band Illustratosphere schon seit vielen Jahren immer wieder zu Anwärtern auf eine Engelstatue. Bárta hat die Kategorie „Bester Solo-Interpret" bereits zehnmal gewonnen und wurde 2015 sogar zum besten Sänger des letzten Vierteljahrhunderts gekürt. Jetzt ist sein neues Album erschienen, mit dem Titel „Kráska a zvířený prach“ (Die Schöne und der aufgewirbelte Staub) – und zwar sieben Jahre nach der Herausgabe des letzten Albums „Maratonika“.

Jaromír Nohavica | Foto: Jacek Proszyk,  Wikimedia Commons,  CC0 1.0

Der Sänger Jaromír Nohavica hat in letzter Zeit vor allem mit humorvolleren Gassenhauern auf sich aufmerksam gemacht. Sein neues Album „Máma mi na krk dala klíč“ (Mama hat mir den Schlüssel um den Hals gehängt) mit dem gleichnamigen Titelsong macht aber erneut deutlich, dass Nohavica immer noch einer der besten tschechischen Sänger ist. Nicht umsonst wurde er bei den Anděl Awards 2010 zum „Sänger der vorherigen zwei Dekaden“ gekürt. Nach dem Experiment mit dem Album „Poruba“ kehrte er nun zu seinen Folk-Wurzeln zurück.

Kategorie „Beste Solo-Interpretin“

Lenka Dusilová | Foto: Tomáš Vodňanský,  Tschechischer Rundfunk

Lenka Dusilová hat auch schon eine Reihe von Engelstatuen in ihrem Regal. Auf das jüngste Album „Řeka“ (Fluss) mussten ihre Fans allerdings sechs Jahre lang warten. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn die CD ist, wie ihr Name andeutet, fließend und fesselnd zugleich. „Řeka“ ist ein Gedicht für den fokussierten Zuhörer, der alle subtilen Übergänge zwischen den Songs genießen kann.

Aneta Langerová | Foto: Pavel Ševela,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

Genauso anspruchsvoll für die Hörer ist das Album „Dvě slunce“ (Zwei Sonnen) von Aneta Langerová. Dafür hat die Sängerin erneut mit Jakub Zitka zusammengearbeitet, mit dem sie bereits die äußerst erfolgreiche Kollektion „Na Radosti“ produziert hat. Das Album lässt sich am besten durch eine Textzeile auf Anetas Website beschreiben: „Willkommen in der Welt der zwei Sonnen. In einem unendlichen Raum, in dem Träumen erlaubt ist. Mach leise, und halt einen Moment inne! Werde zum Beobachter!“

Lenny | Foto: Jan Sklenář,  Tschechischer Rundfunk

Die zweite CD der Pop-Sängerin Lenny hält, was versprochen worden war. Die 27-jährige Pragerin knüpft damit nahtlos an ihr Debütalbum an, vielleicht mit einem Schuss mehr Pop. Vor vier Jahren räumte die Musikerin bei der Engel-Preisverleihung gleich vier Trophäen in den Hauptkategorien und einen Genre-Titel ab. Mit dem Song „Easy“ vom neuen Album „Weird & Wonderful“ ist sie auch als Newcomerin des Jahres nominiert.

Kategorie „Beste Band“

Monkey Business | Foto: Miroslav Duschek

Schon auf der vorherigen CD „Bad Time For Gentlemen“ haben Monkey Business begonnen, sich zu politischen Themen zu äußern. Nicht anders ist es auf ihrer Neuerscheinung „Freedom On Sale“. Dazu produzierte die Band ein viel diskutiertes, provokantes Musikvideo zur Single „Do It! (If You Don't Have Any Children)“ mit Jiří Langmajer in der Hauptrolle. Es ist das zweite Album mit Tereza Černochová als Sängerin und weiteren interessanten Gastinterpreten wie Dan McCafferty der schottischen Hardrockband Nazareth oder dem tschechischen Organisten Ondřej Pivec.

Tata Bojs | Foto: Hana Máslová,  Picasa Web Albums,  CC BY-SA 3.0

Die Tata Bojs haben Ende November die CD „Jedna nula“ herausgebracht. Es ist nicht nur das zehnte Album der Band, sondern auch ein sehr spezielles. In seinen Songtexten befasst sich das Quintett mit komplexen wissenschaftlichen Fragen, auf die es bisher noch keine Antworten gibt.

Band Zrní | Foto: Ben Skála,  Benfoto,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

Als die Band Zrni im März 2020 ihr neues Album „Nebesky neklidné“ (Himmlisch unruhig) veröffentlichte, konnte niemand ahnen, wie prophetisch der Titel da war – sowohl in Bezug auf all die Gefühle, die wir in der Pandemie durchgemacht haben, als auch auf die politische Lage in Tschechien.