Tschechiens Tennisherren holen Davis Cup nach Finalsieg über Spanien

Foto: ČTK

Tschechien ist ein relativ kleines Land, aber eine große Tennisnation! In den vergangenen zwei Jahrzehnten stellten sich allerdings kaum noch dauerhafte Erfolge ein, weil einstige Topstars wie Martina Navrátilová und Ivan Lendl nicht mehr aktiv sind und zudem heute in den USA leben. Erst in den letzten drei Jahren nährten Wimbledonsiegerin Petra Kvitová sowie einige Spielerinnen und Spieler in den Mannschaftswettbewerben wieder leise Hoffnungen. Am Sonntag aber ist Tschechien nun der ganz große Wurf gelungen: Nach dem Hopman Cup und dem Fed Cup gewann das Herrenteam auch den Davis Cup – ein Dreifachtriumph in einem Jahr, wie ihn noch kein Land zuvor erreichte.

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Riesiger Jubel brandete am Sonntagabend in der Prager O2-Arena auf, als der das Finale entscheidende Matchball erfolgreich vollendet wurde. Die beiden Jungs, oder besser gesagt großartigen Tennisspieler, die den 3:2-Finalsieg über Spaniern schafften, sind Tomáš Berdych und Radek Štěpánek. In den zurückliegenden drei Jahren hat dieses Duo zweimal quasi allein den Einzug in ein Davis-Cup-Finale geschafft und in diesem Wettbewerb für viele tolle Momente gesorgt. Berdych als Weltranglisten-Sechster und Nummer 1 des Teams hat dabei etwas häufiger den entscheidenden dritten Punkt gewonnen. Diesmal setzte sein Freund und Partner Štěpánek das Glanzlicht, doch Berdych war alles andere als enttäuscht darüber:

Tomáš Berdych (Foto: ČTK)
„Wir haben schon mehrfach die starken Teams in gleicher Weise besiegt, indem wir das Doppel gewonnen und jeweils die Nummer zwei des Gegners bezwungen haben. Aber niemals wurde dabei hervorgehoben, wer von uns beiden mehr dazu beigetragen hat. Wichtig war und ist nur, dass wir die drei Punkte erringen.“

Die starken Spanier, die als Titelverteidiger angereist waren, aber verlangten Berdych und Štěpánek wirklich alles ab. Vor allem der überzeugende Weltranglisten-Fünfte David Ferrer sorgte mit seinen zwei Einzelsiegen dafür, dass der Davis Cup erst nach dem fünften und letzten Duell zwischen Štěpánek und Nicolas Almagro vergeben wurde. In dieser Partie bot Štěpánek eine herausragende Vorstellung, bei der er mehrfach die O2-Arena zum Kochen brachte. Zum Beispiel im Tiebreak des zweiten Satzes, den er glatt mit 7:0 gewann.

Radek Štěpánek (Foto: ČTK)
Bei seinem Vier-Satz-Sieg über Almagro zeigte der fast 34-jährige Štěpánek eine wirklich bärenstarke Leistung, die dem Showdown um die begehrte Salatschüssel würdig war. Der erfahrene Spieler freute sich darüber am meisten:

„Das war einer der Schlüssel für den Erfolg, denn ich habe schon einige Spiele durchlebt, in denen ich übermotiviert war und meine Emotionen zu früh oder im falschen Moment herausgelassen habe. Dadurch habe ich dann viel Energie verloren. Aus all diesen Begegnungen habe ich natürlich auch viele Erfahrungen gesammelt und wollte die gleichen Fehler nicht wieder machen. Ich denke, heute habe ich meine Nerven im Griff gehabt und mich auch immer wieder im richtigen Moment angepeitscht.“

Alex Corretja (Foto: Daniel Ordóñez)
Der starken Leistung von Radek Štěpánek zollten dann auch die unterlegenen Spanier ihren Respekt. Teamchef Alex Corretja:

„Ich gratuliere den Tschechen zum Sieg und Radek für eine phantastische Vorstellung.“

Nach dem Gewinn des Fed Cups durch das Damenteam vor 14 Tagen an gleicher Stätte hat sich der tschechische Tennissport nun also auch die begehrteste Mannschaftstrophäe geholt: den Davis Cup. Und das im 100. Finale des Traditionswettbewerbes sowie zum erst zweiten Mal nach 1980, als Lendl, Kodeš, Šmíd und Složil im Finale die Italiener mit 4:1 bezwangen. Nach dieser langen Durststrecke kannte der Jubel dann auch keine Grenzen.

Autor: Lothar Martin
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