Vor 20 Jahren: Gewaltsamer Polizeieinsatz bedeute Ende der CzechTek-Ära

CzechTek 2005

Am Dienstag ist es genau 20 Jahre her, dass in Westböhmen eine weitere Auflage der Technoparty CzechTek begann. Diesmal wurde sie jedoch gewaltsam aufgelöst. Es war der größte Polizeieinsatz gegen Zivilisten seit den Wendetagen von 1989.

CzechTek 2005 | Foto: David Němec,  Tschechischer Rundfunk

Es war der Anfang vom Ende für CzechTek. 2005 war das Technofestival bereits weit über die Grenzen Tschechiens hinaus bekannt und zog Besucher aus ganz Europa an. In diesem Jahr kam aber nur noch ein kleiner Teil der Angereisten auf der Wiese an. Die Polizei war von Anfang an anwesend – mit 1200 schwerbewaffneten Beamten, Wasserwerfern und gepanzerten Fahrzeugen. Václav Šroub gehörte zu den CzechTek-Organisatoren und erinnert sich an den schicksalhaften 12. Jahrgang:

„Im Grunde habe ich die Last auf mich genommen, als ich den Vertrag unterschrieb. Damit habe ich zugestimmt, dass ich dafür dann eventuell auch geradestehen muss.“

CzechTek 2005 | Foto: David Němec,  Tschechischer Rundfunk

Obwohl es diesen gültigen Mietvertrag mit dem Wiesenbesitzer gegeben habe, hätte die Polizei ihn mit aufs Revier genommen, ein unsinniges Verhör geführt und Strafanzeige gestellt, ist Šroub auch 20 Jahre später noch aufgebracht:

„Ich glaube, es gab so etwas wie eine politische Bestellung. Es wurde wohl angenommen, es gäbe die Erwartung in der Gesellschaft, auf diese Weise anzugreifen.“

Šimon Šafránek | Foto: Tomáš Patrick Hyánek,  Tschechischer Rundfunk

Die Freetekno-Bewegung war in den 1990er Jahren in ganz Europa verbreitet. Veranstaltungen wie das CzechTek wurden nichtkommerziell und halblegal organisiert. Darum seien sie auch in den Ländern Westeuropas argwöhnisch beäugt worden, sagt Regisseur Šimon Šafránek. Er hat zum Ende von CzechTek eine dreiteilige Serie für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks produziert.

„Für manche Menschen hatten die Raves wohl einen antigesellschaftlichen Charakter. Dabei wollten die Techno-Fans, so wie ich das interpretiere, nur in Ruhe gelassen werden. Interessant daran ist, dass sie sich eine Szene für den Freundeskreis aufbauten, aus der ein Tsunami wurde. Auf einmal reisten 40.000 Menschen aus ganz Europa zu einer Veranstaltung an.“

CzechTek 2005 | Foto: David Němec,  Tschechischer Rundfunk

So waren die Technopartys in Tschechien seit 1994 zu einem immer bekannteren und letztlich dem größtem Sommerereignis der europäischen Szene geworden. Seit 1999 fanden sie unter dem Namen CzechTek und als illegale Besetzeraktionen statt. Die wechselnden Veranstaltungsorte blieben bis zum letzten Tag geheim und wurden den Teilnehmern per SMS mitgeteilt. Schon 2001 wurde das Festival von der Polizei aufgelöst, allerdings noch ohne Anwendung von Gewalt.

CzechTek 2005 | Foto: David Němec,  Tschechischer Rundfunk

In Erwartung einer weiteren CzechTek-Veranstaltung sprach die Polizei im Juli 2005 vorsorgliche Warnungen an Grundstücksbesitzer in Tschechien aus, den Rave zu unterstützen. Das Festival werde diesmal jedoch auf einer legal gemieteten Wiese stattfinden, lautete dann eine Erklärung der Veranstalter. In der Nacht zum 29. Juli reisten Tausende von Menschen dann nach Mlýnec in Westböhmen an. Schon um zwei Uhr nachts sperrte die Polizei die Autobahnabfahrt von der D5. Trotzdem belagerten den Tag über etwa 5000 Festivalteilnehmer die Wiese sowie die umliegenden Grundstücke. Diese zu schützen, war die Begründung des Polizeieinsatzes, der bis zum folgenden Tag dauerte und mit der vorzeitigen Beendigung von CzechTek endete. Auf beiden Seiten gab es Dutzende Verletzte. Die Intervention kostete mehr als 31 Millionen Kronen (damals gut eine Million Euro). Der damalige Innenminister František Bublan (Sozialdemokraten) ließ nach dem Ereignis verlauten:

„Der Einsatz als Ganzes war gerechtfertigt und notwendig. Dennoch werden wir mögliche einzelne Exzesse natürlich sehr sorgfältig auswerten.“

Premier Jiří Paroubek (Sozialdemokraten) nannte das Vorgehen der Beamten hingegen angemessen. Aus Protest gegen ihn gab es einige Wochen später einen ParoubTek. Und 2006 wurde erneut ein CzechTek organisiert, diesmal jedoch in Zusammenarbeit mit Polizei und Armee. Es nahmen zwar 50.000 Menschen teil, für die Freetekno-Szene waren die Bedingungen aber nicht mehr akzeptabel. Mit einer offiziellen Stellungnahme im April 2007 erklärten die Organisatoren CzechTek für beendet. Mitveranstalter Metod resümiert heute:

„Sie haben uns dafür kriminalisiert, dass wir Musik gemacht haben. Dass auch Menschen aus dem Ausland kamen und wir uns alle einen schönen Sommer gemacht haben. Ich bin damals normal zur Arbeit gegangen, alle hatten wir Jobs, Sorgen und Familien. Aber dann ging es einfach nicht mehr.“

Im Nachklang von CzechTek 2005 wurden neun Menschen wegen Angriffen auf Polizeibeamte angeklagt, zwei von ihnen bekamen eine Bewährungsstrafe.

Autoren: Daniela Honigmann , Ľubomír Smatana , Martin Hrnčíř | Quelle: Český rozhlas
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