Bessere Fürsorge: Tschechien will sich intensiver um Kriegsveteranen kümmern

Kriegsveteranen bei den Feierlichkeiten zum zum 78. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs

Tschechien holt Defizite bei der Fürsorge für Soldaten, Polizisten und Diplomaten nach, die bei gefährlichen Auslandseinsätzen gedient haben. An diesem Mittwoch tritt das neue Gesetz über die Kriegsveteranen in Kraft.

In Tschechien leben derzeit fast 17.000 Kriegsveteranen. Unter ihnen sind 52 ehemalige Soldaten, die an den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs teilgenommen haben. Seit 2002 gibt es hierzulande ein spezielles Gesetz, das den Status eines Kriegsveteranen definiert. Robert Speychal leitet die Abteilung für Kriegsveteranen am Verteidigungsministerium:

Robert Speychal | Foto: Tschechisches Verteidigungsministerium

„Als Kriegsveteranen gelten alle Personen, die von der Tschechischen Republik zu Auslandsoperationen entsandt wurden. Es sind nicht nur Soldaten, die allerdings 90 Prozent ausmachen, sondern auch Polizisten, die etwa im Kosovo und bei anderen Auslandseinsätzen gedient haben, und in kleinerem Umfang auch zivile Diplomaten, die in Kriegsgebieten tätig waren.“

Dabei ist eine notwendige Dauer des Einsatzes festgelegt, und zwar 90 Tage in Kriegsgebieten oder insgesamt 360 Tage bei Operationen in Gebieten, die keine Kampfzone waren.

Das neue Gesetz definiert neue Aufgaben und Pflichten des Verteidigungsministeriums in der Sorge für die Kriegsveteranen. Deshalb wurde vor einem Jahr eine Agentur für die Förderung von Kriegsveteranen gegründet. Ihre Aufgabe ist es, zu erkunden, wie viele der Kriegsveteranen eine besondere Pflege brauchen.

Zudem bringt die Gesetzesnovelle zwei Veränderungen im finanziellen Bereich mit sich. Die Kriegsveteranen können nach wie vor eine Förderung in Höhe von 25.000 Kronen (1000 Euro) pro Jahr beantragen. Nun würden aber die Möglichkeiten erweitert, wie diese verwendet werden können, sagt Speychal:

„Der Beitrag war bisher nur für Kuraufenthalte und Verpflegung bestimmt. Neuerdings kann man ihn auch beim Zahnarzt, für Ernährungsprogramme, Psychotherapie und weitere Dingen verwenden.“

Miloslav Masopust,  Veteran des Zweiten Weltkriegs | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Zudem wird ein neuer, besonderer Beitrag für Kriegsveteranen eingeführt, die pflegebedürftig sind – sei es in einem Pflegeheim oder zu Hause:

„Dieser liegt bei 25.000 Kronen (1000 Euro) monatlich. Wir wissen bereits, dass die meisten Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg die erforderlichen Bedingungen erfüllen und diesen Betrag beziehen werden. Aber auch manche weitere Kriegsveteranen, die etwa eine Verletzung erlitten haben, können ihn beantragen.“

Neuerdings kann um den Status eines Kriegsveteranen zudem auch posthum ersucht werden. Dies habe zwei Bedeutungen, erläutert Speychal:

„Die eine ist symbolisch. Bei den Einsätzen in den neueren Zeiten sind 30 Personen gefallen, und mindestens die Hälfte wurde nicht als Kriegsveteran anerkannt, denn es fehlte das entsprechende Gesetz dafür. Der zweite Grund ist juristischer Natur. Denn die Familien, die den Status eines Kriegsveteranen für ihren verstorbenen Angehörigen beantragen, haben Anspruch, Mittel aus dem Militärischen Solidaritätsfonds zu beziehen.“

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