Tschecho-slowakischer Gleichklang: Premier Nečas zu Besuch in Bratislava
Der tschechische Premier Nečas hielt sich an die Tradition und absolvierte am Montag seine erste Auslandsreise in die Slowakei. Man steht sich nahe, näher vielleicht als vor dem Jahr 1993, in dem sich die Tschechoslowakei in zwei eigenständige Staaten aufspaltete. Hinzu kommt, dass auch seine slowakische Amtskollegin Radičová aus der gleichen politischen Ecke kommt und ebenso unerwartet wie Nečas ins Amt gelangte.
„Ich möchte es mit drei Worten ausdrücken: Vertrauen, Freundschaft, Zusammenarbeit“, so Premierministerin Radičová.
Harmonie prägt aber nicht nur die traditionell guten Beziehungen zwischen den beiden ehemaligen Bruderländern. Auch die politische Heimat beider Spitzenpolitiker ist ähnlich, nämlich konservativ. Und beide haben es auf den Chefsessel ihrer Regierungen geschafft, obwohl ihre Parteien die Wahlen nicht gewonnen hatten. Nečas macht der Gleichklang gute Laune:„Mit einem gewissen Augenzwinkern sage ich immer: Es ist uns perfekt gelungen, die politischen Zyklen unserer Länder zu synchronisieren. Das betrifft nicht nur die Wahlen, sondern auch die sehr ähnlichen Prioritäten unserer Regierungen und ihre programmatische Einfärbung.“
Enge Zusammenarbeit bei der Haushaltskonsolidierung, gemeinsam werde man auf die Schuldenbremse treten, beide Regierungen wollen ihre Erfahrungen austauschen bei den anstehenden Reformen. Da dürfte Tschechien allerdings mehr von der Slowakei profitieren als umgekehrt. Schon vor der Euro-Einführung mussten die Slowaken einige Hausaufgaben erledigen. Dennoch: Die Nähe geht so weit, dass Nečas und Radičová sich gemeinsame Regierungssitzungen zu Problemen vorstellen können, die beide Länder betreffen - den Autobahnausbau, Überschwemmungen oder die Koordinierung des Verhältnisses zur EU. Und auch bei einem brennenden außenpolitischen Problem hat Bratislava Prag auf seiner Seite: Ungarn will Angehörigen seiner Minderheit in der Slowakei die ungarische Staatsbürgerschaft erteilen. Eine Provokation, heißt es aus der Slowakei. Der tschechische Premier versucht dennoch zu vermitteln und die Wogen zu glätten:„Jedes Anzeichen von politischer Spannung zwischen zwei Mitgliedstaaten der EU in dieser mitteleuropäischen Region – und das während einer globalen Wirtschaftskrise – kann sich sehr leicht auch wirtschaftlich niederschlagen. Das ist einer der Gründe, warum es für uns wichtig ist, dass die Beziehungen im Rahmen der Visegrád-Gruppe so stabil wie möglich sind.“
Nečas und Radičová sind unmittelbar nach ihrem Treffen gemeinsam nach Budapest gereist, wo sie mit dem ungarischen und dem polnischen Kollegen am Treffen der Visegrád-Gruppe teilnehmen.







