Box- und Brüderdrama: „Shadow of Victory” in den tschechischen Kinos
In den tschechischen Kinos erlebt am Donnerstag der norwegisch-tschechisch-slowakische Film „Shadow of Victory“ seine Premiere. Martina Schneibergová hat sich den Film angeschaut und mit Regisseur Bård Breien gesprochen.
„Team Havnå“ lautet der Originaltitel des neuesten Films von Bård Breien. Er erzählt die wahre Geschichte der norwegischen Brüder Magne und Erling Havnå. Entstanden ist er in Koproduktion mit Tschechien und der Slowakei.
Die beiden Brüder trieb ein starker Drang nach dem Siegen an. Magne, als der jüngere, wurde 1990 der erste norwegische Weltmeister im Boxen. Der ältere Bruder Erling war Jahre lang sein Trainer und ein festes Mitglied des Teams, das den erfolgreichen Magne überall hin begleitete und unterstützte. Nachdem sich Erlings Sportkarriere dem Ende genähert hatte, schloss sich sein Bruder einer Gang an, die den größten Bankraub in Norwegens Geschichte durchführte. Im Film mangelt es nicht an Spannung und starken Emotionen. Wie ist Regisseur Bård Breien auf die Idee gekommen, die Geschichte der Havnå-Brüder zu verfilmen?
„Die Geschichte der beiden ist in Norwegen eigentlich nicht sehr bekannt. Bekannter ist das Schicksal des älteren Bruders, der in den Bankraub verwickelt war. Bei dem Überfall wurde damals ein Polizist erschossen. In den Zeitungen wurde viel darüber berichtet. Den jüngeren Bruder sah ich zum ersten Mal, als ich 15 Jahre alt war. Ich habe also die Geschichte zuvor schon gekannt. Aber durch einen Zufall stieß ich auf Youtube auf Magnes Kampf um den Weltmeistertitel. Als er gewann, sprang sein Bruder begeistert in den Ring und sah überglücklich aus. Eigentlich habe ich nie einen glücklicheren Mann gesehen. Ich habe dabei Gänsehaut bekommen.“
Danach habe er herausgefunden, dass eben dieser Mann später in den Banküberfall verwickelt gewesen war, erzählt der Regisseur. Da habe er sich entschieden, einen Film über die Brüder zu drehen, so Breien. Warum verwandelte sich die Sehnsucht nach Anerkennung und Sieg in die im Film beschriebene Besessenheit mit schicksalhaften Folgen? Der Regisseur:
„Ich habe die ganze Geschichte sehr gründlich recherchiert. Erling hatte seinem kleineren Bruder geholfen, sich an die Weltspitze im Boxen emporzukämpfen und musste auf diesem Weg viel opfern. Als der kleine Bruder Champion wurde, fühlte sich Erling wie ein Idiot. Die Teilnahme am Raubüberfall war meiner Meinung nach ein misslungener Versuch, etwas zu unternehmen. Wie er selbst sagte, wollte er eine Geschichte haben, die er später einmal im Altersheim erzählen konnte.“
Regisseur Breien ist in Tschechien kein Unbekannter. Sein Film „Die Kunst des negativen Denkens“ wurde 2007 beim Filmfestival in Karlovy Vary / Karlsbad mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Das Prager Theater „Švandovo divadlo“ studierte wenig später ein gleichnamiges Bühnenstück ein, das sich auf Breiens Film stützte. Bei der 150. Reprise vor sechs Jahren saß auch der Filmregisseur in dem Theater in Prag.
Dennoch sei es kein Zufall gewesen, dass er seinen neuesten Film in Koproduktion mit Tschechien und der Slowakei gedreht habe, sagt Breien.
„Meine ,Kunst des negativen Denkens‘ hatte in Tschechien einen unglaublichen Erfolg. Dies führte dazu, dass wir in Tschechien finanzielle Anreize für meinen nächsten Film bekamen. Das war die Krimi-Komödie ,Detektiv Downs‘. Und dann zeigte sich, dass wir mit demselben Produzenten – Pavel Berčík – von der Firma Film Kolektiv erneut zusammenarbeiten konnten. Wir waren begeistert von der Kooperation. Das hiesige Team war fantastisch, dazu gehörten beispielsweise die Kostümdesignerin Michaela Horáčková Hořejší sowie die Mitarbeiter der Postproduction. Ich bin sehr zufrieden und dankbar dafür.“
In Tschechien ist das Schicksal der Havnå-Brüder kaum bekannt. Womit kann der Film das Publikum hierzulande ansprechen? Regisseur Breien:
„Es ist zwar eine Geschichte aus Norwegen. Doch darin geht es um eine Familie, um Ambitionen ihrer Mitglieder, um die Versuche, sich an die Spitze emporzuarbeiten und wieviel dies alles kostet. Zudem wird erzählt, dass dies auch schiefgehen und wie tief man fallen kann. Aber nichts ist verloren, man kann auch danach wieder Fuß fassen. Das sind große Themen, die in jedem Land vorkommen, ob in Tschechien oder in Norwegen.“
Wie Bård Breien erzählt, war er vor den Film- und Drehbucharbeiten mit mehreren Mitgliedern der Familie Havnå in Kontakt und lernte auch Erling, den älteren der beiden Brüder, gut kennen. Sein jüngerer Bruder, der ehemalige Weltmeister im Boxen, starb bei einem Bootsunglück in jener Zeit, als sein Bruder Erling nach dem Bankraub festgenommen wurde. Anschließend verbrachte der Ältere zwölf Jahre im Gefängnis. Magnes Sohn Kai Robin ist ähnlich wie sein Vater Boxer geworden. Bård Breien zufolge hat auch er vor kurzem seine aktive Karriere beendet.
Der Regisseur merkt an, er habe derzeit gleich zwei Ideen für neue Filme, wolle sie jedoch noch nicht verraten. Wie wäre es aber mit einer weiteren Zusammenarbeit mit Tschechien?
„Zweimal war die Kooperation bereits fantastisch. Und ich würde sehr gern mit den Kollegen aus Tschechien, der Slowakei und den Mitarbeitern von Film Kolektiv wieder zusammenarbeiten.“
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