Goldene Kutsche aus Krumau: Highlight der neuen Ausstellung auf Schloss Eggenberg in Graz

Goldene Kutsche aus Krumau

Erstmals seit 360 Jahren hat die goldene Kutsche des Fürsten Eggenberg Südböhmen verlassen. Sie wird in einer speziellen Ausstellung auf Schloss Eggenberg in Graz gezeigt.

Das Schloss in Český Krumlov / Krumau diente ab 1622 für fast 100 Jahre der Fürstenfamilie Eggenberg. Aus dieser Zeit stammt die einzigartige goldene Kutsche, sie wird üblicherweise im Schlosssaal gezeigt, der nach der Adelsfamilie benannt wurde. Da die Kutsche derzeit nach Österreich verliehen ist, wurde in der südböhmischen Residenz für diese Saison ein anderer Saal für die Öffentlichkeit geöffnet. Naďa Goryczková leitet das Nationale Denkmalschutzinstitut. Gegenüber Radio Prag International erläutert sie:

Naděžda Goryczková | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„In diesem Jahr ist auf Schloss Krumau anstelle des Eggenberg-Saals der Spiegelsaal zugänglich. Dieser war zuvor nicht für Besucher geöffnet. Das Denkmalschutzinstitut wurde zur Teilnahme an einem großen Ausstellungsprojekt eingeladen, das unsere österreichischen Kollegen auf Schloss Eggenberg in Graz anlässlich des 400. Jubiläums der Residenz initiiert haben. Im Rahmen der Zusammenarbeit wird demnächst eine große Zahl von Artefakten von hier als Leihgabe auf Schloss Eggenberg gezeigt. Es handelt sich um Gegenstände, die zuvor im Eggenberg-Saal zu sehen waren. Aus diesem Grund können die Besucher den Saal derzeit nicht besichtigen. Und wir konzentrieren uns auf die Restaurierung des Saals.“

Paul Schuster leitet die Museumsabteilung und die Alte Galerie auf Schloss Eggenberg. Er ist einer der Kuratoren der neuen Ausstellung mit dem Titel „Ambition & Illusion. Schloss Eggenberg: Inszenierung der Welt“. Im Folgenden ein Gespräch mit dem Experten:

Herr Schuster, in der neuen Ausstellung auf Schloss Eggenberg werden mehrere Kunstgegenstände gezeigt, die aus Krumau stammen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht die Goldene Kutsche. Wie entstand die Idee, diese Artefakte nach Eggenberg zu holen?

„Anlass für die Ausstellung ist das 400-Jahre-Jubiläum von Schloss Eggenberg in Graz. 1625 hat Fürst Hans Ulrich von Eggenberg den Auftrag für den Bau dieses Schlosses gegeben. Die Idee, eine Ausstellung zu Familie Eggenberg und zu diesem Schloss zu machen, ist gar nicht denkbar ohne die Kolleginnen und Kollegen, die sich um die tschechischen Sammlungen kümmern. Denn das gemeinsame Erbe und die gemeinsame Geschichte von Graz, Schloss Eggenberg und Krumau ist eine gemeinsame Geschichte. Denn Krumau war eine wichtige Herrschaft und Residenz der Familie Eggenberg.“

Schloss Eggenberg in Graz | Foto: Elsemargriet,  Pixabay,  Pixabay License

Es war vermutlich nicht einfach, die historische Kutsche zu transportieren, denn sie ist verhältnismäßig groß. Wie wurde dabei vorgegangen?

„Dank der großzügigen Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen sowohl in Krumau, als auch in Budweis und in Prag haben wir wirklich kostbare Eggenbergica zu Gast in der Ausstellung für diese Saison. Die Goldene Kutsche ist zweifelsohne das Highlight der Ausstellung – die Zeremonialkutsche des Fürsten Johann Anton von Eggenberg. Das ist natürlich ein Objekt von Weltrang, das ganz besondere Vorbereitungen benötigt. Die Kolleginnen und Kollegen in Krumau haben schon vor längerer Zeit begonnen, das Objekt konservatorisch zu untersuchen, um entscheiden zu können, ob es überhaupt transportfähig ist und unter welchen Bedingungen. Dann wurde die Kutsche, nachdem das geklärt war, mit den Spezialisten und Restauratoren in Krumau zerlegt, auseinandergenommen und in Klimakisten für den Transport vorbereitet. Die Kutsche wurde in 22 Kisten verpackt.“

In Graz wurde sie dann wieder zusammenmontiert…

„Ja, genau. In den Klimakisten, damit die konservatorischen Bedingungen gewahrt bleiben, wurde sie von einer Speditionsfirma nach Graz transportiert. Hier haben sich die Kisten 24 Stunden an das Raumklima angepasst, und dann waren die tschechischen Kolleginnen hier, um die Kutsche wieder zusammenzubauen.“

Paul Schuster | Foto: Schloss Eggenberg & Alte Galerie

Wie ist die Geschichte dieser Kutsche, die zum ersten Mal überhaupt Böhmen verlassen hat?

