Im Briefkasten: Kürzungen beim Auslandssender des Tschechischen Rundfunks
In ihren Kommentaren im März haben Sie erstrangig auf die Pläne des tschechischen Außenministeriums reagiert, die Gelder für Radio Prag International zu kürzen.
Unmittelbar nach Ostern möchten wir uns für die Ostergrüße von Ihnen bedanken, die bei uns angekommen sind. Wie üblich fangen wir aber mit unserer Quiz-Frage an. Die Preisfrage im April lautet:
1981 wurde bei Radio Prag eine Redaktion gegründet, die täglich ein einstündiges Programm vorbereitete und Propaganda betreiben sollte gegen die erste unabhängige Gewerkschaftsbewegung im Ostblock – die Solidarność. In welcher Sprache wurde gesendet?
Ihre Antwort schicken Sie bitte bis Ende dieses Monats an [email protected].
Im März wollten wir wissen, in welcher internationalen Kunstsprache der Tschechoslowakische Rundfunk vor dem Zweiten Weltkrieg gesendet hat, um ein möglichst breites ausländisches Publikum zu erreichen? Die richtige Antwort lautet: in Esperanto. Der erste Redebeitrag in Esperanto wurde 1923 vom Tschechoslowakischen Rundfunk ausgestrahlt.
Unser Glückwunsch und ein Sachpreis geht diesmal unter anderem an Andreas Mütze aus Deutschland. Eigentlich hat er zugestanden, dass eben die Quiz-Frage ihn bewogen habe, uns nach längerer Zeit wieder zu schreiben:
„Heute möchte ich mich nach einer längeren Pause wieder einmal mit ein paar persönlichen Zeilen bei Ihnen melden. Ich habe Ihren Sender in den letzten Monaten oft gehört, wenn gleich ich dazu nicht zu ‚Stift und Papier‘ beziehungsweise ‚in die Tasten gegriffen‘ habe. Nun habe ich mich aber wieder einmal an Ihrer Preisfrage beteiligt, zumal ich kurz vor der ‚Wende‘ bei uns in der DDR selbst begonnen hatte, die verhältnismäßig einfach zu erlernende Plansprache Esperanto zu erlernen. Schade, dass sich Esperanto nicht durchgesetzt hat.“
Im März hat ein Thema Ihre Zuschriften dominiert: Sie haben auf die Nachricht reagiert, dass das tschechische Außenministerium plant, die Gelder für Radio Prag International zu kürzen. Zum aktuellen Stand der Dinge: Mit der Verabschiedung des Staatshaushalts für 2026 ist beschlossene Sache, dass die Mittel für Radio Prag International um ein Viertel gegenüber dem vergangenen Jahr reduziert werden. Dies bedeutet nun für uns unter anderem auch, dass Personal abgebaut werden muss. Im Moment wird noch nach der Form gesucht, in der das Programm unter diesen einschränkenden Bedingungen aufrechterhalten werden kann. Was die Weiterfinanzierung ab 2027 angeht, liegen dem Rundfunk derzeit keine weiteren Informationen vom Außenministerium vor. Wir möchten uns für Ihre Unterstützung recht herzlich bedanken, sie ist für uns sehr wichtig. Aus Ihren Briefen und E-Mails zitieren wir im Folgenden. So schrieb Joachim Thiel aus Wuppertal im März:
ZUM THEMA
„Leider musste ich heute hören, dass geplant ist, die Gelder für Radio Prag International stark zu kürzen. Hoffentlich wird das nicht so durchgeführt; sind doch schon die teuren Kurzwellenausstrahlungen seit vielen Jahren hinfällig, und die Sendungen über die Website sind schon erheblich preisgünstiger. Ich wünsche mir, dass Radio Prag International auch weiterhin zumindest über die Website hörbar sein wird.“
Joachim Thiel und ebenso Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus haben darauf hingewiesen, dass es am 12. März im Deutschlandfunk einen Beitrag über die Zukunft von Radio Prag International gab. Auch andere deutschsprachige Medien haben über uns berichtet, und zwar „Die Zeit“ und die FAZ.
Martina Pohl aus Überlingen schrieb uns:
„Mit Verstimmung habe ich auf die Meldung reagiert, dass das tschechische Außenministerium beschließen will, die Finanzierung des Auslandssenders des Tschechischen Rundfunks vollständig zu streichen. Die Zukunft sieht ja alles andere als rosig aus, sollte dieser Schritt wirklich vollzogen werden. Ich hoffe inständig, dass die Kritik gegen dieses Vorhaben nicht abreißt.“
Andreas Mütze aus Neukirch macht sich Gedanken nicht nur über Radio Prag International, sondern allgemein über die öffentlich-rechtlichen Medien:
„Mit Entsetzen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass Ihre neue Regierung darüber nachdenkt, das öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehprogramm zu verstaatlichen und Radio Prag International womöglich ganz einzustellen. Das wäre wirklich sehr bitter, nicht nur für mich, da ich die Sendungen meiner Lieblingsstation nunmehr seit fast einem halben Jahrhundert verfolge. Nein vor allem auch für Ihre Hörerschaft in aller Welt, die sich immer wieder gern ein Bild von dem schönen kleinen Land im Herzen Europas aus erster Hand holen möchten.“
Herr Mütze stellt auch eine Frage:
„Wie steht die tschechische Bevölkerung zum Vorhaben, die Rundfunkgebühr abzuschaffen? Wenn ich das richtig verstanden habe, muss in Tschechien jeder Haushalt jeden Monat umgerechnet circa acht Euro Rundfunk- und Fernsehgebühren aufbringen. Das ist gegenüber den Gebühren in Deutschland (aktuell 18,36 Euro pro Haushalt) relativ gering. Aber auch bei uns in Deutschland werden die Stimmen lauter, die für die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Status plädieren. Es wäre fatal, wenn die öffentliche Meinung wieder über die Medien staatlich polarisiert wird.“
Sie haben richtig gerechnet, Herr Mütze. Aktuell handelt es sich tatsächlich um 50 Kronen, also zwei Euro für das Radio und 155 Kronen, das heißt sechs Euro für das Fernsehen.
