Fahrerflucht: Was droht in Tschechien?

Etwa jede halbe Stunde fährt in Tschechien ein Autofahrer nach einem Verkehrsunfall davon. Was wird alles als Verkehrsunfall eingestuft? Und was droht den Fahrern?

Wer einen Unfall verursacht und sich unerlaubt entfernt, begeht eine Straftat beziehungsweise Ordnungswidrigkeit. Die sogenannte Unfallflucht wird in Tschechien in rund 18.000 Fällen pro Jahr begangen, wie aus den Daten des Zentrums für Verkehrsforschung hervorgeht.

Eine Polizeistreife erwischte im November letzten Jahres einen Autofahrer, der in der Nähe des Krankenhauses in Svitavy in ein geparktes Auto krachte. Die Polizeisprecherin im Kreis Pardubice, Dita Holečková, beschreibt:

„Sofort war eine Streife bei ihm, denn sie wurde von einem aufmerksamen Zeugen über die Notrufnummer 158 alarmiert. Die Polizisten wollten den Fahrer kontrollieren, der versuchte aber, in ein Feld davonzulaufen. Er wurde jedoch eingeholt und festgenommen.“

Da der Fahrer zu jenem Zeitpunkt betrunken war, behandelt die Polizei den gesamten Fall als Verbrechen unter dem Einfluss eines Suchtmittels.

Selbst ein kleiner Unfall, wenn man etwa beim Einparken ein anderes Fahrzeug beschädigt, ist ein Unfall. Ein hinterlassener Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht aus. Denn nach derzeitiger Rechtslage ist das Entfernen vom Unfallort auch in einer solchen Situation nicht erlaubt.

In Tschechien steigt aber auch die Zahl der Fälle, in denen Autofahrer bei Unglücken mit Personenschäden oder gar mit Todesfolge einfach wegfahren. Lukáš Kadula arbeitet im Zentrum für Verkehrsforschung:

„Wir verzeichnen leider rund 500 solche Unfälle pro Jahr, bei denen Personen verletzt werden. Fast die Hälfte davon geschieht auf Straßen innerorts, etwa 30 Prozent dann auf Kreisstraßen zweiter und dritter Klasse.“

Im vergangenen Jahr kam es zwölfmal dazu, dass sich ein Fahrer unerlaubterweise von einem tödlichen Unfall entfernte. Das waren vier Fälle mehr als im Jahr 2021. Einer der Gründe für die Fahrerflucht ist, dass die Person am Steuer betrunken ist oder unter Drogeneinfluss steht:

„Zudem neigen jene Autofahrer zu einer Unfallflucht, die in der Vergangenheit eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit begangen haben. In manchen Fällen kann auch eine akute Belastungsreaktion die Ursache sein“, ergänzt Lukáš Kadula.

Illustrationsfoto: Tschechischer Feuerwehrverband des Kreises Hradec Králové

Die Polizei warnt eindringlich vor einem solchen Handeln. Bei einem Unfall, bei dem nur ein Sachschaden an einem Fahrzeug entsteht, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Diese wird seit letztem Jahr mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Kronen (1000 Euro) bestraft. Wenn aber jemand bei einem Unfall verletzt wird oder sogar stirbt, behandelt die Polizei den ganzen Fall als Straftat, betont Polizeisprecherin Violeta Siřišťová:

„Es kann sich um unterlassene Hilfeleistung, fahrlässige Körperverletzung oder fahrlässige Tötung handeln. Wenn der Fahrer wegfährt, ist dies ein erschwerender Faktor, der zu noch härteren Strafen führen kann.“

Der Täter kann dann bis zu fünf Jahre ins Gefängnis kommen. Die Polizei rät daher in jedem Fall davon ab, einfach weiterzufahren. Auch wenn es sich nur um einen Parkunfall handelt, sollte die Polizei gerufen werden.

Laut Daten des Zentrums für Verkehrsforschung verlassen Fahrer aus den Kreisen Karlovy Vary / Karlsbad und Vysočina am seltensten den Unfallort. Die häufigsten Unfallverursacher, die Fahrerflucht begehen, kommen dagegen aus Prag, Mittelböhmen und Mährisch-Schlesien.

Autoren: Markéta Kachlíková , Luděk Hubáček
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