„Diese Kutsche ist tatsächlich ein einzigartiges Objekt, wofür es weltweit keinen Vergleich gibt. Es ist eine barocke Zeremonialkutsche. Sie wurde vom zweiten Fürsten von Eggenberg für eine diplomatische Gesandtenreise nach Rom genutzt. Sie wurde auch in Rom im Auftrag gegeben und war Teil einer großen Prozession – des Einritts des Fürsten Eggenberg als kaiserlicher Botschafter in die Stadt Rom. Die Kutsche war ein reines Prunkstück, denn niemand saß in ihr, sondern man hat die diplomatischen Geschenke vom Kaiser an den Papst darin transportiert. Die Qualität und das Besondere bestehen darin, dass sie tatsächlich die letzte dieser Art ist. Es gibt kein vergleichbares Stück in Europa. Sie ist in der Qualität herausragend, denn sie wurde  von römischen Bildhauern gefertigt, und auch ihr Haltungszustand ist dank der Pflege in Tschechien einzigartig.“

Die tschechischen Denkmalschutzexperten haben darüber informiert, dass außer der Kutsche vielleicht auch weitere Kunstgegenstände aus Krumau und aus Hluboká (Frauenberg) in der Ausstellung gezeigt werden sollen. Was für Exponate sind es?

Goldene Kutsche aus Krumau | Foto: Petr Kubát,  Tschechischer Rundfunk

„Man muss sagen, dass sich in den staatlichen Sammlungen in der Tschechischen Republik in Krumau und in Hluboká die kostbarsten Eggenbergica erhalten haben. Dazu zählen nicht nur außergewöhnliche Originaltextilien, die Kleidung des zweiten Fürsten Eggenberg oder Textildekorationen aus einem römischen Palast, sondern auch die Bibliothek des Fürsten Eggenberg hat sich in Krumau erhalten. Wir in Österreich haben ganz wenig an Originalartefakten von dieser Familie. Ihr Schloss ist erhalten geblieben und gehört heute zum Unesco-Weltkulturerbe. Aber die mobilen Kostbarkeiten aus den fürstlichen Sammlungen befinden sich in den staatlichen Sammlungen in Tschechien. Das Schöne ist, dass das Schloss und die Stadt Krumau heute Unesco-Weltkulturerbe sind. Da sieht man, wie außergewöhnlich dieses gemeinsame Erbe ist.“

Wie war die Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen bei den Vorbereitungen der Ausstellung?

„Ich bin den Kolleginnen und Kollegen in Tschechien zu großem Dank verpflichtet, dass sie dieses Ausstellungsprojekt unterstützt haben. Es ist nicht selbstverständlich, Objekte dieser Qualität ins Ausland zu verleihen. Das ist wirklich etwas Besonderes. Die Zusammenarbeit war ausgesprochen gut und auf höchstem kollegialen Niveau. Wir haben vor einigen Jahren begonnen, darüber nachzudenken, wir haben gewusst, dass das Jubiläum kommt. Wir hatten viele Forschungsaufenthalte in Krumau, Brünn und Budweis, um mit den Kolleginnen und Kollegen zu sprechen und die Forschung voranzutreiben. Schritt für Schritt haben wir die Ausstellungsidee mit ihnen besprochen und gemeinsam daran gearbeitet, was die besten Bedingungen sein könnten für die Leihgaben und wie das kuratorische Konzept den besonderen Objekten gerecht werden kann. Eigentlich ist die Schau ein gemeinsames Projekt.“

Was alles können die Besucher in der Ausstellung sehen und erleben?

„Das Besondere an diesem Ausstellungsprojekt ist die Kombination von fürstlichen Räumen und ihrer Ausstattung wie den Deckengemälden mit kostbaren Kunstwerken und Leihgaben sowie neuen innovativen Medien. Wir möchten die Welt der Eggenberg für eine Saison zum Sprechen bringen. Zu diesem Zweck haben wir die Prunkräume im Schloss Eggenberg zu Ausstellungsräumen konvertiert. Sie werden zu großen Bühnen, und wir erzählen die Geschichte der Menschen, die hier gelebt haben – der Fürstinnen und Fürsten, aber auch der vielen Menschen, die im Hintergrund tätig waren. Wir möchten die Lebensgeschichten von Jung und Alt, von Männern und Frauen, von Privilegierten und Nichtprivilegierten erzählen – von Menschen, die hier am Hof der Eggenberg hier gelebt und Spuren hinterlassen haben.“

Werden Sie die Ausstellung auch in Tschechien propagieren und Besucher werben?

„Ja. Wir haben mit den Kolleginnen und Kollegen vom Nationalen Denkmalschutzinstitut schon Ideen und Kooperationen. In Krumau werden wir auf die Ausstellung aufmerksam machen. Wir sind in Kontakt mit verschiedenen tschechischen Vereinen in Österreich, die gute Verbindungen nach Tschechien haben, und wären sehr froh, wenn wir die Ausstellung erfolgreich an tschechische Gäste vermitteln könnten. Ich hoffe, dass wir in der Zukunft ein wenig aus unseren Sammlungen für eine Ausstellung in Tschechien zur Verfügung stellen können, sodass vielleicht eine Eggenberger Ausstellung auch in der Tschechischen Republik mit Leihgaben aus Österreich möglich ist.“

Die Ausstellung mit dem Titel „Ambition & Illusion. Schloss Eggenberg: Inszenierung der Welt“ ist auf Schloss Eggenberg zu sehen. Sie läuft von 26. April bis 2. November dieses Jahres.