Wein- und Branntweinmuseum in Mutenice: Hl. Urban und Heidengötter schützen die Fässer
Nicht weit von den berühmten "Budy", den insgesamt 500 historischen Weinkellern, entfernt, erstreckt sich ein weiß-gelber Gebäudekomplex mit einem großen Hof, der auf der linken Seite von einer Reihe von riesigen Fässern gesäumt ist. Die kann man betreten und sich in ihnen sogar auf einer Bank ausruhen. Die lustigen Verse auf den Fässern sowie die Wandmalereien an den Häusern lassen ahnen, dass man einen den edlen Tropfen geweihten Tempel betritt. "Svet vina a palenek", die Welt des Weins und Branntweins, heißt Vladislav Jaroseks Wein- und Branntweinmuseum, das im Areal des ehemaligen sozialistischen Weinproduktionsbetriebs errichtet wurde.
Auch die Bewohner von anderen Gemeinden bekommen von ihren Nachbarn Spitznamen. So werden die Leute aus Ratiskovice "velesaci" genannt, was für jemand, der nicht gerade aus Südmähren stammt, völlig unverständlich ist. Wie Iva Krystofova sagt, bedeutet "veles" so etwas wie Krapfen. In Ratiskovice werden ihren Worten zufolge eben sehr viele Krapfen gegessen.
"Wenn die Bewohner aus Mutenice nach Potvorov fahren, nennen sie die dortigen Leute ´syslari´. Denn in Potvorov leben zwar nicht viele Leute, aber von den wenigen ist dort fast jeder ein passionierter Jäger. Die sind ständig irgendwo auf der Jagd, und in den dortigen Wäldern gibt es viele Tiere. Aus dem Grund nennt man die von Potvorov ´syslari´ also Hamster." Auch die Nachbarn in der einstigen Johanniterfestung Cejkovice haben einen Scherznamen bekommen. Iva Krystofova ist jedoch unsicher, woher dieser Begriff kommt. Denn die Cejkovicer sind einfach "slipaci" - ob es mit slipka - der Henne was zu tun hat, wissen sie höchstwahrscheinlich selbst nicht mehr.Nach der einleitenden Kurzlektion, in der ich mich mit den Feinheiten der Mundart von Mutenice ein wenig bekannt machen konnte, nahm ich an einer Führung durch die "Welt des Weins und des Branntweins" teil. Das Gebäude, in dem die Führung beginnt, stammt aus den 1930er Jahren. Einst hatte hier eine Obst verarbeitende Genossenschaft den Sitz. Im 65 Meter langen Keller erreicht die Temperatur während des ganzen Jahres nur 11 Grad Celsius, sagt Studentin Adela Zemankova, die den Touristen das Museum zeigt. Im Keller gibt es zahlreiche Archivfässer, sagt sie, wobei sie nicht das übliche tschechische Wort "sud" für Fass, sondern das schöne mährische "becka" benutzt. In den "becky" gab es jedoch keinen Wein, wie ich angenommen habe.
"Darin wird der Brandy von Mutenice gelagert. Es gibt da den fünf- und zehnjährigen Brandy. In Mutenice gehört die Brandy-Produktion zur Tradition. Ursprünglich wurden in diesem Keller Sektflaschen gelagert, als die Räumlichkeiten noch dem Weinproduktionsbetrieb gehörten. Vor uns gibt es 120 Boxen, die aber neu sind. Herr Jarosek ließ sie vor drei Jahren, als er das Areal gekauft hat, errichten. In diesen Boxen werden etwa 70.000 Flaschen Archivwein gelagert. Wir haben keinen Fasswein da, nur Flaschenwein. Aber im September und Oktober wird hier Federweißer angeboten. Die Fässer in diesem Raum dienen als Tische. Wenn hier eine Verkostung veranstaltet wird, werden auf den Fässern Flaschen und Gläser aufgestellt. Dann kommt hier meine Mitarbeiterin und kündigt beispielsweise an: Cabernet-Sauvignon, ein Schokoladearoma, er schmeckt den Frauen!"Serviert werden dazu die hiesigen kleinen "Kolatschen" - kolacky, mit Rosinen und Quark gefüllt - aber auch Grieben und Brot.
Den vorher gelobten Brandy von Mutenice habe ich nicht gekostet, ich wollte aber wissen, wodurch er typisch ist.
"Der Brandy wird aus Weintrauben hergestellt. Es ist aber ein Produktionsgeheimnis, was alles hinein kommt. Die ursprüngliche Destillierungsanlage für den Brandy von Mutenice steht im Hof des Museums. Die großen Eichenfässer, die im Hof stehen, dienten früher dazu, den Brandy zu lagern."
Die Kellerwände hatten eine kaum definierbare Farbe, die durch den überall wachsenden Schimmelpilz verursacht war. Adela Zemankova zufolge ist dieser Pilz wichtig und wertvoll. Wie ich mich überzeugen konnte, machte der Pilz nicht einmal vor einer Heiligenstatue halt. Denn die in einer Nische platzierte Figur des Heiligen Urban - des Patrons der Winzer - nahm fast dieselbe grüngraue schimmlige Farbe an wie die Wände rundherum. Heidnische Göttergesichter konnte man dagegen an einigen der großen Fässer sehen. Neben Bacchus war es noch ein Damenantlitz:"Das ist unser Logo - die Jagdgöttin Diana. Dieses Logo wurde von Oldrich Kulhanek entworfen, der auch die tschechischen Banknoten entworfen hatte. Diese verzierten Fässer werden nur einmal im Jahr - am Tag des heiligen Martin - benutzt. An diesem Tag werden sie mit jungem Wein gefüllt. Es kommt der hiesige Pfarrer, der den Wein weiht. Nach dieser kirchlichen Zeremonie wird der Wein dann hier serviert und gekostet."
Die Führung durch das Wein- und Branntweinmuseum in Mutenice werden wir in der nächsten Ausgabe des Reiselands fortsetzen. Dabei werden wir auch einen Jagd- und Safarisalon besuchen.
Fotos: Autorin










