Übergriffe auf Journalisten in Tschechien sehr verbreitet
Fast 80 Prozent der Journalistinnen und Journalisten in Tschechien haben Erfahrungen mit aggressivem Verhalten, Angriffen oder anderen Formen der Bedrohung der eigenen Person.
Die häufigsten Übergriffe auf Medienvertreter stellen hierzulande verbale Ausfälle in den sozialen Netzwerken oder in E-Mails dar. Sie betrugen 62 Prozent aller registrierten Fälle des vergangenen Jahres. Dies geht aus einer Studie hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos 232 Journalisten befragt hat. Sie war vom Tschechischen Nationalkomitee des International Press Institute (IPI) in Auftrag gegeben worden.
Die Umfrage ergab weiter, dass es sich in 18 Prozent aller Fälle von 2024 um einen persönlichen verbalen Angriff handelte. Damit machen vor allem Fotografen und Regionalberichterstatter Erfahrungen. Zehn Prozent der Übergriffe enthalten außerdem konkrete Drohungen oder Einschüchterungen, und weitere fünf Prozent die Androhung von rechtlichen Maßnahmen. In zwei Prozent der Fälle kam es zu gewalttätigen Angriffen.
Weiterhin wurde ermittelt, dass die Übergriffe zumeist, nämlich zu 61 Prozent, von normalen Bürgern ausgehen. In zehn Prozent der Fälle handelte es sich bei den Tätern jedoch um Anhänger von bestimmten Parteien, und bei acht Prozent um politische Aktivisten oder Mitglieder von Protestbewegungen.
60 Prozent der Befragten gaben an, den zuletzt erlebten Angriff nicht angezeigt zu haben. Als Hauptgrund wurde genannt, dass die Vorfälle nach eigener Einschätzung nicht schwerwiegend genug waren beziehungsweise dass diese zur journalistischen Arbeit schlicht dazugehörten.
Das tschechische IPI-Komitee hat ein neues Projekt zur Sicherheit von Pressearbeit gestartet, mit dem die Arbeitsbedingungen von Journalisten hierzulande verbessert werden sollen. Noch in diesem Jahr soll eine Online-Plattform entstehen, auf der Angriffe gemeldet und Statistiken geführt werden können. Den Opfern sollen zudem Hilfsangebote gemacht werden, so die Ankündigung.







