Klimatrauer und ein bisschen Hoffnung: Sechste Klimawoche in Tschechien eröffnet
Am Montagabend wurde in Tschechien wieder die Klimawoche eröffnet. Es ist bereits der sechste Jahrgang der Aktionswoche, mit der sich auf unterschiedliche Weise mit dem Klimawandel und möglichen Lösungskonzepten beschäftigt wird.
Klimatrauer. Dieses relativ neue Phänomen unserer Zivilisation stand im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung für die sechste Klimawoche in Tschechien. In der Stadtbibliothek in Prag diskutierten am Montagabend mehrere Autorinnen, wie sie in ihren Texten mit diesem Gefühl umgehen, das eine ganze Generation junger Menschen durchlebt. Bei der vorangegangenen Pressekonferenz erläuterte Ivona Remundová von der NGO Ekumenická akademie (Ökumenische Akademie):
„Dies ist ein Zustand, in dem sich derzeit viele Menschen befinden. Er beruht auf Verlustängsten – entweder des bereits erlebten Verlustes einer Umwelt, an die man gewöhnt war, oder einer großen Angst vor der Zukunft in Bezug auf die Umwelt und all die Veränderungen, die auf uns zukommen. Es geht um die Angst davor, wie wir leben werden, wenn diese Veränderungen eintreten.“
Klimatrauer sei zudem mit einem starken Gefühl der Machtlosigkeit verbunden, fährt Remundová fort. Denn die betroffenen jungen Menschen hätten die Klimakrise zum einen nicht verursacht und müssten zum anderen beobachten, wie die Verantwortlichen am Klimawandel verdienten.
Lange wurde in der Debatte zum Klimaschutz in Tschechien vor allem auf die individuelle Ebene verwiesen – also auf Gewohnheiten und das eigene Konsumverhalten, an dem jeder einzelne Mensch etwas ändern könnte. Traditionell werden bei der Klimawoche etwa dann auch Tauschbörsen, also Swaps, organisiert, um Kleidungsstücke oder Bücher vor dem Wegwerfen zu bewahren.
In diesem Jahr gibt es außerdem die Veggie Challenge, mit der die Menschen aufgerufen werden, ihren Fleischkonsum zu überdenken und eine Zeit lang einzuschränken oder sogar ganz auf Tierprodukte zu verzichten. Dies sei zwar sehr wichtig für das eigene Gewissen, sagt Maroš Prčina von der Ökumenischen Akademie. Auf breiter Ebene sei der Klimaschutz aber von einem einzelnen Menschen nicht zu bewältigen:
„Dieser Druck auf das persönliche Verhalten ist eine Falle. Ich will niemanden davon abhalten. Aber es ist nicht möglich, die Welt durch individuelle Bemühungen zu retten. Es muss eine Systemänderung geben, durch die sich das gesamte Paradigma in der Gesellschaft verändert. Wir müssen als Ganzes, als Menschheit, aber auch als Tschechische Republik und Europäische Union einer solchen Lebensweise den Vorzug geben, die für die Menschen erträglich ist und uns auch Freude bereitet.“
Mit diesem Anspruch schließen sich in Tschechien immer mehr Organisationen, Kultureinrichtungen, Bibliotheken und auch Gemeindeverwaltungen der Klimawoche an. Was einst als lokale aktivistische Initiative begonnen habe, sei inzwischen zu einer großen landesweiten Veranstaltung angewachsen, betont Ivona Remundová. Ihre NGO, die Ökumenische Akademie, sowie die Dachorganisation Klimatická koalice (Klimakoalition) sind die Koordinatoren der Aktionswoche. Und diese behandle auch nicht mehr nur klassische Umweltthemen, unterstreicht Remundová:
„Für den Fair & Bio-Podcast haben wir zum Beispiel ein Gespräch mit Juraj Hvorecký von der Akademie der Wissenschaften geführt, der sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz und Klima beschäftigt. Dies ist extrem interessant. Nur wenige Menschen wissen nämlich, welch riesige Menge an fossilen Brennstoffen die Weiterentwicklung von KI verbraucht. Und nur sehr wenige wissen, dass man bei der Nutzung durch persönliche Entscheidungen etwas dagegen tun kann. Die KI muss nämlich nicht für alles konsultiert werden. Wenn man etwas googelt, hat das nicht den gleichen CO2-Abdruck, wie wenn man KI benutzt.“
Dies ist einer der Lösungsansätze, wie man den eigenen Beitrag zum Klimawandel mindern kann. Viele solcher Tipps und ebenso Empfehlungen für den geforderten Systemwandel sind in diesen Tagen also Thema bei der Klimawoche in Tschechien. Fast 100 Veranstaltungen finden dazu im ganzen Land statt. An vielen Orten ist etwa die zentrale Ausstellung „Krajiny změny: cesty k udržitelnému světu“ (Landschaften der Veränderung: Wege zu einer nachhaltigen Welt) zu sehen. In dieser sowie in Debatten mit engagierten Menschen kann, wer unter Klimatrauer leidet, womöglich auch ein wenig Trost finden.
Das Hauptprogramm der Klimawoche läuft bis Sonntag. Einige Veranstaltungen finden aber auch noch später statt. Die Gesamtübersicht finden Sie auf tydenproklima.cz







