Bei den Kängurus im Gehege und mit den Rothschild-Giraffen auf einer Höhe: Zoo Olmütz

Rotes Riesenkänguru

Der Zoo im mährischen Olomouc / Olmütz liegt sehr schön vor den Toren der Stadt auf dem Heiligenberg. Dort kümmert man sich beispielsweise um den Erhalt der gefährdeten Rothschild-Giraffen. Besucher können aber auch mit einem Safari-Zug etwa in die Gehege von Kängurus oder Wölfen.

Südlicher Gelbwangengibbon | Foto: Zoo Olomouc

Aufregung im Affenhaus: Die Schwarzweißen Varis haben gerade Stress miteinander. Sie sind eine der Lemurenarten, die im Zoo von Olmütz gehalten werden. Bei unserem Besuch sind es aber eher die Gibbons, die die Besucher verzücken – wegen ihres Nachwuchses. Dazu die Zoologin Libuše Veselá:

„Derzeit haben bei uns alle Gibbonarten Junge. Sie sind jetzt im Frühling zur Welt gekommen, ein Junges sogar vergangene Woche. Wir haben drei Arten: den Südlichen Gelbwangengibbon, den Lar und den Siamang. Die Jungen sind alle bei ihren Müttern. Das ist sehr attraktiv, und wir sind alle stolz darauf.“

Es ist nur einer der Zuchterfolge im Zoo der mittelmährischen Stadt, der mit 43 Hektar Fläche zu den größeren in Tschechien gehört. Marketingchef Pavel Javůrek nennt ein paar weitere Daten:

1950er Jahre | Foto: Zoo Olomouc

„Unser Zoo feiert im kommenden Jahr seinen 70. Geburtstag. Er wurde am 3. Juni 1956 gegründet. Damals sah er noch längst nicht so aus wie heute. Gerade in den vergangenen Jahren wurde viel gebaut und erneuert. Wir sind auf eine ganze Reihe von Arten spezialisiert, die größte Attraktion sind aber die Rothschildgiraffen. Wir haben rund 400 Arten bei uns, insgesamt sind es etwa 1700 Tiere auf dem ganzen Areal.“

Diese sind in zahlreichen Freigehegen sowie sieben Pavillons und zwei Volieren untergebracht. Über eine Treppe kommt man beispielsweise auf das Dach eines Terrariums und ist dort den Köpfen der Rothschildgiraffen näher. Sie gehörten zu den größten Zuchterfolgen in Olmütz, erläutert Veselá...

Rothschildgiraffe | Foto: Zoo Olomouc

„Allerdings haben wir derzeit keine so große Gruppe dieser Giraffen mehr wie früher, es sind 13 Tiere. Seit 1977 züchten wir diese Art, und seitdem haben wir über 70 Junge hier gehabt. In den vergangenen Jahren hat der Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes die Zucht vorübergehend unterbrochen, weil es in den Zoos mehr Giraffen gab als letztlich Plätze. Deswegen haben wir zehn Jahre keine Jungen mehr aufgezogen. Doch im vergangenen Jahr wurde die Zucht wieder freigegeben, und daher besteht unsere Herde jetzt aus neun erwachsenen und vier jungen Rothschildgiraffen“, so die Expertin.

Rothschildgiraffe | Foto: Zoo Olomouc

Und wie die Zoologin weiter schildert, ist die Erhaltungszucht wirklich nötig:

„Diese Art oder eigentlich Unterart gehört zu den in freier Wildbahn besonders gefährdeten Tieren. Am Ort ihres natürlichen Vorkommens leben nur noch einige Hundert von ihnen. Früher gab es sie in Tansania, Uganda und dem Sudan, aber heute ist ihre Verbreitung auf ein kleines Gebiet in Uganda beschränkt.“

Tschechisch-indonesisches Projekt

Libuše Veselá | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Aber nicht nur auf die Aufzucht von seltenen Tieren ist man im Zoo von Olmütz stolz. Sondern zum Beispiel ebenso auf die Haltung von Rentieren. Wie bitte? Die sind doch praktisch Haustiere und rennen in Massen durch die nördlichen Polarregionen. Libuše Veselá klärt auf, dass die Zoos in Mitteleuropa häufig mit der Haltung von Rentieren gescheitert seien:

