Rettung der Villa von Adolf Loos in Hrušovany
Mehr als einhundert Jahre alt ist sie bereits: die Villa Bauer in Hrušovany bei Brno / Brünn, die von Architekt Adolf Loos entworfen wurde. Doch die Gemäuer sind ziemlich mitgenommen. Deswegen startet die Gemeinde nun die Rettung des Baudenkmals.
Auch vor den Toren von Brünn hat der gefeierte Architekt Adolf Loos seine Spuren hinterlassen. So projektierte er in den Jahren 1914 bis 1918 im Dorf Hrušovany eine Villa für den Eigentümer der örtlichen Zuckerfabrik. Sie ist auch nach eben jenem Viktor Bauer benannt. Doch zu kommunistischen Zeiten wurde nicht gerade pfleglich mit dem historischen Objekt umgegangen. Dabei ist es eines der ersten Häuser mit Flachdach, die in den Böhmischen Ländern gebaut wurden.
Vor fünf Jahren kaufte die Gemeinde die Villa, um sie endlich restaurieren zu lassen. Bürgermeister Pavel Kadlec (parteilos) zeigt aber auf die Holzbalken, die das Dach stützen, und in diesem sind Löcher zu sehen:
„Zunächst müssen wir das Gebäude retten, und das geht nicht ohne intaktes Dach. Hier regnete es hinein, und das Wasser wurde in Eimern aufgefangen. Die letzten provisorischen Ausbesserungen, die wir gemacht haben, konnten wenigstens das Eindringen des Wassers minimieren. Aber das Holz ist faul und vom Wurm zerfressen.“
Laut den Informationen der Gemeinde müssen 80 Prozent des Holzes ausgetauscht werden.
Bei den Restaurierungsarbeiten sollen dann etwa fachfremde Eingriffe in die Architektur rückgängig gemacht werden. Für die Erneuerung des Gebäudes zuständig ist der Architekt Petr Všetečka, der mit seiner Firma vor zwei Jahren die entsprechende Ausschreibung gewonnen hat. Er verweist zum einen darauf, dass die beiden Terrassen zugemauert und überbaut worden seien. Zum anderen sei auch die ursprüngliche Fassade verändert worden...
„Viele Türen und Fenster wurden versetzt, in der ganzen Gartenfassade befinden sich die Fenster anderswo als ursprünglich gedacht“, so der Architekt.
Auf etwas abenteuerliche Weise hat Všetečka mittlerweile zumindest zeitgenössisches Fensterglas finden können, denn mit entsprechenden Repliken ist er unzufrieden:
„Wenn ich um mein Haus im Brünner Stadtteil Králové Pole gehe, sehe ich nur mit Missfallen, wie die Leute ihre Fenster austauschen. Ich versuche dann, wenigstens das Glas aus dem Container oder dem Lkw zu holen, um es hier in der Villa zu verwenden. Und zusammen mit dem Gemeindeamt habe ich einige Rahmen mit solchem Glas gerettet, das wir erwiesenermaßen brauchen.“
Der Austausch der Fenster steht jedoch in der Abfolge nicht an erster Stelle. Zunächst soll eben das Dach saniert werden – und zwar ab kommendem Jahr. Dadurch will man Zeit gewinnen, um die Gelder für die weiteren Schritte aufzubringen. Denn die gesamte Restaurierung wird gemäß den bisherigen Plänen etwa 100 Millionen Kronen (rund vier Millionen Euro) kosten.
Entstehen soll ein Kulturzentrum. Dazu der stellvertretende Bürgermeister von Hrušovany, Dušan Knoflíček (Initiative Mladá změna), der selbst auch Architekt ist:
„Es sollen dort Ausstellungen und Vorträge veranstaltet werden können. Auch die kommerzielle Nutzung soll möglich sein, wir wollen Teile vermieten. So soll im oberen Stockwerk wieder ein Appartement entstehen, das dort Viktor Bauer auch ursprünglich schon hatte. Dieses soll unter Umständen vermietet werden oder als Hochzeitssaal dienen. Außerdem ist im Souterrain ein Café geplant.“
Weitere 100 Millionen Kronen sind veranschlagt, um die angrenzenden Gärten zu erneuern und zu erweitern. Nicht zuletzt soll ein Wohnhaus oder eine Gemeindebücherei gebaut werden, die die Tribüne des angrenzenden Fußballstadions verdeckt.
Der Plan ist, die Villa selbst bis 2030 zu sanieren und die Umgebung bis 2033 zu verschönern. Denn dann jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Architekt Adolf Loos. Für ihr Projekt sammelt die Gemeinde auch Gelder der Öffentlichkeit, und zwar über ein transparentes Konto. Alles Weitere findet sich auf der Website von Hrušovany, im Übrigen auch auf Deutsch.







