Holocaust-Museum in früherer Fabrik von Oskar Schindler in Brněnec
Einst rettete Oskar Schindler hier über eintausend Juden das Leben. Seit Freitag ist in der früheren Fabrik des deutschmährischen Unternehmers ein Museum des Holocaust installiert.
Ab 1944 befand sich in der Gemeinde Brněnec / Brünnlitz auf der Böhmisch-Mährischen Höhe ein Außenlager des KZ Groß-Rosen in Niederschlesien. Dort mussten Juden unter der Leitung von Oskar Schindler Munition für die Wehrmacht herstellen. Mit der Überführung aus dem KZ Plaszow bei Krakau in die tschechische Provinz rettete der Unternehmer jedoch 1200 Zwangsarbeitern das Leben. Weltweit bekannt geworden ist die Tat durch den oscarprämierten Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg.
Nun ist in einem Teil der früheren Schindler-Fabrik ein Holocaust-Museum eingerichtet worden. Dieses wurde am Freitag eröffnet. Dazu Milan Šudoma vom Stiftungsfonds Archa (Arche) der Familie Löw-Beer, die das Fabrikgelände vor einigen Jahren erworben hat:
„Wir stellen unter anderem die Geschichte der hiesigen Fabrik dar, und zwar vor, während und nach dem Krieg. Teil davon sind die Erzählungen der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs. Ein weiterer Teil der Dauerausstellung ist Oskar Schindler und seiner Frau Emilie gewidmet.“
Auf Tschechisch heißt die neue Dauerausstellung „Muzeum přeživších“ (Museum der Überlebenden). Zu seiner Einweihung kamen auch viele Gäste aus dem Ausland, vor allem Nachkommen der Juden, die von Schindler gerettet wurden.
Als Gast sollte ebenfalls der australische Autor Thomas Keneally anreisen. Er schrieb 1982 den halbdokumentarischen Roman „Schindlers Liste“, auf dem Spielbergs Film basiert. Der 89-jährige Schriftsteller blieb auf Anraten seiner Ärzte jedoch zu Hause. Stattdessen kam seine Tochter Margaret.
„Ich denke, dies ist eine Geschichte, die man nie vergessen wird. Sie bildet für meinen Vater und unsere Familie einen Teil unseres Lebens – und zwar seit über 40 Jahren. Es ist eine Geschichte der Menschlichkeit. Und diese Fabrik spielt eine wichtige Rolle dabei zu gewährleisten, dass die Lehren aus dieser Zeit nicht vergessen werden“, so Margaret Keneally.
Und sie hatte auch Dokumente ihres Vaters im Gepäck...
„Ich habe einige Original-Transkripte der Interviews mitgebracht, die mein Vater mit ehemaligen Gefangenen gemacht hat. Da geht es darum, wie das Überleben hier war. Zudem habe ich Original-Transkripte des Prozesses gegen Amon Göth, der Kommandant des KZ Plaszow gewesen war.“
Ebenso nahm Oliwia Dabrowska an der Ausstellungseröffnung teil. Im Alter von dreieinhalb Jahren spielte sie in Spielbergs Film das Mädchen im roten Mantel, das im Ghetto von Krakau zu sehen ist, während SS-Männer Juden erschießen oder in Züge pferchen. Heute ist Dabrowska 35 Jahre und gesteht, sich nicht mehr an viele Details der Dreharbeiten zu erinnern:
„Ich habe nur manchmal solche Flashbacks aus meiner Kindheit, die für Erwachsene vielleicht komisch sind. So erinnere ich mich, dass ich irgendwann nicht mehr ständig die Szene wiederholen wollte, in der ich im roten Mantel die Straße entlanggehe. Das heißt, sie mussten irgendetwas machen und gaben mir zum Beispiel Schokolinsen.“
Das neue Museum werde zunächst nur nach Anmeldung zu besichtigen sein, sagt Milan Šudoma:
„Derzeit planen wir noch keine täglichen Öffnungszeiten, aber viele unterschiedliche Veranstaltungen und Besuche von Gruppen, etwa aus Schulen oder im Rahmen von Touristenausflügen.“
Der Stiftungsfonds will zusammen mit der Gemeinde Brněnec in nächster Zeit noch weitere Teile des Fabrikgeländes restaurieren. Dieses steht seit 2016 unter Denkmalschutz. So sollen etwa das Büro von Schindler erneuert werden und auch die Fabrikhallen, in denen die inhaftierten Juden arbeiten mussten.







