Früher selbst gemalt, heute eigene Kombinationen: 120 Jahre Autokennzeichen in Tschechien
AGENT007 oder RYCHLE99 – in Tschechien kann man sich sein Autokennzeichen fast völlig beliebig aus acht Buchstaben und Zahlen selbst zusammenstellen. Strenger waren die Regeln für Nummernschilder, als sie hierzulande vor genau 120 Jahren eingeführt wurden.
Esspehsetka. So werden in Tschechien umgangssprachlich die Nummernschilder von Autos genannt. Die Wortschöpfung entsteht durch das Zusammenziehen der Abkürzung SPZ, die für Státní poznávací značka steht – übersetzt also das staatliche Kennzeichen. Eingeführt wurde es hierzulande noch zu Zeiten der Habsburger Monarchie, nämlich vor genau 120 Jahren. Ab dem 7. Januar 1906 waren die Besitzer von Autos und Motorrädern verpflichtet, ihre Fahrzeuge sichtbar zu kennzeichnen.
Jedes Land der Monarchie habe damals seinen eigenen Buchstaben zugeteilt bekommen, erläutert Martin Leška. Er ist Verkehrsplaner von Beruf, in seiner Freizeit aber auch Vorsitzender des tschechischen Freundeskreises der Kennzeichen:
„Hinter diesem Buchstaben stand auf dem Schild dann eine laufende Nummer von 1 bis 999. Waren diese Nummern ausgeschöpft, wurden römische Ziffern hinzugefügt. In Böhmen nutzte man die römischen Ziffern aber schon von Anfang mit, denn dies war einer der am stärksten motorisierten Teile der Monarchie.“
Fast 50 Jahre lang habe es hierzulande aber keine einheitlichen Nummernschilder gegeben, fährt Leška fort:
„Bis 1953 bekam man vom Amt kein fertiges Schild, sondern nur die Kennnummer. Es war dem Halter überlassen, wie er diese an seinem Fahrzeug anbringt. Entweder man beauftragte einen Buchstabenmaler, oder manche Menschen zeichneten die Nummer auch direkt auf die Karosserie. Das war ein sehr übliches und erlaubtes Vorgehen.“
Wer etwas auf sein Auto und wohl auch auf sich selbst hielt, habe jedoch den Profi rangelassen, wirft Leška ein:
„Schon damals war es eine Besonderheit der höheren Gesellschaftsschichten, ein Nummernschild auf professionelle Weise anfertigen zu lassen. Zu einem Luxusauto passte es nicht, das Kennzeichen mit dem Pinsel auf das Schutzblech zu malen.“
In der Ersten Tschechoslowakischen Republik sei ein öffentliches Register der Autobesitzer angelegt worden, berichtet der Experte weiter. Es gab dadurch auch Auskunft, wie viele registrierte Pkw, Lkw oder auch Traktoren es in einem Verwaltungsbezirk gab. Die kommunistischen Machthaber hätten das Register nach 1948 jedoch aufgelöst, so Leška.
Da aber bald ein regelrechter Autoboom einsetzte, musste ein neues System her: 1960 wurde eine neue Kennzeichnung eingeführt, die nach Bezirken aufgeteilt war. Sie bestand aus zwei bis drei Buchstaben, die auf die Verwaltungseinheit verwiesen, sowie einer vierstelligen Zahl. Diese Nummernschilder galten in Tschechien bis Mitte 2001. Und Martin Leška führt ein solches noch an seinem Oldtimer, den er einst im Bezirk Klatovy angemeldet hat:
„KTD 48-67. Ich trage zwar beim Fahren noch keinen Hut, aber ich wirke in dem Auto ein bisschen dörflicher. Ich versuche auch, Zeitungen aus dieser Zeit zu sammeln, oder habe das Wahlprogramm des Bürgerforums vom Juni 1990. Dadurch sieht das Fahrzeug noch aus wie früher.“
Die meisten tschechischen Nummernschilder beginnen heute mit einer Ziffer. Der folgende Buchstabe benennt den jeweiligen Kreis. So steht etwa das A für Prag, das B für den Kreis Südmähren mit dessen Hauptstadt Brno / Brünn oder das T für den Mährisch-schlesischen Kreis. Seit 2015 gehört ein Kennzeichen jedoch fest zum jeweiligen Fahrzeug. Wenn es in einen anderen Kreis verkauft wird, wechselt nun weder der Buchstabe noch die ganze Kombination. So lässt sich auf den ersten Blick mittlerweile nicht mehr sicher erkennen, in welcher Region Tschechiens ein Auto zugelassen ist.
Zudem ist es seit zehn Jahren hierzulande auch möglich, sein Auto- oder Motorradkennzeichen selbst zusammenzustellen. Die eigene Wort- und Zahlenkreation muss acht Stellen haben und darf nicht vulgär oder irreführend sein. Das Wunschkennzeichen ist jedoch nicht ganz billig: Es kostet 5000 Kronen (gut 200 Euro).
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