Rentier | Foto: Zoo Olomouc

„Wir betreiben aber schon seit Jahren ihre Aufzucht. Und wir haben erforscht, wie sich das Futter für sie optimieren lässt. Die meisten Menschen dürften Rentiere für anspruchslos halten, weil sie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet fast nur Moose und Flechten als Nahrung vorfinden. Unsere Erkenntnis ist aber, dass sie ein sehr ausgewogenes Futter brauchen. Im Frühjahr und Sommer, wenn sie trächtig sind und dann ihre Jungen großziehen, müssen sie einen riesigen Umfang an Nahrung zu sich nehmen, die reich an pflanzlichen Proteinen ist.“

Genau das würden sie und ihre Kollegen berücksichtigen. Daher bestehe die Gruppe an Rentieren im Zoo aus rund 20 Mitgliedern unterschiedlicher Alterskategorien. Und sie würden mit 18 bis 19 Jahren in Olmütz relativ alt werden.

Rentier | Foto: Zoo Olomouc

Doch zurück in tropische Gegenden. Denn der Zoo Olmütz ist auch vor Ort tätig, und zwar über ein spezielles Rettungsprogramm. Es handelt sich um das tschechisch-indonesische Projekt The Kukang Rescue Program.

Umweltbildung für Kinder im Rettungszentrum | Foto: Zoo Olomouc

„Eine Zoologin von uns arbeitet dabei immer die Hälfte des Jahres auf Sumatra. Mit dem Kukang Rescue Program werden Plumploris geschützt. Dabei gibt es eine Auffangstation für jene Exemplare dieser Affen, die Wilderern abgenommen wurden. Denn die Plumploris werden von den örtlichen Bewohnern häufig gefangen und Touristen vorgeführt, weil sie so süß aussehen. Dabei wird den Tieren sehr geschadet“, erläutert Marketingchef Javůrek.

Plumploris fliehen zwar nicht, doch sie sind bissig – und benetzen ihre Zähne vorher mit einem Giftsekret. Deswegen ziehen Wilderer ihnen auf grausame Weise die scharfen Eckhauer oder weitere Zähne. Solche Tiere können dann nicht mehr zurück in die Wildnis und kommen eben in die Auffangstation.

Hüpfender Nachwuchs

Rotes Riesenkänguru | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Im Zoo selbst sind Plumploris allerdings nicht zu sehen. Stattdessen kann man aber beispielsweise bei den Ameisenbären direkt im Gehege vorbeischauen oder auch bei den Roten Riesenkängurus. Letztere würden gerade Junge haben, was nicht nur attraktiv für die Besucher sei, sondern auch ein Zuchterfolg, sagt Zoologin Veselá.

Rotes Riesenkänguru | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Unsere Gruppe besteht aus über 20 Roten Riesenkängurus. Dabei sind die Jungtiere jetzt in einem unterschiedlichen Stadium der Entwicklung. Manche haben schon im Frühjahr den Beutel ihrer Mutter verlassen, andere zieht es in diesen Tagen hinaus. Und bei anderen Muttertieren ist zu sehen, dass der Beutel sehr voll ist.“

Safari-Zug | Foto: Aleš Spurný,  Český rozhlas

Was nichts anderes heißt, als dass die Besucher auch jetzt im Sommer noch junge Kängurus bewundern können.

Wer im Übrigen nicht so gut zu Fuß ist und trotzdem durch den hügeligen Zoo streifen will, der kann auch in die Besucherbahn steigen. Der Vorteil: Man kommt einigen Tieren näher als per Pedes.

Pavel Javůrek | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Man startet im Südafrika-Pavillon, in dem wir beispielsweise ein Erdferkel haben. Dann geht es in die Afrika-Safari mit etwa den Oryxantilopen, durch den Auslauf der Kängurus fährt man zu den Rentieren und anschließend in die eurasische Safari. Der letzte Abschnitt führt durch den Auslauf der Raubtiere, wo einen die Wölfe erwarten. Da hat man ein bisschen Adrenalin, aber keine Angst: Die Kollegen sichern den Zug vorher mit einem Gitter, das sie herunterlassen“, so Pavel Javůrek.

