Festival Šumava Litera 2025 würdigt Lukas Haselbergs „Verborgene Welten“
Am Samstag erreichte das diesjährige Festival Šumava Litera in der Böhmerwaldstadt Vimperk mit den feierlichen Preisverleihungen seinen Höhepunkt.
Die Band Martina‘s boys hat den feierlichen Abend im Kulturzentrum in Vimperk musikalisch begleitet. Das Festival konzentriert sich auf die Popularisierung der regionalen Literatur aus Süd- und Westböhmen sowie aus Bayern und Oberösterreich, wobei der Böhmerwald im Fokus steht. Die Bücher werden in mehreren Kategorien ausgezeichnet. Wie die Veranstalter zu Beginn mitteilten, haben die Jurys bei der diesjährigen elften Auflage von Šumava Litera insgesamt 80 Werke bewertet. Elf davon sind auf Deutsch verfasst.
Den Hauptpreis des Festivals gewann Lukas Haselberger für den zweisprachigen Bildband „Verborgene Welten der Nationalparke Bayrischer Wald und Šumava“. Nach der feierlichen Zeremonie entstand das folgende Gespräch mit Lukas Haselberger:
Herr Haselberger, was bedeutet für Sie der Preis von Šumava Litera? Ich nehme an, Sie sind bereits zuvor mit Preisen geehrt worden…
„Ja, letztens erst mit dem Bayerwald Award. Die Preise bedeuten mir wirklich sehr viel – vor allem auch der Šumava-Litera-Preis, weil der Böhmerwald meine Heimat ist. Mit meiner Makrofotografie und mit dem Buch zeige ich nochmal unseren Böhmerwald aus einer ganz anderen Perspektive.“
Wie entdecken Sie diese verborgene Welt?
„Indem ich sehr viel unterwegs bin. Ich bin jede freie Minute draußen und schaue ganz genau hin – zwischen die Gräser, unter die Büsche, unter die umgefallenen Bäume. Und so entdecke ich Dinge, die den meisten Menschen, die nur normal durch den Wald laufen, verborgen bleiben.“
Braucht man dafür auch bestimmte naturwissenschaftliche Kenntnisse oder nur ein Gefühl für die Einzelheiten?
„Ich glaube, dass das ganz viel Gefühl ist. Man braucht keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund, um in diesem Bereich etwas Neues zu beobachten. Deshalb ist die Makrofotografie eigentlich auch für jeden was. Ich lade jeden dazu ein, einmal zu schauen, was im eigenen Garten so los ist. Denn hier in unserem Gebiet, im Böhmerwald, ist selbst jeder Garten ein kleines Biotop, das sich lohnt zu erkunden.“
Haben Sie dabei Entdeckungen gemacht, die Sie überrascht haben?
„Zum einen bin ich auf sehr seltene Spinnenarten gestoßen, die in den Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava vor allem direkt an der Grenze zu finden sind. Und ich fand auch Springspinnenarten, von denen man nicht wusste, dass es die in diesem Gebiet gibt. Da habe ich mittlerweile fünf neue Arten für den Nationalpark Bayerischer Wald und auch für den Nationalpark Šumava nachgewiesen.“
Ist das ein Buch wirklich für jedermann?
„Ich würde hoffen, dass es sich jeder anschaut. Dass jeder mal den Blick riskiert in die verborgenen Welten. Natürlich sind Spinnen und Insekten nicht das Thema, das sich für jeden gleich öffnet. Das Buch lohnt sich aber auf alle Fälle, würde ich sagen.“
Ist das Fotografieren Ihre Arbeit oder nur ein Hobby?
„Es ist ein Teilzeitberuf für mich. Eigentlich arbeite ich als Grafiker bei einer Werbeagentur. Und teilweise arbeite ich noch als Fotograf. Dabei mache ich aber auch ganz andere Sachen, weg von der Makrofotografie.“
Das Buch „Verborgene Welten der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava“ von Lukas Haselberger ist auf Deutsch und Tschechisch geschrieben. Es wurde vom Verlag Edition Lichtland herausgegeben.
