Im Briefkasten: Anerkennung von Palästina, historische Züge und Tierschutz
Eine Freundschaft, die dank Radio Prag vor mehr als 50 Jahren entstand, später einschlief und nun wiederbelebt worden ist: Dies und mehr im heutigen Hörerforum.
Die Preisfrage im August lautet:
Tschechien präsentiert sich bei der diesjährigen Expo in Osaka mit einem Pavillon, der das Beste aus Architektur, Design und Handwerk des Landes in sich vereint. Viele Kritiker haben daran gezweifelt, dass sich in einer Erdbebengegend aus zerbrechlichem Material ein Gebäude errichten lässt, doch das anscheinend Unmögliche ist gelungen. Welche traditionellen Materialien wurden für den tschechischen Expo-Pavillon verwendet?
Schicken Sie uns Ihre Antwort an [email protected].
Im Juli wollten wir wissen, wann der Große Preis von Tschechien in Brno / Brünn erstmals gefahren wurde. Die richtige Antwort heißt: 1950.
Unter den Gewinnern eines Sachpreises ist auch Milada Kolin aus Deutschland. Herzlichen Glückwunsch!
Und nun Ihre Briefe, E-Mails und Zuschriften, liebe Hörerinnen und Hörer. Als erste zitieren wir die E-Mail von Kai Weber aus Kirchentellinsfurt, der die Antwort auf unsere Quiz-Frage sehr komplex betrachtet hat:
„Ihre Preisfrage ist in diesem Monat sehr knifflig, denn die Antwort hängt davon ab, wie man die Frage interpretiert. Versteht man Tschechien als eigenständigen Staat, so wurde der erste (rein) tschechische Motorrad-Grandprix im Jahr 1993 gefahren, denn zuvor war es ja ein tschechoslowakischer Grandprix. Versteht man Tschechien (Česko) als Teil einer föderativen Republik (ČSSR / ČSFR), der wiederum aus den drei Teilen Böhmen (Čechy), Mähren (Morava) und Schlesien (Slezsko) besteht, dann liegt auch das mährische Brünn in diesem Sinne in Tschechien, und man könnte wiederum zwei mögliche Antworten geben: Ein (tschechoslowakischer) Motorrad-Grandprix fand in Brünn erstmals im Jahr 1950 statt. Versteht man Ihre Frage aber so, dass sie nicht an den Austragungsort Brünn gebunden ist, so wäre das Jahr 1928 zu nennen, in dem ein Motorrad-Grand-Prix auf dem Militärflugplatz Praha-Kbely durchgeführt wurde.“
Soweit also die Antwort von Kai Weber. Er fügt aber auch noch hinzu:
„Obwohl ich überhaupt kein Fan des Motorsports bin und mir die Durchführung entsprechender Grand Prixs völlig egal ist, hat mich Ihre Preisfrage in diesem Monat angeregt, mal wieder Bohumil Hrabals Erzählung ‚Der Tod des Herrn Baltisberger‘ zu lesen. Dieses Werk ist nämlich meine allererste Assoziation, wenn ich den Begriff ‚Grand Prix von Brünn‘ höre. Das Grand-Prix-Rennen von 1956, bei dem der deutsche Rennfahrer Hans Baltisberger tödlich verunglückte, bildet den Hintergrund dieser herrlich absurden Geschichte Hrabals. Wie ich nun erst bei einer kurzen Internetrecherche erfahren habe, wurde Baltisberger in Reutlingen-Betzingen geboren, welches nur 5 Kilometer von meinem Wohnort entfernt ist. Ich werde mich also auch dort demnächst einmal auf Spurensuche begeben – es soll dort eine Straße nach ihm benannt sein, vielleicht lässt sich ja auch noch ein Grab oder Denkmal finden, das an ihn erinnert. Ich liebe solche Zufälle: Da sitze ich als Tschechien-Fan auf einsamer Flur im Schwabenland und finde, getriggert durch Ihre Preisfrage, eine Beziehung meiner unmittelbaren Umgebung zur tschechischen Literatur. Herrlich.“
Treffen in Ostberlin dank Radio Prag
Vielen Dank, Herr Weber. Eine nette Zuschrift haben wir von Rüdiger Miksch bekommen. Er habe in den 1960er Jahren Radio Prag gehört und hin und wieder Empfangsberichte an Radio Prag geschickt, um die begehrten QSL-Karten zu bekommen, berichtet er und fährt fort:
„Radio Prag schickte mir öfters Propaganda-Material. Wie auch Radio Peking in weit größerem Ausmaß. Unter anderem die Zeitschrift ‚Tschechoslowakische Jugend‘, in der ich eine Anzeige einer jungen Dame aus Ostberlin fand. Sie suchte eine Brieffreundschaft im Westen. Ich war abenteuerlustig und habe ihr geschrieben. 1968 war ich in Westberlin bei einer sportlichen Veranstaltung und habe die junge Dame bei einem Tagesbesuch mehrfach in Ostberlin getroffen. Dabei habe ich immer die Jugendzeitschrift ‚Bravo‘ rüber geschmuggelt. Was macht man nicht alles im jugendlichen Leichtsinn. Gott sei Dank bin ich nicht erwischt worden.“
Die Verbindung sei eingeschlafen. Inzwischen sei er nach Westberlin gezogen und wieder weg nach Ulm an die Donau, schreibt Rüdiger Miksch weiter.
