Walpurgisnacht in Tschechien: Hexenfeuer und Volksfeste
Auch in diesem Jahr werden am letzten Tag des Aprils vielerorts in Tschechien symbolische Hexenfeuer angezündet. Und die Feuerwehr mahnt zur Vorsicht.
Die letzte Nacht des Aprils gehört in Tschechien einem alten Volksbrauch – der sogenannten Hexenverbrennung. Vielerorts werden in der Walpurgisnacht, die hierzulande als Philipp-und-Jakobs-Nacht gilt, große Scheiterhaufen entfacht. In den Flammen werden Puppen verbrannt, die Hexen als Symbol der „bösen Geister“ und der schlechten Eigenschaften darstellen. Dies geschieht in Familien- und Freundeskreisen, aber auch bei organisierten Veranstaltungen, die Volksfeste begleiten. Bis spät in die Nacht wird meistens gefeiert. Damit die Menschen diesen Brauch ohne Komplikationen genießen können, gibt die Feuerwehr alljährlich Empfehlungen für das sichere Feuermachen heraus. Vladimír Vlček ist Generaldirektor der Feuerwehr und des Rettungsdienstes hierzulande:
„Eine geeignete Feuerstelle muss umgrenzt und mindestens 50 Meter von einem Wald entfernt sein. Wichtig ist, leicht entzündliches Material in der Nähe zu beseitigen. Der Scheiterhaufen muss stabil sein, damit er nicht umstürzt. Beim Entfachen sollte keinesfalls Benzin verwendet werden. Man sollte das Feuer zudem beobachten und Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen. Und wir raten auch von der früher weit verbreiten Gewohnheit ab, über das Feuer zu springen.“
Die Feuerwehr verzeichne zwar in der Philipp-und-Jakobs-Nacht mehr Brände als sonst, der Anstieg sei aber nicht extrem, sagt Vlček.
„Anders war es im vergangenen Jahr, als eine extreme Trockenheit herrschte. Die Zahl der Brände am 30. April verdoppelte sich. Aber eine solche Situation erwarte ich in diesem Jahr nicht.“
Wie Petr Poncar, der Sprecher der Feuerwehr im Kreis Plzeň / Pilsen, gegenüber dem Tschechischen Rundfunk anführte, ist der 30. April hinsichtlich des Brandschutzes sogar einer der sichersten Tage des Jahres:
„Die Menschen stellen sich vielleicht vor, dass es gefährlich ist, weil an diesem Tag überall Feuer brennen. Wie aber unsere Statistiken beweisen, ist es einer der sichersten Tage überhaupt. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass freiwillige Feuerwehrleute eine Vielzahl dieser Veranstaltungen organisieren oder zumindest mit dabei sind. Somit ist der Brandschutz vor Ort gesichert. Und sollte dennoch ein Brand entstehen, wird er sehr schnell gelöscht. Das ist bei anderen Veranstaltungen nicht so oft der Fall.“
Bis Mittwochmorgen wurde die Feuerwehr mittels eines Webformulars über 5500 geplante Hexenfeuer im ganzen Land benachrichtigt, ergänzt Generaldirektor Vlček:
„Die Meldung ist freiwillig. Sie hilft aber unter anderem, um Fehleinsätze zu vermeiden. Wir empfehlen daher allen Organisatoren nachdrücklich, ihre Veranstaltung auf unserer Website zu registrieren.“
An vielen Orten werden die Hexenfeuer von Kulturveranstaltungen und Volksfesten begleitet. Ein traditionelles Festival hat schon am Mittag im Park Ladronka im sechsten Prager Stadtbezirk begonnen. Stadtrat Jan Lacina (Stan) sagt:
„Das Fest erreicht in der Verbrennung der Hexenpuppen in Lebensgröße seinen Höhepunkt. Die Puppen wurden von Kindern in den Grundschulen unseres Stadtbezirks hergestellt. Der Park Ladronka bietet Platz für mehr als 15.000 Besucher in einer herrlichen Umgebung.“
Weitere Veranstaltungen finden in Prag etwa auf der Insel Kampa, am Moldauufer in Žluté lázně oder am Strand des Stausees in Hostivař statt.







