„Kuck mal, Prag hat geschrieben!“

Monika Kuhn und Horst Kuhn (Foto: Markéta Kachlíková)

Tatsächliche Hörerstimmen und nicht nur Zitate aus der Hörerpost bringen wir diesmal in unsmerem Hörerforums. Monika und Horst Kuhn haben Ende Juni Radio Prag besucht. Ein Gespräch mit Ihnen über den Zauber der Kurzwelle und wieso man sich in Hamurg für Tschechien interessiert.

Monika Kuhn und Horst Kuhn  (Foto: Markéta Kachlíková)
Ich darf Monika Kuhn und Horst Kuhn bei uns begrüßen, die uns regelmäßig in Hamburg hören. Vielen Dank für Ihren Besuch. Was hat Sie heute nach Prag geführt?

Monika Kuhn: „Der Besuch bei Ihnen, natürlich. Damit wir Sie mal kennenlernen und damit wir sehen, wie Sie arbeiten.“

Sind Sie nur nach Prag gekommen, oder machen Sie schon länger unterwegs?

M.K.: „Wir sind auf einer Rundreise. Wir waren in Kroatien, in Ungarn, in Österreich und sind jetzt auf der Rückreise nach Hamburg. Wir haben uns gesagt, dass wir uns auch Prag noch einmal anschauen wollen, das letzte Mal waren wir vor zwanzig Jahren hier. Wir haben Sie dann verständigt, damit wir uns mal kennenlernen können.“

Illustrationsfoto: Volker Schnäbele,  Pixabay / CC0 Public Domain
Sie gehören zur Gruppe der sehr fleißigen Hörer von Radio Prag, schreiben uns sehr häufig nette Briefe und Berichte. Seit wann hören Sie eigentlich Radio Prag?

M.K.: „Seit vier Jahren. Sonst hören wir eigentlich nur Kurzwellensender. Wir sind eigentlich zum Internet gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, weil unser Telefon umgestellt wurde und wir Internet dazu nehmen mussten. Dadurch sind wir zum Internetradio und zu Radio Prag gekommen.“

Sie sind im Internet auf Radio Prag gestoßen. Haben Sie sich schon vorher für Tschechien und für das Geschehen hierzulande interessiert?

„Wir haben die Entwicklung zur Zeit des Prager Frühlings und dann bis zum Mauerfall verfolgt.“

M.K.: „Ja, das haben wir immer. Schon zur Zeit des Prager Frühlings. Und dann haben wir die ganze Entwicklung bis zum Mauerfall verfolgt. Danach sind wir losgefahren und haben uns die Länder angeschaut. Die Tschechoslowakei war noch ein Gebiet, bis schließlich die Tschechen und Slowaken langsam eigene Wege gingen.“

Was hat sie dazu motiviert, das Geschehen hierzulande so regelmäßig zu verfolgen?

Foto: Old Shoe Woman via Foter.com / CC BY-NC-SA
M.K.: „Es ist etwas anderes als das, was bei uns in den Nachrichten oder Zeitungen steht. Es ist etwas, was teilweise mit der Vergangenheit, aber auch mit der Gegenwart und Zukunft zu tun hat. Da sind einzelne Fragmente der Berichte, die uns außerordentlich interessieren und wo wir auch mal nachrecherchieren oder darüber nachdenken. Und dann kümmern wir uns darum und schreiben einen Bericht.“

Welche Themen oder Themenbereiche interessieren Sie besonders?

M.K.: „Ich würde sagen einmal das Land. Ein Beispiel sind die Bauern: Was sie ernten, wie die Ernte ausfällt, was sie dafür bekommen. Sie hatten da einen Bericht über die Milchbauern, die für ihre Produktion kaum Geld bekommen. Die Produktionskosten sind da höher als die Einnahmen. Das ist bei uns ähnlich, weshalb das natürlich für uns interessant war und wir darauf auch reagiert haben, dass die Milchpreise steigen müssen, dass die Milchbauern auch das Recht haben, mehr zu verdienen.“

Foto: Foter.com
Interessieren Sie sich auch für das Geschehen in anderen Ländern so intensiv? Vergleichen Sie vielleicht die Entwicklungen in mehreren Ländern?