„Vor circa acht Jahren, als ich zu Besuch in Berlin war, habe ich bei der Adresse geschaut (der Straßenname in Pankow hatte sich inzwischen geändert), und siehe da, den Namen gab es noch bei der Adresse. Leider war niemand da, so habe ich einen Zettel in den Briefkasten eingeworfen. Die Dame hatte sich gemeldet und wir haben uns in Kreuzberg getroffen. Um es kurz zu machen, wir sind in Kontakt geblieben. Dank den neuen Kommunikationsmöglichkeiten ist es auch immer einfacher. Ich bin gerade wieder einmal in Berlin und wir machen morgen einen Ausflug miteinander. Ich bin gespannt. Radio Prag sei Dank.“
Anerkennung von Palästina als Staat
Wir gehen nun zur internationalen Politik über. Mehrere Staaten stellen aktuell in Aussicht, Palästina als Staat anzuerkennen. Bernd Seiser aus Ottenau hat uns in diesem Zusammenhang eine Frage geschickt.
„Der heutigen Information von Radio Prag konnte ich entnehmen, dass Tschechien weiterhin an der Seite Israels steht. Das war aber zu Zeiten der ČSSR nicht der Fall. Denn damals hat die frühere kommunistische Tschechoslowakei als Rechtsvorgängerin genau dies bereits getan, und zwar 1988 unterstützte die ČSSR die PLO. Wann entschloss sich Tschechien dazu, Israel zu unterstützen?“
ZUM THEMA
Es stimmt, die Position ist kompliziert. Die tschechoslowakische Regierung erkannte die Ausrufung des palästinensischen Staates 1988 an. Seit Februar 1989 ermöglichte sie dann den Betrieb der palästinensischen Botschaft in Prag, die bis heute existiert. Die Tschechische Republik als einer der Nachfolgestaaten der Tschechoslowakei erkannte zwar „alle Staaten und Regierungen an, die zum Zeitpunkt ihres Untergangs von der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik anerkannt worden waren“. Im Widerspruch dazu stand jedoch die Haltung der Tschechischen Republik bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat 2012, als sie sich dem Block aus Israel, den Vereinigten Staaten und Kanada anschloss und damit ihre Auffassung vom Staat Palästina als „nichtstaatliche Einheit“ bekräftigte. Das tschechische Außenministerium veröffentlichte dazu 2020 einen offiziellen Standpunkt. Zitat:
„Die Anerkennung der Ausrufung des palästinensischen Staates war ein politischer Akt, der der damaligen Politik und den internationalen Beziehungen entsprach. Der palästinensische Staat erfüllte nicht die Bedingungen für die Staatlichkeit nach internationalem Recht, was der tschechoslowakischen Regierung voll und ganz bewusst war. Die Anerkennung des palästinensischen Staates durch die Tschechische Republik ist daher bislang nicht erfolgt. In Übereinstimmung mit dem außenpolitischen Konzept der Tschechischen Republik unterstützt die Tschechische Republik die Ziele des Nahost-Friedensprozesses, der auf eine Lösung in Form von zwei unabhängigen Staaten, das heißt dem Staat Israel und dem künftigen palästinensischen Staat, abzielt.“
Eine ähnliche Sichtweise bekräftigten im Jahr 2024, als mehrere europäische Staaten Palästina neu anerkannten, Außenminister Jan Lipavský und Premier Petr Fiala. Ihnen zufolge hat Palästina noch nicht die grundlegenden Attribute der Staatlichkeit erlangt, nämlich eine territoriale Abgrenzung und eine eigenständige politische Vertretung, die jedoch in Zukunft erreicht werden kann.
