Vor 95 Jahren: Prag lädt zu erstem Eishockey-Spiel auf Kunsteis in der Tschechoslowakei
Am vergangenen Wochenende konnte in Prag problemlos auf Teichen und Seen Eishockey gespielt werden. Der kräftige Frost hatte für eine stabile Eisdecke gesorgt. Doch der normale Betrieb in dieser Sportart erfolgt schon seit vielen Jahrzehnten auf Kunsteisbahnen. Nun sind es genau 95 Jahre, seit in Prag die erste Eishockeybegegnung auf Kunsteis in der Tschechoslowakei ausgetragen wurde.
Das Spiel fand am 17. Januar 1931 auf der Moldauinsel Štvanice statt. Obwohl das zugehörige Stadion noch nicht fertiggestellt war, kamen 7000 Zuschauer. Es trat die Mannschaft des LTC Prag, des besten Klubs der Stadt, gegen eine Auswahl der Manitoba University Graduates aus Kanada an.
Erster Schritt zum modernen Eishockey
Während es in den Nachbarländern bereits Kunsteisbahnen gab, fiel die Entscheidung für den Bau eines eigenen Stadions erst 1929 – nachdem die tschechoslowakische Eishockeynationalmannschaft zum zweiten Mal Europameister geworden war. Die Stadt Prag wählte als Ort die beliebte Ausflugsinsel Štvanice. Das Projekt wurde dem Architekten Josef Fuchs anvertraut, einem Vertreter des Funktionalismus. Die Kältemaschine kam von der Brünner Maschinenbaufirma Brněnské strojírny.
Da der Bau schnell voranschritt, konnte das erste Spiel schon steigen, bevor das ganze Areal fertiggestellt war. Es gewann die Manitoba University mit 2:0. Die Zeitungen damals schrieben, dass „die kanadischen Spieler mit einer Leichtigkeit Schlittschuh laufen, die für die hiesigen Zuschauer eine Neuheit ist“.
Einen Tag später aber dann die Überraschung: Die tschechoslowakische Nationalmannschaft trotzte dem Team aus Kanada ein 2:2-Unentschieden ab. Der berühmte Rundfunkkommentator Josef Laufer merkte damals begeistert in der Übertragung an: „Im Stadion Štvanice sehen wir einen Auftritt, den noch vor ein paar Jahren niemand erwartet hätte.“ Für das kanadische Team war es der erste Punktverlust gegen einen Gegner aus Europa.
Offizielle Einweihung erst 1932
Nach diesem Auftakt zögerte sich die Fertigstellung des Stadions jedoch unerwartet hinaus. Grund war die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen in der Tschechoslowakei. Erst am 6. November 1932 wurde die Arena bei einem Freundschaftsspiel der Tschechoslowaken gegen die französische Eishockeynationalmannschaft offiziell eingeweiht. Die Eisfläche war insgesamt 90 Meter lang und 34 Meter breit, sodass sich hinter einem der Tore noch ein Trainingsplatz befand. Wenn nicht gerade die Puckjäger zu Werke gingen, konnte die Öffentlichkeit Schlittschuh laufen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde Štvanice zum Ort großer sportlicher Wettkämpfe. Viermal wurde hier die Eishockey-Weltmeisterschaft ausgetragen, wobei 1947 die Tschechoslowaken in dem Stadion ihren ersten WM-Titel feierten. 1955 gab es aus der Arena die erste Fernsehliveübertragung eines Eishockeyspiels im Land.
Ab den 1960er Jahren verlor das Stadion jedoch an Bedeutung, 2011 wurde es abgerissen.











