Nimmt Frère Jacques dem tschechischen Honza die Butter vom EU-Brot?
Es ist nicht lange her, da saß ich im tschechischen Regierungsamt auf einer Pressekonferenz. Bevor die Hauptakteure auf die eigens hergerichtete Bühne traten, herrschte eine Atmospäre wie vor einem Popkonzert. Die Lautsprecher verströmten basslastige Rhythmen, die Bühne war in buntes Licht getaucht.
Wann? – Wenn die Tschechen die EU-Ratspräsidentschaft ab Januar 2009 übernehmen. Die Doppelbödigkeit dieses Mottos, war den Machern des TV-Werbespots durchaus klar. Sie war gewollt. ´Klein aber oho!´ ´Aufgepasst, Europa, jetzt kommen wir!´ ´Mit uns an der Spitze könnt ihr Euch auf Einiges gefasst machen!´ So oder so ähnlich schwingt es zwischen den Zeilen mit. Witzig und mutig wollen die Tschechen bei ihrem EU-Vorsitz rüberkommen und unterwegs sein.
Das Lachen und der Mut dürfte Topolánek und co. nun vergangen sein. Und das nicht nur dank der Wahlschlappe ihrer Partei in den Landkreisen. In einer Reihe europäischer Tageszeitungen tauchten dieser Tage Spekulationen über eine Verlängerung der französischen Ratspräsidentschaft auf. Und wenn nicht das, so könnte doch Frankreich wenigstens der Euro-Zone vorsitzen. Dann hätte man ein tschechisches Problem weniger. Die mögen ja den Euro nicht! Und Lissabon auch nicht.Ja, die meisten sind der Meinung, der smarte, elegante und zugleich hemdsärmelig zupackende Sarkozy mache seine Sache gut. Vor allem beim Krisenmanagement. Georgien, Lissabon-Vertrag, die globale Finanzkrise – Sarkozy lässt sich nicht unterkriseln. Im Gegenteil, er tanzt gern auf vielen Hochzeiten und erst recht, wenn die Stimmung auf dem Tiefpunkt ist. Und seinem Ansehen schadet es auch nicht, wenn es in Frankreich gesellschaftlich und politisch nicht zum Besten steht.
Frère Jacques droht also dem tschechischen Honza die Butter vom EU-Brot zu nehmen. Auch das noch! Dabei bräuchte Premier Topolánek nichts dringender als Ruhe an der Heimatfront. Diese „innere“ Ruhe könnte eine EU-Ratspräsidentschaft mit sich bringen. Wenn Topolánek als Premier bis Januar 2009 durchhält, dann gibt es eine Chance auf einen Burgfrieden. Natürlich nur, solange den Sozialdemokraten das Internationale wichtiger ist als die eigene Partei. Aber das behaupten ja die Sozialdemokraten seit über hundert Jahren. Dennoch – es gibt reichlich viele Unbekannte in dieser Rechnung.







