Chaos, das keines ist: Už jsme doma feiern 40-jähriges Live-Jubiläum

Už jsme doma (2016)

Už jsme doma sind in der Welt vielleicht bekannter als Karel Gott. Zumindest hat die Band schon zahllose Konzerte in den USA, Kanada oder in Japan gespielt und ist vor ein paar Jahren sogar bis nach Spitzbergen gereist. Dabei sind die Texte des Quartetts nicht etwa auf Englisch, sondern auf Tschechisch. Und ihr ambitionierter Underground-Sound, der Avantgarde, Punk und Jazz verbindet, ist alles andere als Mainstreamware für das breite Publikum. Trotzdem feiern Už jsme doma dieser Tage ihr 40-jähriges Live-Jubiläum.

Fanfarenhafte Einlagen gehören zum charakteristischen Sound von Už jsme doma. Die Band beschreibt ihren Stil selbst als „Punk-Avantgarde mit Trompete“. Und obwohl ihre Musik mitunter nach Chaos klingt, ist jede Note doch exakt durchdacht und genau platziert. Damit pflegt Komponist, Texter und Frontmann Miroslav Wanek die Nähe zum Jazz.

Der 63-Jährige schreibt auch Film- und TV-Musik sowie Gedichte. Außerdem hatte er mehrere Jahre lang einen Lehrstuhl an den Filmhochschulen in Zlín sowie in Prag inne. Und nicht zuletzt weist eine Nominierung für den Böhmischen Löwen, den wichtigsten Filmpreis im Land, darauf hin, dass Wanek zu den anerkanntesten Künstlern der tschechischen alternativen Szene gehört – obwohl oder gerade weil er mit Už jsme doma seine Neigungen zu Anarchie und Humor auslebt. Da treten die vier Herren im besten Alter auf der Bühne schon mal einheitlich in gelben Anzügen auf. Oder in etwas, das an Ganzkörperkondome erinnert.

Überhaupt hat die visuelle Seite ihrer Kunst eine besondere Bedeutung bei Už jsme doma. Der Maler Martin Velíšek ist das offizielle fünfte Bandmitglied, für das als Instrument der Pinsel angeführt wird. Velíšek zeichnet für alle Plattencover der Band verantwortlich, zudem für Plakate und Videoanimationen oder auch für T-Shirt-Motive. Sein Stil dürfte Prag-Besuchern bekannt sein, die schon einmal in der Kneipe U vystřelenýho oka in Žižkov waren. Denn deren künstlerische Gestaltung ist ebenfalls Velíšeks Arbeit.

Martin Velíšek und Miroslav Wanek | Foto: Aerofilms

Über die jahrzehntelange Freundschaft zwischen Velíšek und Sänger Miroslav Wanek ist 2023 der Dokumentarfilm „Rozsviť světlo, ať je vidět“ (Mach das Licht an, damit man sehen kann) entstanden. Regie führte Radim Špaček, und zu sehen sind unter anderem Aufnahmen von der Reise der Band nach Spitzbergen. Dort haben Už jsme doma nämlich 2018 ihr Album „Kry“ mit einem Konzert getauft.

 Album 'Kry'  (2018) | Foto repro: Indies MG

Und nun steht ein weiterer besonderer Auftritt an. Kommenden Dienstag feiert die Band in der Lucerna Music Bar in Prag ihr 40-jähriges Live-Jubiläum. Das erste Konzert gaben Už jsme doma, die ursprünglich aus Teplice stammen, im Juli 1985 ebenfalls in der tschechischen Hauptstadt, damals aber auf dem Dampfschiff „Vltava“. Von der Ur-Besetzung ist heute nur noch Sänger Wanek übrig. Er hat mit den verschiedenen Besetzungen inzwischen mehr als 3000 Konzerte absolviert, und das in insgesamt 46 Ländern auf vier Kontinenten.

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