ZUM THEMA
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag des Tschechischen Fernsehens vom Ende vergangenen Jahres befürworten rund 60 Prozent der Bürger die Abschaffung der Gebühren und deren Ersetzung durch Direktzahlungen aus dem Staatshaushalt. Gleichzeitig räumt jedoch die Hälfte der Bevölkerung ein, dass die Finanzierung aus dem Staatshaushalt die Unabhängigkeit der Medien gefährden könnte. Eine deutliche Mehrheit (87 Prozent) spricht sich für die Einführung einer Finanzkontrolle durch den Obersten Rechnungshof aus.
Er wünsche dem Team, dass Radio Prag International weiterhin gute, interessante Sendungen über das schöne Land in der Mitte Europas und dessen Bürger in alle Welt sende, schließt Andreas Mütze. Sein Brief enthielt aber noch eine Frage:
„Können wir als Hörer von Radio Prag International in irgendeiner Form etwas tun, damit die Entscheidungsträger vielleicht doch von Ihrem Ziel nicht mehr so überzeugt sind und gegebenenfalls umschwenken?“
Vielen Dank für die Frage, Herr Mütze. Die Zeit ist im Moment noch nicht soweit, weil wir bisher keine Informationen darüber haben, wie es mit uns weitergeht und nicht einmal darüber, was die Kürzungen für unser Programm bedeuten. Wir wollen Sie natürlich dazu auf dem Laufenden halten. In den nächsten Monaten werden wir uns sicher an Sie wenden, falls wir eine Möglichkeit sehen, dass uns eine konkrete Form der Unterstützung durch die Hörerinnen und Hörer sowie Leserinnen und Leser helfen könnte.
Michael Lindner aus Gera berichtet indes, er habe aus eigener Initiative ein persönliches Protestschreiben an den tschechischen Außenminister Petr Macinka (Motoristé sobě) geschickt, da ihn die Gefahr der Einstellung des Auslandsdienstes emotional stark berühre. In seinem Brief an unsere Redaktion äußert er Bedenken darüber, dass man einen traditionsreichen, erfahrenen und äußert beliebten Auslandsdienst aus Kostengründen schließen wolle. Er schreibt:
„Man zieht sich doch mit so einer Entscheidung, das mediale Sprachrohr der Tschechischen Republik zu schließen, den Boden unter den Füßen weg. Ich hoffe vom ganzen Herzen, dass sich alle Freunde von Radio Prag International aktiv dafür einsetzen, dass die geplante Einstellung des Auslandsdienstes überdacht und ein für alle Male zu den Akten gelegt wird.“
Und damit die Lage von Radio Prag International diesmal nicht unser einziges Thema im Hörerforum ist, hier noch einige Anmerkungen von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer.
Joachim Thiel aus Wuppertal reagiert unter anderem darauf, dass sich das tschechische Nationalteam nach 20 Jahren endlich wieder für die Fußball-WM qualifiziert hat, aber auch auf unsere Serie „Tempel der Literatur: Fünf historische Bibliotheken Tschechiens“:
„Ich wünsche der tschechischen Fußballnationalmannschaft, dass sie auch bei der WM viel Erfolg hat und möglichst weit kommt. Der Beitrag über die Schlossbibliothek war für mich sehr hörenswert, besonders die darin beschriebenen Details zur Bibliothek und den Gastgeschenken.“
Zur erwähnten Serie äußert sich auch Martina Pohl aus Überlingen:
„Ich finde es toll, wie Sie es immer wieder schaffen, interessante Themen zu bringen. So auch die fünfteilige Reihe über die schönsten alten Bibliotheken, von denen ich keine versäumen werde.“
Eine besondere Freude bereitet uns, wenn unsere Sendungen und Artikel für Sie zur Inspiration werden. Wie etwa im Fall von Alfred Albrecht aus Emmendingen:
„Ich wollte Ihnen schon lange schreiben, dass ich mir aufgrund Ihrer Webseite ‚Tschechische Bücher, die sie lesen sollten‘, das Buch ‚Gerta, das deutsche Mädchen‘ gekauft und gelesen habe. Das Buch hat die Schriftstellerin Kateřina Tučková sehr gut geschrieben, wenn auch so manche Seite des Buches mir fast die Luft nahm. Aber auf jeden Fall ist dieses Buch lesenswert.“
Thorsten Brandenburg hat sich nach recht langer Zeit aus München gemeldet:
ZUM THEMA
„Im letzten Jahr gab es bei mir privat wie auch beruflich viele Veränderungen, so dass ich zwar regelmäßig Ihr Programm gehört, jedoch nicht geschrieben habe. Nachdem ich nun durch eine Lungenentzündung für einige Zeit ‚außer Gefecht gesetzt‘ war, habe ich auch fast täglich Ihre Sendungen wieder gehört. Und das – wie auch in den letzten 45 Jahren – gerne und interessiert! Ich hatte ja ebenso wieder Gelegenheit, Prag zu besuchen und mich an der Schönheit der Stadt zu erfreuen. Und das obwohl der Tourismus in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat und es teilweise ein ganz schönes Gedränge gibt. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, mich wieder häufiger zu melden, sollen Sie doch wissen, dass ich immer noch gerne Ihre Sendungen aus Prag höre!“
Und damit endet unsere heutige Sendung. Schreiben Sie uns bitte weiter an Radio Prag International, deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder per E-Mail an [email protected].
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