Ein Tag in einem Zoo ist immer ein großes Ereignis
Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus reagiert auf die Serie „Bedrohte Arten unter Schutz“, in der wir den ganzen Sommer durch die einzelnen Tiergärten in Tschechien führen und ihre Schutz- und Zuchtprogramme vorstellen:
„Die Geschichten aus den tschechischen Zoos sind eine überraschend gute Serie. Die Zeiten der traumatisierten Tiere in den Zoos sind, so glaube ich, vorbei. Und so richten sich die Zoos und Tiergärten neu aus, bauen gewaltig um und zeigen die Tiere neu. Ja auch der Erhalt gefährdeter Arten ist ein Hauptziel. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie meine Enkelkinder auf Tiere reagieren: Vollkommen unbenommen juchzen sie, wenn sie Elefanten, Tiger, Bären und vieles mehr sehen. Ein Tag in einem Zoo ist immer ein großes Ereignis. Vielen Dank für Ihre Serie.“
ZUM THEMA
Michael Lindner aus Gera bedankt sich für den Beitrag über das Luftfahrtmuseum Kunovice. Dieser habe ihn total gefesselt, wie er schreibt:
„Alles was mit der Luftfahrt zu tun hat, lässt mich sofort in den siebenten Himmel schweben. Wird wohl daran liegen, dass mein Vater als Pilot tätig war. Leider in einer Zeit, die Deutschland und Europa in den Abgrund stürzte.“
Mit dem historischen Zug nach Prag
Herr Linder hat zudem wieder einmal einen Reisetipp für uns und unsere Hörer: Am 23. August wird es eine Sonderfahrt von Erfurt nach Prag geben, die der Thüringer Eisenbahnverein durchführen wird. Er schreibt dazu:
„Was gibt es schöneres, als mit einem historischen Zug in die ‚Goldene Stadt‘ zu reisen? Natürlich lockt mich dieses Angebot unglaublich, aber leider bin ich gerade am 23. August verhindert. Da bleibt also nur die Hoffnung auf eine weitere Gelegenheit. Aber ich werde diese Fahrt natürlich im Internet verfolgen, um wenigstens visuell dabei zu sein. Dazu möchte ich Euch gleich eine Frage stellen. Gibt es für die gesamte Tschechische Republik einen Fahrplan, wann und wo historische Züge zu Sonderfahrten einladen? In Deutschland erscheint jedes Jahr eine kleine bebilderte Broschüre mit Terminen solcher Fahrten.“
Da möchten wir Sie auf mehrere Webseiten aufmerksam machen. Erstens auf die Abteilung der staatlichen Tschechische Bahnen „ČD nostalgie“. Diese veranstaltet Fahrten mit historischen Zügen, betreibt aber auch etwa das Bahnmuseum in Lužná u Rakovníka und organisiert Vermietungen von Sonderzugfahrten bei verschiedenen Gelegenheiten. Auf der Website www.cdnostalgie.cz findet man das Angebot, aber auch einen Kalender mit Fahrten mit historischen Zügen der Tschechischen Bahnen und mit anderen Veranstaltungen, der regelmäßig aktualisiert wird. Weitere Informationen gibt es etwa auf der Website des Klubs der Bahnreisenden, auf Tschechisch heißt er Klub železničních cestovatelů. Der Link dazu lautet www.kzc.cz. Dieser Bahnanbieter ist in fünf Kreisen Tschechiens tätig, neben dem Linienbetrieb organisiert er auch verschiedene Veranstaltungen und Sonderfahrten mit alten Triebwagen. Einen Fahrplan der Dampfzüge haben wir zudem auch auf dem Portal www.cysnews.cz gefunden.
Und zu einem anderen Eisenbahnthema möchten wir abschließend auch von unserem Facebook-Account zitieren. Gleich 53 Kommentare gab es zu der Meldung, dass die Tschechischen Bahnen ankündigten, den alten kultigen Speisewagen, der eigentlich aus dem Betrieb genommen werden sollte, doch weiterhin bei drei Zugpaaren zwischen Prag und Berlin einzusetzen. Die Reaktionen reichen von Begeisterung bis zum skeptischen Abstand.
So schreibt Mar Tin:
„Das ist Kult und gehört auf der Schiene erhalten, gerne zahle ich für den Mehraufwand auch das Doppelte, nur um es auf der Reise zu genießen! Chapeau ČD!“
Mari Zurecht meint:
„Das war bei meinen 8 Fahrten (hin und zurück) immer das Highlight. So ein Service, freundlich aufmerksam und höflich, das Essen warm und wirklich lecker… Das sind meine schönsten Fahrten mit der Bahn gewesen. Sowas muss erhalten bleiben.“
Ronald Lohse merkt an:
„Die Wagen müssen dann aber auch noch ein bisschen gepflegt werden. Als ich Anfang des Jahres zum letzten Mal mit einem davon gefahren bin, wirkten Sitze, Gardinen und Lampen zum Teil schon etwas abgenutzt bzw. reparaturbedürftig. Aber Essen und Bier waren lecker!“
Und Klaus Meißner stellt fest:
„So ein Theater seit Monaten um die Speisewagen...“
Und das war’s für heute. Schreiben Sie weiter an Radio Prag International, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder per E-Mail an [email protected].












