Opernrummel an Turngeräten: Donizettis „Viva la Mamma“ im Ständetheater

„Rummel in der Oper“ (Foto: Národní divadlo)

Geschehen hinter den Kulissen steht im Mittelpunkt einer Operngroteske von Gaetano Donizetti. In den deutschsprachigen Ländern ist sie unter dem Titel „Viva la Mamma“ bekannt. Das Werk wird eher selten aufgeführt, ist nun aber nach vielen Jahren wieder in Prag zu sehen. Die Neuinszenierung hatte vor kurzem im Ständetheater Premiere.

„Poprask v opeře“  (Foto: Národní divadlo)
Donizetti schrieb die Oper 1827. Ursprünglich hieß sie „ Le convenienze ed inconvenienze teatrali“ – auf Deutsch in etwa: „Sitten und Unsitten der Leute vom Theater“. In Prag wird das Werk unter dem Titel „Poprask v opeře“ aufgeführt, das bedeutet „Rummel in der Oper“. Und das Wort „Rummel“ beschreibt auch hervorragend die Handlung der Belcanto-Komödie. Sie spielt während der Proben in einem Theater. Der italienische Dirigent Enrico Dovico hat die Oper zusammen mit dem Ensemble des Prager Nationaltheaters einstudiert:

„Die Oper wird auch in Italien eher selten gespielt. Denn es ist keine klassische Story, in der eine Sopranistin, ein Tenor und ein Bariton auftreten. Der Komponist führt die Zuschauer ins Opernhaus mit allen typischen Merkmalen, die er parodiert. Geschildert werden die Launen der Primadonna, die nicht das singen will, was der Komponist für sie geschrieben hat. Der hochmütige Tenor mag wiederum nicht zusammen mit den anderen Kollegen auftreten. Dazu kommt ein Impresario, der die Geldsorgen des Ensembles lösen muss. Es ist eine Oper, die eigentlich eher für uns Mitwirkende als für das Publikum geschrieben wurde. Denn es werden da Probleme angesprochen, mit denen wir jeden Tag zu kämpfen haben.“

Regie der Oper hatte der Mime, Performer und Choreograph Radim Vizváry. Er sagt, die Handlung sei sehr einfach, sie setze sich aus verschiedenen Situationen zusammen.

„Wir haben lange darüber nachgedacht, in welche Umgebung wir die Handlung platzieren. Dann haben wir uns für eine Turnhalle entschieden. Dort spielt in unserer Inszenierung der erste Teil der Oper. Wir fanden es witzig, die Welt der Oper in einen Raum zu übertragen, der nur durch Bewegung charakterisiert ist. Dieser Widerspruch fördert das Groteske an der Oper. Es ist nämlich eine Opera buffa.“

Kateřina Kněžíková  | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International
Neben der grotesken Handlung bietet Donizettis Oper glänzende Belcanto-Musik. Sopranistin Kateřina Kněžíková singt die launische Primadonna. Sie hat auch bereits in anderen Werken von Donizetti:

„Für mich und für die Gesundheit meiner Stimme stehen die Belcanto-Opern noch über den Opern von Mozart. Dies liegt wahrscheinlich daran, wie die Gesangmelodie geführt wird. Ich kann mich bei Mozart erholen – und noch mehr bei Donizetti und anderen Belcanto-Rollen und Opern.“

Regisseur Vizváry lobt die Darsteller. Er sei verblüfft gewesen von den Proben, sagt er:

„Die Sängerinnen und Sänger haben viel Raum erhalten, um sich selbst zu parodieren. Und das hat ihnen viel Spaß gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass wir es alle genossen haben.“

Die Oper „Poprask v opeře“ von Gaetano Donizetti wird in dieser Saison noch fünfmal im Ständetheater aufgeführt. Die nächste Vorstellung findet am 24. Februar statt. Veranstaltungsbeginn ist jeweils 19 Uhr.