Nach Kritik: In Heřmánkovice werden alte deutsche Gräber saniert
In der Gemeinde Heřmánkovice / Hermsdorf in Nordostböhmen werden verlassene Gräber der ursprünglichen deutschen Einwohner restauriert.
Heřmánkovice liegt an der böhmisch-polnischen Grenze nördlich von Broumov. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten im Dorf ausschließlich deutsche Einwohner, die nach dem Kriegsende vertrieben wurden. Vor zwei Jahren sorgte die Gemeindeverwaltung wegen der Abrissarbeiten auf dem dortigen Friedhof für Kritik.
Nun werden die vernachlässigten deutschen Grabsteine wieder saniert. „Der Friedhof entwickelt sich allmählich zu einem Beispiel für Versöhnungsbemühungen, Pietät und verantwortungsvolle Pflege der gemeinsamen Geschichte der in dieser Gegend lebenden Tschechen und Deutschen. Die Gemeinde restauriert die verlassenen Gräber der ursprünglichen deutschen Bewohner“, teilte der Sprecher des Kreisamtes, Dan Lechmann, der Presseagentur ČTK mit. Nach seinen Aussagen arbeitet die Gemeinde bei der Sanierung mit einer Architektin, weiteren Experten, dem Kreisamt sowie Vertretern deutscher Verbände zusammen.
Die zuvor entfernten Grabsteine werden auf den Friedhof zurückgebracht. Die Gedenktafeln mit ihren Inschriften werden an der Friedhofsmauer und auf neu errichteten Betonsockeln angebracht. „Die Arbeiten dauern an und sind noch nicht abgeschlossen. Auch die Arbeiten an einer Gedenkallee haben begonnen. Das Friedhofskreuz wurde mit einer zweisprachigen Inschrift in Tschechisch und Deutsch versehen, die der Verstorbenen unabhängig von ihrer Nationalität gedenkt“, sagt Lechmann.
Im Jahr 2023 hatte das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen berichtet, die Gemeinde lasse die alten deutschen Gräber mit einem Bagger entfernen. Bürgermeisterin Jana Králová (Unabhängige) erklärte damals gegenüber ČTK, es habe sich nicht um böswillige Absicht, sondern um ein Missverständnis gehandelt. Laut ihren Angaben ging es dem Dorf nicht darum, die Gräber zu zerstören, sondern das Friedhofsgelände zu verschönern, um den ursprünglichen Bewohnern ein würdevolles Andenken zu bewahren.
Der Bagger habe versehentlich mehr Grabsteine als nur die beschädigten vom Friedhof entfernt, hieß es. Weil sich die Verbände der Sudetendeutschen über die Abrissarbeiten beschwert hatten, beschloss das Kreisamt in Hradec Králové, der Gemeinde deswegen eine Geldstrafe aufzuerlegen. Diese wurde aber aufgrund der Zusage zur Behebung des Problems bisher nicht eingefordert.
Das tschechische Ministerium für die Regionalentwicklung schrieb 2025 ein Förderprogramm für die Sanierung und Pflege von alten deutschen Gräbern aus. Für 2026 stehen Fördermittel in Höhe von umgerechnet 410.000 Euro zur Verfügung.
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