Forscher: Mythischer tschechischer Berg Říp war einst ein Lavasee

Říp

Das Wahrzeichen tschechischer Landschaft und Mythologie – das ist der Berg Říp beziehungsweise auf Deutsch: Sankt Georgsberg. Dieser Hügel ist das Überbleibsel eines Lavasees. Er entstand vor mehr als 26 Millionen Jahren während eines gewaltigen Vulkanausbruchs, bei dem geschmolzene Lava in einen tiefen unterirdischen Krater floss. Dies haben Forscher herausgefunden, die die innere Struktur des Berges untersucht haben.

Der Říp ist mit seinen rund 460 Metern über dem Meeresspiegel nicht gerade ein hoher Berg des Landes, dennoch macht seine unverwechselbare Form den Hügel zu einer Dominante der Landschaft nördlich von Prag. Zudem ist er einer der wichtigsten Orte und Symbole der tschechischen Geschichte und Mythologie: Die Legende von der Ankunft der Tschechen unter der Leitung ihres Urvaters in ihrer neuen Heimat im 7. Jahrhundert ist eben mit dem Berg Říp verbunden.

Tschechische Wissenschaftler haben nun nicht etwa die symbolische Bedeutung des Hügels, sondern seine Entstehung erforscht und diese auf die Zeit vor 26 Millionen Jahren datiert. Es sei zwar schon lange bekannt gewesen, dass der Říp vulkanischen Ursprungs sei, aber bis jetzt habe niemand seine genaue Struktur im Detail untersucht, sagt der Geologe Filip Tomek von der Prager Karlsuniversität. Er leitete das Forschungsprojekt:

Filip Tomek | Foto: Karlsuniversität Prag

„Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass dieser Hügel allein steht – er ist von anderen Vulkankomplexen isoliert. Wenn man nach Norden, Nordwesten oder Westen von Prag fährt, stößt man auf viele vulkanische Hügel sowie die Berglandschaften des Böhmischen Mittelgebirges und des Duppauer Gebirges. Es gibt da Dutzende, vielleicht sogar Hunderte ehemalige Vulkane, die jedoch alle aneinandergereiht sind. Im Gegensatz dazu steht der Říp völlig abseits.“

Die Studie begann mit grundlegender Feldarbeit. Mit Hammer, Kompass und Kamera bestückt zog das Team durch die Landschaft der Gegend und untersuchte freistehende Felsen. Die meisten dieser Arbeiten mussten im Herbst oder Winter durchgeführt werden, wenn die Vegetation ausdünnt.

„Wir haben die Strukturen vermessen und ein sehr interessantes Muster säulenförmiger Verbindungen entdeckt. Dabei handelt es sich um eine geologische Formation, die beim Abkühlen von Vulkangestein entsteht. Aber wir waren uns über den genauen Ursprung nicht sicher, daher haben wir zusätzliche Analysen durchgeführt, einschließlich der zum Gesteinsmagnetismus. Auf Grund dessen kamen wir zu dem Schluss, dass es sich um einen Lavasee gehandelt haben muss – obwohl wir uns zunächst nicht sicher waren, in welcher Struktur die Lava erstarrte. Schließlich ergab sich, dass der Říp der Überrest eines sogenannten Maar-Schlot-Vulkans ist.“

Foto: Jan Černý,  Tschechische Akademie der Wissenschaften

Bei dieser Art von Vulkanen beginnt die Eruption unterirdisch. Sie entstehe, wenn aufsteigendes Magma auf eine wassergesättigte Schicht treffe – und das sei wie in einem riesigen Dampfkochtopf, erläutert Tomek:

„Der Dampf erhöht den Druck, bis der Topf schließlich unter der Oberfläche explodiert und eine tiefe Senke bildet, die als Schlot bekannt ist. Darüber bildet sich ein Krater, der von vulkanischen Trümmern umgeben ist. Unserer Meinung nach füllte sich diese Vertiefung später mit Lava, die nach der ersten Explosion eingedrungen oder aufgestiegen ist.“

Wie sah also die Landschaft um den Říp aus, als die ersten slawischen Vorfahren im Land ankamen? Vielleicht überrasche es, aber ähnlich wie heute, sagt der Geologe, allerdings seien die Hügel noch nicht so stark erodiert gewesen:

„Viele der oberen Teile von Vulkanen sind im Laufe der Zeit erodiert. Heute sehen wir viele kegelförmige Hügel, die wie erloschene Vulkane erscheinen, aber Überreste von magmatischen Deichen sind, die einst Magma an die Oberfläche transportierten. Diese Deiche sind dicht und widerstandsfähiger gegen Erosion, so dass sie erhalten blieben, während die eigentlichen Vulkane größtenteils verschwunden sind.“

Während sich die eigentliche Studie auf die Geologie konzentrierte, waren an dem Projekt auch zwei Gymnasiasten beteiligt. Ihre Aufgabe sei gewesen, die Verbindung zwischen Vulkanen und Mythen zu erforschen, sagt Tomek:

„Wir haben etwas Interessantes festgestellt, was allgemein gilt: An Orten mit aktiven Vulkanen kommen in den Mythen manchmal Eruptionen vor. Wenn die lokale Kultur nie einen Ausbruch erlebt hat, scheint der Vulkanismus in ihren Sagen keine Rolle zu spielen. Aber bei schlafenden oder erloschenen Vulkanen – wie dem Říp – werden diese isolierten Hügel oft zu tief mythischen Orten. Die Menschen bewundern sie, weil sie als einsame Gebilde aus der Landschaft herausragen. Und das hat nach unserer Meinung Legenden wie die über die tschechischen Vorfahren inspiriert.“