Erstmals in Europa: Autonomer Zug befördert Passagiere im Regelbetrieb
Am Samstag, den 5. April, ist es soweit: Zum ersten Mal in Europa fährt ein autonomer Zug mit Passagieren im Regelbetrieb auf freier Strecke. Konkret geht es um die Bahnstrecke zwischen Kopidlno nahe Jičín und Dolní Bousov bei Mladá Boleslav.
Die Fahrt mit dem autonomen Zug können die Fahrgäste demnächst an einigen Wochenenden ausprobieren. AŽD, ein Hersteller von Verkehrssicherungstechnik, hat für diesen Zweck einen Triebwagen der Baureihe 811 umgebaut, der „Edita“ genannt wird. Der Zug enthalte eine Reihe von speziellen Komponenten, sagte Zdeněk Lokaj in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Der Verkehrsexperte ist Dozent an der Technischen Universität (ČVUT) in Prag.
„Am wichtigsten ist eine Reihe von Sensoren, die die Umgebung des Zugs aufzeichnen. Zudem gibt es, sehr vereinfacht gesagt, einen Teil mit Computertechnik, die imstande ist, die auf der Bahnstrecke gesammelten Daten auszuwerten und die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. Die Technik kann den Zug steuern und auch auf unerwartete Situationen reagieren – also wenn sich beispielsweise ein Hindernis auf der Strecke befindet oder wenn die Geschwindigkeit beeinflusst werden soll, egal ob nach oben oder nach unten.“
Obwohl der Zug ohne Lokführer fährt, wird jederzeit ein Triebfahrzeugführer an Bord sein. Denn bisher erlaube die hierzulande geltende Legislative den völlig autonomen Bahnverkehr noch nicht, sagt Lokaj:
„Der Lokführer fährt für den Fall mit, dass die Technologie nicht in der Lage ist, sich zu entscheiden und der Lokführer aus irgendeinem Grund gezwungen ist, den Zug zu fahren. Der Grund könnte beispielsweise eine besonders schlechte Wetterlage sein.“
Der Experte hält die erste Fahrt eines autonomen Zugs mit Passagieren für eine Art Meilenstein im Bahnverkehr. Er merkt an:
„Wir sind sehr froh, dass die Tschechische Republik in diesem Bereich führend ist. Es geht dabei nicht nur um Züge, sondern auch um Straßenbahnen, die genauso mit autonomen Technologien ausgestattet werden. Es wird jedoch noch eine Zeit dauern, bis die Fahrzeuge im Stadtverkehr eingesetzt werden. Denn die Legislative muss für den autonomen Verkehr angepasst werden. Derzeit darf nur die Metro autonom fahren, da es sich aus rechtlicher Sicht um eine spezielle Strecke handelt.“
Laut Zdeněk Lokaj kommt noch hinzu, dass der Bahnverkehr an sehr viele Regeln gebunden ist. Seinen Worten zufolge müssen erst noch Möglichkeiten geschaffen werden, um Wagen zuzulassen, die einen der Automatisierungsgrade nutzen.
„Den Automatisierungsgrad nennen wir ,GoA‘, also ‚Grade of Automation‘. Das, was derzeit auf der Bahnstrecke getestet wird, entspricht dem höchsten, vierten Grad.“
Mit dem Wagen Namens „Edita“ können die ersten Passagiere am Samstag, den 5. April, fahren. Den Fahrplan für die „Kopidlnka“ finden Sie unter: www.kopidlnka.cz/jizdni-rad.







