Filmfestival in Karlsbad zum 59. Mal: Mit Michael Douglas, 130 Filmen und Nostalgie
„Thank You, Karlovy Vary“. Mit diesen Worten bedankte sich der Hollywood-Star Michael Douglas für die langen Ovationen, die er in Karlovy Vary / Karlsbad erhielt. In der westböhmischen Kurstadt läuft in dieser Woche das 59. Internationale Filmfestival Karlovy Vary.
Eine ganze Minute dauerte der Applaus für Michael Douglas im Großen Saal des Hotels Thermal in Karlsbad. Beim Festival wurden am vergangenen Wochenende die ersten Stars begrüßt und geehrt. Im Rahmen der Eröffnungszeremonie wurden die Preise des Festivalpräsidenten an den US-amerikanischen Schauspieler Peter Sarsgaard und die luxemburgisch-deutsche Schauspielerin Vicky Krieps übergeben.
Der US-amerikanische Schauspieler Michael Douglas kehrte nach 27 Jahren in die tschechische Kurstadt zurück und nahm den Kristallglobus-Preis für sein Lebenswerk entgegen. Er war bereits 1998 zu Gast in Karlsbad und wurde geehrt. Damals sah der Preis noch wie eine Filmrolle aus und wurde lächelnd als „Oblate“ bezeichnet. Jetzt wurde Douglas eine Statuette in Form einer Frau mit einem Kristallglobus überreicht.
Er denke, dieser Preis sei viel schöner, sagte Michael Douglas dankend bei der Verleihung am Samstagabend im größten Kinosaal hierzulande.
In Karlsbad werden in dieser Woche insgesamt 132 abendfüllende Streifen aufgeführt. Der kürzeste Film des 59. Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary ist drei Minuten lang – es ist der deutsche Kurzfilm „Animamusical“. Das längste Kinowerk dauert mehr als neun Stunden, und zwar der Dokumentarfilm „Shoa“ von Claude Lanzmann von 1985, der aus Interviews mit Holocaust-Überlebenden besteht.
Die meisten Filme in den Wettbewerbssektionen erleben hier ihre Weltpremiere, beziehungsweise ihre internationale oder zumindest europäische Erstaufführung. Im Hauptwettbewerb ringen insgesamt zwölf Filme um den Kristallglobus. Unter ihnen ist auch der tschechische Streifen „Der Chorleiter“, der am Sonntag im Großen Saal des Hotels Thermal erstmals gezeigt wurde. Der Drehbuchautor und Regisseur Ondřej Provazník ließ sich für sein Debütwerk von einem wahren Fall sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Mädchen beim Prager Chor Bambini di Praga inspirieren. Der Skandal wurde 2004 bekannt, 2018 kehrte Provazník dazu zurück:
„Die Situation, deren Zeuge ich damals war, illustrierte klar einen Widerspruch: Die Chormitglieder waren gespalten. Ein Teil der Sängerinnen verteidigte ihren Chorleiter mit großem Einsatz, ein anderer Teil beschuldigte ihn des sexuellen Missbrauchs und anderer schrecklicher Taten. Diese beiden Gruppen trafen vor Gericht aufeinander. Als später die MeToo-Bewegung ausbrach, erinnerte ich mich an den Fall Bambini di Praga und dachte mir, dass dieser ein Vorläufer von MeeToo war. Ich beschloss, dass die Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.“
Filme schauen, bis man nicht mehr kann
„Filme schauen. Heute geht’s los. Ich habe ein paar Filme in Aussicht, die ich gucken möchte. Ich liebe Filmfestivals. Ich finde, es ist das Beste, was es gibt. Filme zu schauen, bis man nicht mehr kann, aber mit halb geschlossenen Augen guckt man weiter.“
Soweit der deutsche Schauspieler Idan Weiss. Er ist aber nicht nur nach Karlsbad gekommen, um Filme zu schauen. Im Rahmen des Festivals wird nämlich auch das Kinowerk vorgestellt, in dem er die Titelrolle verkörpert: „Franz“ erzählt vom Leben des Schriftstellers Franz Kafka und wurde im zurückliegenden Jahr von der in Tschechien sehr geschätzten und populären polnischen Regisseurin Agnieszka Holland gedreht.
„Ich kann verraten, dass der Film wie ein Mosaik wirkt.“
Wie ein Mosaik und wie ein Rausch, ergänzte Weiss. Um mehr zu erfahren, müssen die Zuschauer bis Herbst warten, wenn „Franz“ in die Kinos kommt.
Die diesjährige, 59. Ausgabe Festivals, läuft in einem leicht nostalgischen Ton. Zum ersten Mal findet die Veranstaltung nämlich ohne Jiří Bartoška statt, der im Mai im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Der charismatische tschechische Schauspieler stand seit 1994 als Präsident an der Spitze des Filmfestivals, das er nach der Samtenen Revolution wieder auf die Beine stellte. Immer wieder wird hier an ihn erinnert, in der Stadt hängen Poster mit Fotos von Bartoška, die auch die Geschichte des Festivals in den zurückliegenden 30 Jahren dokumentieren. Und: Der Posten des Präsidenten des Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary wird nicht neu besetzt, sondern bleibt posthum bei Jiří Bartoška.








