Wimbledon erobert und in der Tschechoslowakei geblieben: Tennisspieler Jan Kodeš wird 80
Er ist eine der größten Persönlichkeiten des tschechoslowakischen Sports: Jan Kodeš. Der Tennisspieler gewann drei Grandslam-Turniere und gehörte 1980 zum Davis-Cup-Siegerteam. Am Sonntag wird er 80 Jahre alt.
Jan Kodeš wuchs im Prag der Nachkriegszeit auf. Sein Vater arbeitete als Platzwart auf Tennis-Anlagen. Dort bekam der junge Kodeš auch erstmals einen Schläger in die Hand. Zunächst spielte er genauso gerne Fußball wie Tennis, doch dann gewann er 1964 ein prestigeträchtiges Jugendturnier und entschied sich für den „weißen Sport“. In diesem wurde er schnell zum besten Spieler in der damaligen Tschechoslowakei.
Erster Wimbledonsieger aus dem Ostblock
Ende der 1960er Jahre gelangte Jan Kodeš auch auf die internationale Bühne, als sich das Tennis für professionelle Spieler öffnete. 1970 gewann er die French Open, und im Jahr darauf verteidigte er seinen Titel bei diesem Grand-Slam-Turnier. Das Publikum in Paris liebte ihn dafür, dass er nie aufgab und weiterkämpfte. 1971 gelangte Kodeš auch ins Finale der US Open, wo er jedoch dem US-Amerikaner Stan Smith unterlag.
Der größte Triumph des Pragers kam 1973. In Wimbledon, dem berühmtesten Tennisturnier der Welt, zog er ins Finale ein, nachdem er in den vorangegangenen Begegnungen mehrfach knapp vor dem Ausscheiden gewesen war. Und im Finale besiegte er seinen sowjetischen Gegner georgischer Herkunft Alexander Metreweli in drei Sätzen. Damit wurde er der erste Sportler aus dem Ostblock, der das Turnier in London gewinnen konnte. Für die kommunistische Tschechoslowakei war dies ein großer sporthistorischer Augenblick, der sie auch jenseits der Grenzen sichtbar machte.
Keine Flucht in den Westen
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Schon nach seinem zweiten Sieg bei den French Open hatten französische Funktionäre ihre Hilfe angeboten, falls Jan Kodeš emigrieren wollte. Obwohl ihm dies attraktive finanzielle Möglichkeiten eröffnet hätte, entschied er sich, in seiner Heimat und bei seiner Familie zu bleiben. Viele andere tschechoslowakische Spitzensportler emigrierten hingegen, gerade auch wegen des Einmarschs der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 und der anschließenden sowjetischen Besatzung. Aus dem Tennis sind da vor allem Martina Navrátilová zu nennen und später auch Ivan Lendl.
Kodeš jedenfalls blieb und gehörte 1980 zu jenem Team, das zum ersten und einzigen Mal den Davis Cup für die Tschechoslowakei gewann (später gab es noch zwei Siege Tschechiens). Für ihn war es die letzte große sportliche Schlacht. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere wurde er zunächst Kapitän der tschechoslowakischen Davis-Cup-Mannschaft, dann Organisator von Tennisturnieren und schließlich Vorsitzender des tschechischen Tennisverbandes. Auch international wurde er respektiert. 1990 wurde er in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.
2014 musste sich Kodeš jedoch einer Herztransplantation unterziehen. Sie verlief erfolgreich, sodass er auch mit dem Spenderherz wieder auf den Tennisplatz konnte. Über seine aktive Karriere sagt der Jubilar heute:
„Mich ärgert, dass ich die US Open nicht gewonnen habe. Ansonsten bedauere ich nichts, was ich in der Welt des Tennis erleben durfte.“
Jan Kodeš – Kurzprofil
• Geboren: 1. März 1946, Prag
• Grandslam-Siege: French Open 1970 und 1971, Wimbledon 1973
• Finale der US Open: 1971 und 1973
• Davis Cup: Titelgewinn 1980
• Funktionen: Vorsitzender des Tschechischen Tennisverbandes (1994–1998)
• Auszeichnungen: Emil-Zátopek-Preis (2011), International Tennis Hall of Fame (seit 1990)
• Gesundheit: Herztransplantation 2014
