Tennislegende Martina Navrátilová: „Nach dem ersten Ton der Nationalhymne begann ich zu weinen“
Präsident Petr Pavel hat am Dienstagabend auf der Prager Burg an 48 Persönlichkeiten Staatsauszeichnungen verliehen. Unter den Ausgezeichneten war auch die Tennislegende Martina Navrátilová. Sie wurde mit dem Orden des Weißen Löwen geehrt.
Navrátilová ist eine der besten Tennisspielerinnen der Geschichte und derzeit weilt sie in Řevnice, wo sie in ihrer Jugend lebte. Am Mittwoch, einen Tag nach der Verleihung der Staatsauszeichnung, schilderte sie ihre Eindrücke im Telefongespräch in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Den feierlichen Abend im Vladislav-Saal auf der Prager Burg bezeichnet sie als unglaublich schön.
„Als ich nach der Zeremonie den Saal verließ, sah ich dort die Flagge, auf der stand: Wahrheit siegt. Da sagte ich mir, dort muss ich ein Foto machen. Als ich nach Hause kam, drehte ich die Auszeichnung um, und auf der hinteren Seite der Medaille steht eben die Parole ,Wahrheit siegt‘. Ich kann das kaum mit Worten beschreiben, aber ich fühle, dass eben dies tief in meiner Seele verankert ist.“
Bei der Verleihung des Ordens hieß es, sie sei für ihre besonders großen Verdienste im Sportbereich geehrt worden sowie dafür, wie sie ihre Heimat im Ausland berühmt gemacht hatte. Martina Navrátilová dazu:
„Ich habe mich immer bemüht, mich so zu verhalten, dass ich meine Heimat gut repräsentiere. Ich habe außerdem stets versucht, ein gutes Beispiel für Kinder zu sein. Ich wollte niemals Schande über meine Eltern und unser Land bringen. Und die Auszeichnung bedeutet wohl, dass mir das geglückt ist.“
Die Tennisspielerin war 18 Jahre alt, als sie 1975 einen Asylantrag in den USA stellte. Ihr fiel damals nicht einmal im Traum ein, dass sie in ihrer Heimat einmal auf diese Weise geehrt würde, sagt sie.
„Als ich die Tschechoslowakei verließ, wurde hier nicht über mich geschrieben. Damals war ich noch nicht Amerikanerin. Einen großen Teil meines Lebens gehörte ich wirklich nirgendwohin. Später bin ich US-Bürgerin geworden und schließlich bekam ich meine tschechische Staatsbürgerschaft wieder zurück. Als ich im Vladislav-Saal saß und die Nationalhymne angestimmt wurde, begann ich gleich nach dem ersten Ton zu weinen. Es war einfach so rührend, dass ich mich sehr zusammenraffen musste, um nicht völlig zusammenzubrechen.“
Hat Navrátilová auch mit Präsident Petr Pavel gesprochen?
„Er hat mir gratuliert. Ich bin ihm aber schon vorher begegnet. Für alle Ausgezeichneten gab es ein Treffen mit dem Präsidenten ein paar Stunden vor der Zeremonie. Unser Gespräch dauerte jedoch nur etwa zwanzig Sekunden, denn er musste mit allen reden. Aber als er mir die Auszeichnung überreichte, war das etwas Besonderes. Ich kann die richtigen Worte dafür weder im Tschechischen, noch im Englischen finden.“
Martina Navrátilová hat in diesen Tagen in Tschechien noch vor, den Friedhof zu besuchen, wo ihre Eltern bestattet sind. Zudem gehe sie in den Wald spazieren, verrät sie. Was für Aktivitäten erwarten sie in den USA?
„Ich habe mit meiner Ehefrau zwei kleine Jungen adoptiert, die vier und drei Jahre alt sind. Da bin ich genügend beschäftigt.“
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Insgesamt 48 Persönlichkeiten, darunter Widerstandskämpfer, Vertreter von Kultur und Wissenschaft sowie Menschen, die Leben gerettet haben, wurden geehrt.







