Woche der Freiheit in Tschechien: Nicht nur Erinnerung an die Samtene Revolution

In Tschechien ist am Montag die sogenannte Woche der Freiheit angebrochen, dabei finden landesweit Veranstaltungen statt. Alles gipfelt am „Tag der Freiheit und Demokratie“ und dem Internationalen Studententag am kommenden Montag, der hierzulande ein Feiertag ist.

Mehr als 80 Kultur- und Bildungsinstitutionen nehmen dieses Jahr an der Woche der Freiheit in Tschechien teil. Sie sind verteilt über das ganze Land. Organisiert wird diese Aktionswoche von der NGO „Díky, že můžem“ („Danke, dass wir dürfen“). Sie wurde vor zehn Jahren gegründet und vereint vor allem Studierende und allgemein eher junge Menschen. Ihr Ziel ist, auch jenen, die die Samtene Revolution von 1989 in der damaligen Tschechoslowakei nicht erlebt haben, die Bedeutung von Freiheit und Demokratie zu veranschaulichen.

Kristýna Zinková ist Projektkoordinatorin bei „Díky, že můžem“ und sagte gegenüber Radio Prag International:

„Die meisten Institutionen, die sich an der Woche der Freiheit beteiligen, sind Theater, Ausstellungsräume wie Galerien und Museen sowie unabhängige Künstler. Zum Beispiel hat eine Kneipen-Quiz-Vereinigung eine Quiznacht für uns vorbereitet. Das heißt, selbst solche Organisationen arbeiten mit uns zusammen, um das Projekt allgemein zugänglich zu machen. Zudem sind Schulen und Bibliotheken eingebunden. Es ist wirklich eine große Bandbreite an Institutionen, die mitmachen.“

Foto: Díky,  že můžem

Früher fand die Woche der Freiheit fast ausschließlich in Prag statt. In diesem Jahr sind erstmals alle tschechischen Regionen eingebunden. Um die Art der Beteiligung zu veranschaulichen, ein Beispiel aus der Stadt Liberec in Nordböhmen: Drei Veranstaltungen finden dort statt, zwei von ihnen richtet das Nordböhmische Museum (Severočeské muzeum) aus. Am Donnerstag ist dies eine kommentierte Führung durch die Ausstellung „Menschen im Krieg“ mit deren Autor Ivan Rous. In der Ausstellung geht es um das Schicksal der Bewohner von Liberec im Zweiten Weltkrieg. Aber das sei noch nicht alles, sagte Museumssprecherin Petra Slováková in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Die Ausstellung „Lidé ve válce“  (Menschen im Krieg) im Nordböhmischen Museum | Foto: Vít Černý,  ČTK

„Denn an die Führung schließt sich noch eine begleitende Diskussionsrunde an, die Schüler der Handelsakademie leiten. Es geht um die Roma-KZ während des Kriegs. Die Schüler haben sich selbst an uns gewandt, dass sie Projekttage veranstalten wollen. Und ich muss sagen, ich war froh, dass solche Aktivitäten noch nicht von den Schulen verschwunden sind. Die Schüler haben auch eine eigene Umfrage auf der Straße gemacht, die sie gerne präsentieren wollen. Und wir haben uns entschieden, ihnen auf diese Weise ein Forum zu bieten.“

In Prag beteiligen sich zahlenmäßig die meisten Institutionen, unter anderem etwa die Václav-Havel-Bibliothek, aber ebenso das Kino Světozor. Das heißt, es sind auch Filme zum Thema Freiheit zu sehen. In Brno / Brünn macht zum Beispiel das dortige Nationaltheater mit.

Wie Projektkoordinatorin betont, geht es nicht nur um das Vermächtnis der Samtenen Revolution, aber natürlich stehe das im Vordergrund...

„Wir bieten eine Reihe an Kultur- und Bildungsveranstaltungen, die sich auf die Themen Freiheit, Demokratie und derzeitige soziale Herausforderungen konzentrieren. Es geht also sowohl um die Geschichte, als auch um das Heute. Unser Hauptziel ist, moderne Geschichte populärer zu machen, den Wert der Freiheit herauszustreichen und das Nachdenken über unsere Gesellschaft und die Beteiligung an ihr anzuregen. Natürlich ist es wichtig, an die Freiheit zu erinnern, die wir mit der Samtenen Revolution gewonnen haben. Zugleich sollten die Menschen gemahnt werden, diese Freiheit jeden Tag wertzuschätzen – und nicht nur am 17. November. Denn Freiheit ist nichts, was automatisch gegeben ist. Und dafür müssen wir die Geschichte verstehen“, so Zinková.

Jedes Jahr steht die Aktionswoche unter einem anderen Motto. Dieses Jahr lautet dieses: „Es gibt etwas, das wir einander sagen müssen.“ Dies bedeute eine Einladung zum Dialog und zu einem Verstehen über die Generationen hinweg, erläutert Kristýna Zinková. Denn obwohl „Díky, že můžem“ von jungen Menschen getragen werde, wolle man nicht in der eigenen Blase verharren, betont die Projektmanagerin:

„Wir möchten, dass andere Generationen sich der Debatte anschließen. Wir wollen mit ihnen reden. Unserem Gefühl nach leben die Menschen heute in Echokammern und sind nicht in der Lage, konstruktiv zu diskutieren. Das wollen wir ändern, und auch deswegen veranstalten wir die Woche der Freiheit.“

Am 17. November konzentriert sich in Prag das Programm auf Orte an der Nationalstraße (Národní třída). Dort schlugen vor 36 Jahren die Einsatzkräfte der Polizei auf eine friedliche Kundgebung von Studierenden ein – und setzten damit den Sturz des kommunistischen Regimes in Gang.

Autoren: Till Janzer , Jakub Ferenčík
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