Bewegung und Spaß in der Herzgruppe

Auch in Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch Todesursache Nummer eins. Wie eingangs erwähnt: Fast die Hälfte aller Todesfälle in der Bundesrepublik lässt sich darauf zurückführen. Erst an zweiter Stelle folgen die Krebsleiden. Die Gründe für Gefäßerkrankungen sind vielfältig, aber viele davon lassen sich eben auf ungesunde Lebensgewohnheiten zurückführen und wären vermeidbar. Neben den primären Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen oder Diabetes spielen auch falsche Ernährung und Bewegungsmangel eine große Rolle. Nicht nur bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch bei der Rehabilitation. Viele deutsche Herzpatienten sind deshalb Mitglied einer so genannten "Herzgruppe". Was genau das ist, erklärt Susanne Henn von der Deutschen Welle.

Den Puls in Schwung bringen, das ist an diesem frühen Dienstagmorgen das Ziel in der Trainingshalle sieben der Deutschen Sporthochschule in Köln. Allerdings bewegen sich hier keine Sportstudenten zu den Klängen der Musik, sondern elf Menschen im Rentenalter, allesamt Mitglieder einer so genannten "Herzgruppe". Sie gehen rhythmisch im Kreis, schwingen Arme und Beine nach vorn und sehen dabei sehr fröhlich aus. Allein das häufige Pulsmessen und die Tatsache, dass vor der Hallentür eine Ärztin bereit sitzt, deuten darauf hin, dass es sich hier um Herz-Kreislaufkranke in der Rehabilitation handelt. Einer davon ist Herbert Over, 71 Jahre alt und seit einer Bypass-Operation im Jahr 1999 dabei:

"Ich hab' damals geglaubt, das war's. Dass ich noch mal so laufen und Ball spielen kann, das hab' ich mir nicht mehr vorstellen können."

Über 6.000 Herzgruppen gibt es mittlerweile in Deutschland. Und dort werden bundesweit über 100.000 Patienten von qualifizierten Übungsleitern und Ärzten angeleitet. Bewegung zur Musik, Koordination, Muskelaufbau - die 90 Minuten Training gehen schnell vorüber. Die Stimmung ist locker, die Patienten fühlen sich sichtlich wohl. Hella Simons ist 69, hat seit fünf Jahren eine neue Herzklappe und ist fast genauso lange in der Sportgruppe dabei. Ihr Mann hat sie gegen ihren Willen angemeldet, heute ist sie ihm dankbar:

"Also früher, hab' ich zwar meine Gymnastik gemacht, aber gedacht 'Och, jetzt muss ich schon wieder hingehen'. Und jetzt freue ich mich, es ist immer besser geworden, allein durch die Freude daran."

Und fitter werden die Teilnehmer ganz sicher in der Herzgruppe, bekräftigt Fritz Kolb, auch schon seit sechs Jahren dabei:

"Ich bin mindestens genauso gut in Form wie vor meiner Geschichte, also vor Herzinfarkt und Bypassoperation."

Heute schafft der 76-jährige wieder locker einen 30-minütigen Fußmarsch.

Lebenslange Rehabilitation ist das Ziel der Herzgruppen. Hier an der Deutschen Sporthochschule wurden sie 1974 als Modellprojekt eingerichtet. Dieses "Kölner Modell" der ambulanten Herzgruppen war prägend für die Herzgruppenarbeit in ganz Deutschland, denn es wurde erforscht, welchen Einfluss körperliche Aktivität hat, und welche Übungen und Belastungsformen geeignet sind. Bewegung ist sehr wichtig in der Rehabilitation, erklärt Birna Bjarnason-Wehrens, promovierte Sportwissenschaftlerin und zuständig für die Herzgruppen an der Sporthochschule:

Je nach Krankheitsbild, Lieblingssport und Fitnesslevel werden die Patienten in verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Krankenkassen subventionieren die Teilnahme für die ersten ein bis zwei Jahre, danach zahlen die Teilnehmer 175 Euro im Halbjahr. Aber Fritz Kolb und Herbert Over bereuen diese Ausgaben nicht:

"Jetzt bezahle ich das ganz, aber das ist einem die Gesundheit ja wert!"

"Hier gibt's was zu lachen und vor allem die Bewegung. Die Bewegung ist das A und O bei der ganzen Geschichte."

Und dann ist die Dienstagsstunde auch schon wieder vorbei. Aber am Freitag geht's wieder weiter, mit Bewegung in der Herzgruppe.