Tausende Menschen demonstrieren in Prag zur Unterstützung der Ukraine
Mehrere Tausend Menschen waren am Samstagnachmittag auf dem Prager Altstädter Ring zusammengekommen. Anlässlich des bevorstehenden vierten Jahrestags von Russlands Invasion in die Ukraine brachten sie ihre Unterstützung für das angegriffene Land zum Ausdruck. Martina Schneibergová war dabei.
Mit Jubel und stürmischem Beifall begrüßten die Teilnehmer der Demonstration den ersten Redner auf dem Podium – den tschechischen Staatspräsident Petr Pavel. Er dankte zuerst all denjenigen, die gekommen waren und denen das Schicksal der Ukraine nicht gleichgültig ist.
„Wenn uns jemand sagt, er sei müde von diesem Krieg, er wolle nicht ständig etwas von der Ukraine hören, dann ist ihm auch das Schicksal unseres Landes gleichgültig. Denn früher oder später wird in der Ukraine Frieden herrschen. Und es kommt sehr darauf an, welcher Frieden das sein wird, denn dies wird die Sicherheit in Europa für lange Zeit beeinflussen.“
Präsident Pavel betonte, die Ukraine habe nichts Anderes gewollt als das, was sich unser Land in der Vergangenheit auch gewünscht habe – über die eigene Zukunft frei entscheiden zu können. Und er betonte, darauf habe die Ukraine auch Recht.
„Es ist darum in Ordnung, dass wir die Ukraine unterstützen. Damit verteidigen wir sie nicht nur als ein Land und als ein Volk, sondern wir verteidigen damit auch das Prinzip, dass die kleinen und mittelgroßen Länder davor geschützt werden müssen, nicht dem Druck der großen Länder ausgeliefert zu sein.“
Der Präsident würdigte die Welle von Solidarität, die die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur während dieses Winters unter der tschechischen Bevölkerung geweckt hat. Petr Pavel erklärte abschließend:
„Ich hoffe, dass sich auch unsere Regierung dessen bewusst wird, dass sich die Zukunft der Ukraine auf unseren Wohlstand und unsere Sicherheit auswirken wird. Und dass es in unserem Interesse ist, die Ukraine weiterhin zu unterstützen, bis ein gerechter Frieden erreicht wird.“
Für die Unterstützung, die tschechische Bürger für sein Land demonstrieren, bedankte sich unter anderem der ukrainische Botschafter in Prag, Vasyl Zvarych. Auf der Demonstration erklangen anschließend auch Stimmen von Ukrainerinnen und Ukrainern. Unter ihnen war etwa der Kriegsveteran Serhij Shukowskyi. Er wurde im Krieg schwer verletzt und verlor beide Hände. Trotzdem gab er nicht auf. Shukowskyi sagte unter anderem, im Krieg beginne man das Licht zu schätzen, wenn man keines habe, und die Stille zu schätzen, wenn man nur Explosionen höre. Die Übersetzung seiner weiteren Aussage las der legendäre tschechische Eishockeytorwart Dominik Hašek vor:
„Ich möchte Ihnen, Tschechen, für die Unterstützung der Ukraine danken – nicht nur für die Waffen und das Geld. Jede proukrainische Haltung ist für uns Gold wert. Ich stehe hier, nicht um Mitleid zu wecken. Ich stehe hier, um zu zeigen, inwieweit die Ukrainer unbeugsam und stark sind. Die Ukrainer zahlen für ihre Freiheit einen unheimlich hohen Preis. Ich wünsche mir als Einziges, dass der Krieg beendet wird und unsere Kinder in Sicherheit leben können.“
Auf die Bühne auf dem Altstädter Ring traten auch die Eltern von tschechischen Freiwilligen, die ihr Leben für die Ukraine geopfert haben. Martin „Taylor“ Krejčí organisierte zuerst Hilfe für die Ukraine, später reiste er in das von Russland angegriffene Land und war dort als Sanitäter tätig. Im März 2023 wurde er schwer verletzt und starb zwei Monate später. Seine Mutter Ivana Krejčová sagte vor den Kundgebungsteilnehmern:
„Ich verstehe, dass nicht jeder kämpfen oder Verletzte versorgen kann. Martin hatte ein Licht der Menschlichkeit in sich, das mit klarer Flamme brannte. Fast jeder von uns trägt ein solches Licht in sich. Suchen Sie danach und lassen Sie es nicht erlöschen. Lassen Sie nicht zu, dass unsere Welt zerstört wird.“
Die slowakische Schauspielerin und Diplomatin Magdalena Vašáryová erinnerte daran, dass vor genau acht Jahren der slowakische Journalist Ján Kuciak ermordet wurde. Sie machte darauf aufmerksam, dass die Demokratie in Mitteleuropa gefährdet sei.
Zum Abschluss der fast zwei Stunden dauernden Demonstration kamen Vertreter jener gemeinnützigen Organisationen zu Wort, die die Kundgebung einberufen hatten. Šimon Pánek von der Hilfsorganisation Člověk v tísni betonte, Tschechien sei eines der großen Zentren der Hilfe für die Ukraine. „Ich denke, dass wir uns daran einmal mit Stolz erinnern werden“, so Pánek.
Unter den Demonstranten war auch Magdaléna. Die Künstlerin und Pädagogin nahm, wie sie sagte, nicht zum ersten Mal an einer Demonstration für die Ukraine teil. Wer von den Rednern hat sie am tiefsten beeindruckt?
„Heute gab es viele starke Persönlichkeiten auf dem Podium. Ich werde zwei Männer nennen. Der erste ist Präsident Petr Pavel. Er ist, denke ich, der erste Staatspräsident, der seit 1989 auf einer derartigen öffentlichen Kundgebung auftrat. Der zweite ist Šimon Pánek. Seine Organisation engagiert sich bis heute in verschiedenen Ländern der Welt, in denen dies notwendig ist und in die sich andere nicht zu reisen trauen. Wie wir wissen, wird unsere neue Regierung von Andrej Babiš die Fördergelder für sämtliche Non-Profit-Organisationen zusammenstreichen. Insbesondere betrifft das Organisationen, die sie als ,aktivistisch‘ oder ,politisch‘ bezeichnet.“
Außer Prag wurde auch in 20 weiteren Städten Tschechiens für die Ukraine demonstriert.
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Tschechien und der Krieg in der Ukraine
Radio Prague International berichtet über den Krieg in der Ukraine