Spießbock | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Auch die Oryxantilopen sind in ein Schutzprogramm eingebunden. Denn der Zoo ist Mitglied der Antelope Conservation, die von der Tschechischen Agraruniversität in Prag mitorganisiert wird. Wie Veselá sagt, sind die Oryxantilopen jedoch nicht gefährdet, hingegen aber die beiden weiteren Arten in Olmütz. Eine von ihnen stellt die Zoologin etwas genauer vor:

Mendesantilope | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Die Mendesantilope oder Addax ist vom Aussterben bedroht. Für den Erhalt dieser Art gibt es schon seit langem ein europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das vom Zoo in Hannover geleitet wird. Das Programm funktioniert sehr gut. Dabei liefen eine gewisse Zeit lang auch Auswilderungsprojekte in Nordafrika. An ihnen waren wir ebenfalls beteiligt. Das heißt, einige von uns gezüchtete Mendesantilopen wurden dort runtergeflogen.“

Weißschwanzgnu | Foto: Zoo Olomouc

Die andere Antilope ist das Weißschwanzgnu, dessen Erhaltungszuchtprogramm über den Safari-Park in Dvůr Králové nad Labem läuft.

Aber auch bei den Raubtieren ist der Zoo Olmütz aktiv im Artenschutz. Es geht um die Berberlöwen. Seit den 1990er Jahren wurden in dem Tiergarten rund 20 Junge großgezogen.

Berberlöwe | Foto:  Zoo Olomouc

„Im Grunde geht es darum, dass die Berberlöwen in den 1940er Jahren in der freien Wildbahn ausgerottet wurden. Sie kamen in den Bergregionen Nordafrikas vor, also im Atlasgebirge in Tunesien, Marokko und Algerien. Doch mit der Ausbreitung von Feuerwaffen und der Ausweitung der Landwirtschaft wurden sie abgeschossen. Und sie wären sogar ganz von der Erde verschwunden, wenn nicht der König von Marokko seine Löwen dem Zoo von Rabat überlassen hätte. Die marokkanischen Könige hielten nicht nur Berberlöwen, sondern führten sogar ein Zuchtbuch. Dabei kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden, dass im Austausch mit weiteren Sultanen etwa auch ein anderer Löwe in die Zucht gelangt sein könnte. Aber über den Zoo in Rabat gelangten 22 dieser Löwen in sieben weitere Zoos auf der Welt. Das bildete die Grundlage für ihren heutigen Bestand“, so die Zoologin.

Die Berberlöwen in Olmütz stammten aus Dortmund, fügt Veselá an.

Berberlöwe | Foto: Zoo Olomouc

Neben den Schutzprojekten für seltene Arten betreibt man aber auch regionale Projekte. Laut Marketingchef Javůrek wurde dabei mit dem Rathaus der mittelmährischen Stadt ausgehandelt, dass zwei Prozent der Eintrittsgelder dafür genutzt werden. Das neueste Vorhaben, das umgesetzt werden konnte, ist eine Vogelbeobachtungsstation in einer Sandgrube nahe Přerov.

Bienenfresser | Foto: wolfgangvogt_lb,  Pixabay,  Pixabay License

„In der Grube gibt es Bienenfresser. Das sind sehr farbenfrohe Vögel, die im Frühling herfliegen und hier nisten. Später im Jahr kehren sie nach Afrika zurück. Wir haben die Beobachtungsstation finanziert, die sowohl der breiten Öffentlichkeit als auch dem Fachpublikum aus den Reihen der Ornithologen dient“, schildert Javůrek.

Aber nicht nur außerhalb des Zoos wird gebaut. Bis 2027 soll auf dem Gelände selbst ein Bildungszentrum entstehen und ein großes Aquarium für Haie.

Zentrum Loděnka  (Visualisierung) | Foto: Zoo Olomouc
Autor: Till Janzer
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