Der Wein und die Venus von Vestonice - Gespräch mit Jiri Kopecek
In unseren Wanderungen durch die Weinregionen Tschechiens werden wir diesmal Valtice besuchen, das als die mährische Hauptstadt des Weins gilt. Einerseits gibt es hier eine Weinbauschule, andererseits hat hier seit etwa zehn Jahren die Winzerakademie ihren Sitz. Wir stellen Ihnen deren Präsidenten Jiri Kopecek vor.
"Eine meiner Großmütter stammte aus der Gemeinde Postorna, die sich in der Nähe befindet. Die andere Großmutter wurde in Valtice geboren. Mein Großvater mütterlicherseits war der größte tschechische Bauer im damaligen Feldsberg, wie Valtice hieß. Meine Großmutter hat hier die erste tschechische Gaststätte geöffnet. Wir sind mit der Region so eng verbunden, dass mir nie im Leben einfiel, woanders hin überzusiedeln."
Auch wenn heute Jiri Kopecek zu den führenden Weinexperten bei uns gehört und aus der so genannten "Hauptstadt des Weins" stammt, dachte er am Anfang nicht daran, Winzer zu werden:
"Ich wollte immer Förster werden. Denn mein Urgroßvater war Oberförster bei der Familie Lichtenstein. Aber mein Vater fing als Gärtner an, Wein zu züchten. Dies hat mich so mitgerissen, dass ich mich für die Weinbauschule entschied. Wenn ich etwas mache, mache ich es schon sehr gründlich. So befasse ich mich bis heute mit dem Weinbau."Einen Weinkeller gab es in der Familie schon. Wenn man sich dann mit der Chemie, Biochemie, Mikrobiologie im Zusammenhang mit der Weinproduktion befasst, stellt man fest, dass der Wein immer ein Bestandteil der Natur ist, sagt der Weinexperte.
"Wenn Sie sich dann die Weinberge in dieser warmen Region anschauen, kommen Sie zu dem Schluss, dass der Wein in die hiesige Landschaft gehört."
Jiri Kopecek wirkte an der Weinbauschule in Valtice als Lehrer. Vor etwa zehn Jahren gründete er die Winzerakademie. Der Weg dazu war jedoch nicht ganz einfach.
"Ich hatte vielleicht das Glück oder Unglück, dass ich als Sohn eines Gewerbetreibenden im Kommunismus nicht an der Hochschule studieren durfte, auch wenn ich mir das sehr gewünscht habe. Ich habe zwei Jahre lang in Weinkellern gearbeitet. Diese gehörten damals dem größten Staatsgut in Tschechien, das über 1400 Hektar Weinberg verfügte. Dort habe ich alle Arbeiten, die mit der Weinproduktion verbunden sind, gemacht. Beginnend mit der Arbeit im Weinberg bis zur Arbeit im Weinkeller. Dabei habe ich viel gelernt, und ich kann sagen, dass ich heute bei jedem Arbeitsschritt in der Weinproduktion einspringen könnte. Ich konnte erst später anfangen, an der Hochschule zu studieren. Dort begegnete ich Professor Vilem Kraus, der mich begeistert hat. Seine Art, wie er Vorträge hält, hat mir immer sehr gut gefallen. Für mich ist er ein Vorbild und ich wollte etwas für die Propagierung der Weine aus Tschechien machen. Bei uns werden nämlich hervorragende Weine produziert, und es ist notwendig, sie bekannt zu machen."
Mit Professor Kraus, der als Weinexperte auch im Ausland hoch geachtet wird, teilte Jiri Kopecek die Meinung, dass die tschechischen Winzer zwar gute Weine machen können, dass die Gastronomie jedoch nicht imstande ist, diese Weine zu verkaufen. 1996 gründete Jiri Kopecek in Valtice die Winzerakademie - eine Bürgervereinigung, die sich vor allem auf Bildungstätigkeit konzentriert mit dem Ziel, die Weinkultur zu fördern. Zu den Mitarbeitern der Winzerakademie gehören herausragende Experten aus dem Bereich, einschließlich Professor Vilem Krau. Die Winzerakademie bereitet Kurse und Seminare für Mitarbeiter in der Gastronomie vor und bildet beispielsweise Sommelliers aus. Die Akademie bietet jedoch auch Wochenendkurse an, in denen man Grundkenntnisse über den Weinbau gewinnen kann. Können auch absolute Laien an diesen Kursen teilnehmen?"Es handelt sich nicht um absolute Laien. Aber die Interessenten sind nicht nur Leute, die als Profis in der Weinproduktion oder Gastronomie arbeiten. Die Weinliebhaber, die sich zur Teilnahme an den Kursen anmelden, haben jedoch oft tiefere Kenntnisse als Leute, die in der Gastronomie tätig sind. Wir haben hier als Kursteilnehmer inzwischen Menschen verschiedener Professionen erlebt - beispielsweise Ärzte, Juristen, Steuerberater oder auch eine Professorin von der technischen Hochschule. Das sind Leute, die das als Hobby betreiebn, viel herumreisen und oft wirklich sehr viel vom dem Fach wissen."Kurse mit dem Titel "ABC des Weines" organisiert die Winzerakademie übrigens auch für Journalisten.
Wenn man über die Anfänge des Weinbaus auf dem Gebiet Tschechiens spricht, wird meistens an die Römer erinnert, die einst die Weinrebe in der fruchtbaren Gegend des heutigen Südmährens gezüchtet haben. Im gleichen Atemzug wird auch Karl IV. erwähnt, der zweifelsohne Verdienste um die Verbreitung des Weinbaus in den böhmischen Ländern hat. Der Präsident der Winzerakademie in Valtice, Jiri Kopecek, meint, dass die Anfänge des Weinbaus tiefer in der Vergangenheit zu suchen sind.
"Ich bin persönlich der Meinung, dass die Kelten etwa 500 vor unserer Zeitrechnung den Wein gekannt hatten und ihn auch einigermaßen produzieren konnten. Ich nehme an, dass sie den Wein genossen haben, um gesund zu bleiben. Wir sind der Meinung, dass hier die Weinrebe schon seit eh und je gezüchtet wird."
Nicht weit von Valtice entfernt - in Dolni Vestonice wurde die offensichtlich berühmteste und wertvollste Keramikfigur Tschechiens gefunden - die Venus von Vestonice. Derjenige, der die Fruchtbarkeitsfigur vor etwa 25.000 Jahren schuf, modellierte sie Jiri Kopecek zufolge in etwas gehobener Stimmung.
"Die Mammutjäger konnten bestimmt kein Bier brauen. Aber einen vergorenen Traubensaft hatten sie vielleicht schon ausprobiert und danach aus den Beeren ein Heilmittel produziert. Dieses inspirierte dann jemanden dazu, eine so schöne Figur zu basteln."











