Neuer Teppich, alte Stühle: Renovierung des Saals im Abgeordnetenhaus unterliegt historischen Zwängen
Die Parlamentarier sind im Urlaub, im Abgeordnetenhaus in Prag herrscht jedoch reges Treiben. Denn die Ferien werden genutzt, um den Sitzungssaal zu renovieren. Dabei muss mit Umsicht vorgegangen werden, weil die historischen Räumlichkeiten unter Denkmalschutz stehen.
Normalerweise haben Journalisten zum Plenarsaal im Abgeordnetenhaus in Prag keinen Zutritt. Nun wurden sie aber explizit eingeladen, den Raum zu besichtigen. Dort finden derzeit nämlich keine Debatten, sondern umfangreiche Sanierungsarbeiten statt.
Darum ist der Saal auch kaum wiederzuerkennen. Keine Sitzreihen, kein Rednerpult, kein Teppich. Stattdessen ragen Kabel aus dem Boden, es liegen Schleif- und Fräsmaschinen herum. An die Funktion des großen Raumes erinnert zurzeit nur das tschechische Staatswappen, das in der Mitte der Wand hängt. Die Aufsicht über die Renovierung hat Martin Plíšek, der Kanzler des tschechischen Abgeordnetenhauses:
„Der Teppich zum Beispiel wird nach acht Jahren ausgetauscht. Bei der Auswahl des neuen Teppichs haben wir natürlich auch Wert auf die Farbe gelegt und uns an der bisherigen orientiert. Der neue Belag ist nur ein wenig dunkler. Außerdem wird das Mobiliar ausgebessert.“
Bekommen die Abgeordneten vielleicht auch bequemere Stühle, anstatt der altmodischen und engen Sitzbänke? Dies stehe nicht zur Debatte, wehrt Plíšek ab:
„Wir können die Sitze nicht auswechseln. Denn der Saal macht, vor allem wenn jetzt die Sitzbänke fehlen, einen noch kleineren Eindruck als auf den Aufnahmen, die üblicherweise in den Medien zu sehen sind. Wegen ihrer Maße können die Sitzmöbel nicht ausgetauscht werden. Sie werden aber renoviert.“
Die Bänke und das Rednerpult sind derzeit gut verpackt im Vorraum des Sitzungssaals gelagert. Ausgebessert werden neben den Möbeln auch die Belüftungsanlagen, die Kameras sowie die Mikrofon- und die Abstimmungsanlage im Saal. Plíšek zufolge kostet die gesamte Sanierung 6,2 Millionen Kronen (250.000 Euro).
All das muss natürlich amtlich genehmigt werden. Denn das Palais Thun, in dem die untere Parlamentskammer ihren Sitz hat, liegt in der Denkmalschutzzone…
„Wir konsultieren natürlich alle Arbeiten mit den Denkmalschützern. Im Abgeordnetenhaus gibt es auch ein Architektenkollegium, mit dem wir mögliche zukünftige Eingriffe und Veränderungen beraten – immer mit dem nötigen Respekt vor dem Saal und auch den anderen Räumlichkeiten des Gebäudes.“
In dem Haus auf der Prager Kleinseite ist schon häufig Geschichte geschrieben worden. Der Umbau zum Palais begann im 17. Jahrhundert. Zu Zeiten von Kaiser Joseph II. war hier ein Theater untergebracht, das der Herrscher selbst gern besuchte. Als das Palais später zur politischen Einrichtung wurde, kam es im Sitzungssaal etwa zur Wahl von Tomáš Garrigue Masaryk zum ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik. Und knapp 75 Jahre später folgte ihm Václav Havel als erster Staatspräsident Tschechiens nach.
Die Sanierungsarbeiten werden bis Anfang September abgeschlossen. Denn in der zweiten Monatswoche beginnt wieder die reguläre Sitzungszeit. Sollten die Abgeordneten bis dahin unplanmäßig zusammenkommen, müssen sie auf den Verhandlungsraum im gegenüberliegenden Gebäude ausweichen – dem sogenannten „kleinen Abgeordnetenhaus“ (malá Sněmovna).