Außer dem Hauptpreis wurden die Johann-Steinbrener-Preise verliehen. In der Kategorie Belletristik siegte beispielsweise eine Sammlung von Volkssagen aus der Gegend von Kašperské Hory (Bergreichenstein) mit dem Titel „Prst trpaslíka“ (Der Finger eines Zwergs), die vor etwa 100 Jahren der dortige Lehrer Hans Kollibabe (1880–1950) gesammelt hatte. Für das beste deutschsprachige Buch wurde Edmund Stern für seine „Begegnungen in Böhmen“ gewürdigt.
In die Ruhmeshalle des Festivals wurde Gerhard Hopp aufgenommen. Hier ein Gespräch mit dem Böhmerwald-Kenner:
Herr Hopp, was bedeutet für Sie diese Anerkennung?
„Für mich ist die Anerkennung sehr wichtig, dass wir aus Bayern nach Böhmen fahren und dort mit den Menschen Kontakt aufnehmen. Genau diese Kontaktaufnahme ist es auch, die mich bewogen hat, immer wieder in den Böhmerwald zu kommen. Meine Vorfahren stammen aus dem Böhmerwald. Mein Großvater war in Stubenbach-Gruberg, im Haus Nummer 11 zu Hause. Er war ein Holzhauer. Und von ihm habe ich das meiste für das Leben mitgenommen, das mir geholfen und mich gestärkt hat. Ich fahre gern in den Böhmerwald, weil er einfach so schön ist und weil ich die Menschen, die dort wohnen, liebe.“
Wo leben Sie?
„Ich bin jetzt in Schönberg bei Grafenau zu Hause, bin aber ein gebürtiger Zwieseler. Später war ich in der Gegend von Cham als Hauptschullehrer tätig. Meine letzte Dienststelle war dann Rinchnach, wo sich das Kloster befindet, das von St. Gunter gegründet worden ist. Ich habe die Wallfahrten von Scheuereck nach Gutwasser (Dobrá Voda) geleitet.“
Pilgern Sie einen Teil des Weges aus Rinchnach?
„Ich bin immer hinter dem Kreuz hergegangen und habe vorgebetet – 20 Kilometer von Scheuereck bis nach Gutwasser mit einer Pause in Stubenbach, wo wir ganz herzlich aufgenommen und mit einer sehr tollen Brotzeit verköstigt worden sind.“
Gibt es vielleicht noch Orte in Stubenbach, die mit Ihrer Familie verbunden sind? Oder steht da nichts mehr?
„Von dem Haus von meinem Großvater habe ich leider nur noch einen Granatsplitter gefunden. Das Haus wurde zerschossen oder in die Luft gesprengt, denn es stand auf einem militärischen Übungsgelände bei Stubenbach. Und dort ist leider nichts mehr übrig geblieben. Doch die Wälder um Stubenbach herum, die habe ich erforscht und manchen Korb voller Steinpilze mit nach Hause genommen.“
Wann bereiten Sie sich auf eine weitere Reise in den Böhmerwald vor?
„Das muss ich nicht, denn meine Frau und ich sind im Böhmerwald sehr viel gewandert. Und wie ich ja auch in der Zeitschrift ‚Der Böhmerwald‘ schreibe, haben wir dort viele wunderbare Orte, Wege und Stege kennengelernt, die wir wirklich lieben und die wir sehr gerne abgegangen sind.“
Im Rahmen des Festivals Šumava Litera 2025 wurde auch eine kleine Buchmesse veranstaltet. Und das Thema der historischen Vorträge, die am Freitag und am Samstag in Vimperk stattgefunden haben, lautete „Die Amerikaner im Böhmerwald und im Bayerischen Wald“.
Verbunden
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Verleger Schopf: Tschechische Bücher wie „Verschwundener Böhmerwald“ auch in Bayern beliebt
Beim Festival „Šumava Litera“, das vorige Woche in Vimperk / Winterberg stattfand, haben sich auch einige Verleger aus Deutschland mit ihren Ständen vorgestellt.