M.K.: „Ja, wir hören auch den slowakischen Rundfunk, der sendet noch über die Kurzwelle. Zudem hören wir etwa Korea und Radio Türkei. Also zum Beispiel interessiert mich die Kultur weniger, dafür eher das normale Leben. Kultur kann ich zu Hause haben, die muss ich nicht unbedingt aus fremden Ländern noch einmal bekommen. Interessant ist die politische Entwicklung in den Visegrad-Ländern. Die sagen ja, dass sie keine Flüchtlinge aufnehmen. Europa wirft ihnen dann vor, dass sie nur kassieren und nichts zurückgeben. Da schaut man bei den Visegrád-Staaten natürlich gerne hinter die Kulissen.“

QSL-Karte
Radio Prag ist heute nur noch im Internet zu hören. Fehlt Ihnen die Kurzwelle, die es früher gab, oder sind Sie mit dem Empfang über das Internet zufrieden?

M.K.: „Der Empfang im Internet ist sauberer, das ist klar. Das kann die Kurzwelle aber nicht ersetzen. Das Knacken, das Rauschen oder das Finden eines Senders bei der Kurzwelle muss einfach sein. Und dass der Sender nicht sendet, aus welchem Grund auch immer... Das muss man erleben.“

Zur Kurzwelle gehörten früher auch die QSL-Karten, die man für einen Empfangsbericht bekommen hat. Radio Prag setzt diese Tradition fort und verschickt die QSL-Karten auch für die Berichte über den Empfang im Internet. Sind diese Karten für Sie immer noch interessant, Herr Kuhn?

Horst Kuhn: Auf jeden Fall. Vorab möchte ich aber noch einmal auf die Frage an meine Frau zurückkommen. Sie hat toll geantwortet, ich hätte das bestimmt nicht besser gemacht. Und zu den QSL-Karten: natürlich sind sie interessant, sonst würden wir keine Empfangsberichte schreiben. Das ist ja das Salz in der Suppe! Wenn der Sender aus welchen Gründen auch immer nicht bereit ist, QSL-Karten zu verschicken, weil er kein Geld hat für das Porto zum Beispiel, dann ist das ein Armutszeugnis für den Sender. Es gibt Stationen, die rund um die Uhr auf der Kurzwelle senden und für den Strom für die Sendeleistung viel Geld verballern. Dass sie dann für ihre Hörerschaft als Rückantwort keine 80-Zent für eine Briefmarke mehr übrig haben, das ist äußerst bedauerlich. Ich meine, dann bräuchten sie gar nicht zu senden.“

„Die QSL-Karten sind ja das Salz in der Suppe.“

M.K.: Es ist ja nicht so, dass man nur deswegen Briefe schreibt. Man schreibt, weil es Spaß macht. Aber es macht auch Spaß, Post im Briefkasten zu haben. Da sagt man, o toll, kuck mal hier, Prag hat geschrieben, Korea hat geschrieben, die Slowakei hat geschrieben. Das ist schön.

80. Jubiläum von Radio Prag  (2016)
H.K.: „Und es liegt auch an den QSL-Karten, die schön gestaltet werden. Radio Prag hat sehr tolle Karten, etwa die mit den Verkehrsmitteln. Auf so etwas möchte man nicht verzichten.“

M.K.: „Das ist das Bild des Landes, wie die Gebäude letztes Jahr. Oder auch die Sonderkarte zum 80, Geburtstag. Dann schicken Sie ab und zu einen Wimpel oder eine andere Kleinigkeit. Das macht ja Spaß.“

Was würden Sie unserem Sender empfehlen oder wünschen?

M.K.: „Ihrem Sender würde ich wünschen, dass er noch lange bestehen bleibt. Und dass Sie hier alle Spaß an der Arbeit haben und Ihnen dabei nicht langweilig wird. Gleichzeitig aber, dass dieses Land sich weiterentwickelt, und dass Sie das verkünden können.“