Echte Romantik: Prager Nationaltheater führt Bournonvilles Ballett auf

Foto: Roman Sejkot

Wie sah die Ballettkunst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus? Davon können sich die Tanzfreunde nun auch im Prager Nationaltheater eine Vorstellung machen. Unter dem Titel „La Sylphide / Napoli“ führt das Ballettensemble zwei Werke vom namhaften dänischen Choreografen August Bournonville auf. Das ausverkaufte Nationaltheater belohnte die Künstler bei der Premiere mit einem lang andauernden Beifall.

Foto: Roman Sejkot
August Bournonville war trotz seines französischen Namens ein Däne und ist bis heute zweifelsohne der bekannteste dänische Choreograf und Tänzer geblieben. Er schuf selbst mehr als 50 Ballette. In den meisten davon tanzte er die Hauptrollen. Sein Stil, der viel Tanzpantomime benutzte, stellt hohe Ansprüche an die Technik sowie die Ausdrucksmittel der Tänzer. Bournonvilles Tradition wird von dessen Heimattheater – dem Königlichen Dänischen Ballett in Kopenhagen - mehr als 170 Jahre lang gepflegt. Das Ballett „La Sylphide“ über die Auseinandersetzung der realen Welt mit der übernatürlichen erträumten Welt hatte 1836 in Kopenhagen Premiere. Musik schrieb damals auf Bournonvilles Wunsch der dänische Komponist Herman Severin von Løevenskjøld.

Frank Andersen  (Foto: Autorin)
Das Prager Nationaltheater lud den Chef des Königlichen Dänischen Balletts Frank Andersen mit seinen Mitarbeitern ein, um das romantische Prunkstück mit den Prager Tänzern einzustudieren. Andersen ist ein großer Kenner von Bournonvilles Schaffen und Stil. Wie geht man auf ein Werk ein, das in Dänemark sozusagen als nationales Juwel gilt?

„Ich glaube, dass es individuell ist, was für einen Zugang man bei der bestimmten Inszenierung wählt. Mein Wunsch ist es, eine Inszenierung mit Originalstil zu schaffen, die lebendig sein muss. Das Publikum soll darin etwas Gegenwärtiges entdecken können, sonst würden wir riskieren, dass wir ein Museumsstück aufführen. Und das wollen wir nicht.“

Foto: Roman Sejkot
Das Ballett „La Sylphide“ wird in Prag gemeinsam mit dem dritten Akt aus einem weiteren populären Stück von Bournonville aufgeführt – dem lustigen Ballett „Napoli“. Der Ausschnitt aus diesem Werk ergänzt Frank Andersen zufolge in einem Tanzabend passend die dramatische Sylphidengeschichte. Das Prager Publikum verstand die Vorstellung sehr gut, meinte der Ballettdirektor aus Kopenhagen. Bei der Zusammenarbeit mit den Tänzern konzentrierte sich Frank Andersen auch auf kleinste Details und Gesten:

"Es war ein spannender Entwicklungsprozess, den ich erlebte. Für viele der Tänzerinnen und Tänzer war es eine große Herausforderung. Ich komme bestimmt wieder nach Prag. Im Oktober möchte ich hier ein Bournonville-Seminar vorbereiten. Die Interessenten können dabei mehr über den Stil dieses Choreografen lernen. Dies habe ich mir mit meinen Mitarbeitern fest vorgenommen.“