Leicht deformierter Comicheld: „Oskar Ed“ gewinnt weitere Muriel-Preise
Jedes Jahr werden in Tschechien die Muriel-Preise vergeben. Damit werden die besten Comics des Jahres gekürt. Vergangene Woche war es wieder soweit.
In gleich drei Kategorien ertönte der Name des immer selben Siegers: Branko Jelinek hat mit seinem Comic-Roman „Oskar Ed: Můj nejlepší přítel“ (Oskar Ed: Mein bester Freund) im Jahrgang 2025 absolut überzeugen können. Der Slowake, der in Prag lebt, nahm den Muriel-Preis für das beste Buch, die beste Zeichnung sowie den besten Plot mit nach Hause. Jurymitglied Klára Vöröšová erläuterte gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks, was Oskar Ed so besonders macht:
„Diese Figur führt ein Leben im Heute. Das kann der Leser sehr leicht verstehen. Es entsteht schnell eine Empathie, dank der dynamischen, expressiven und detailreichen Zeichnungen. Sie ziehen einen direkt in das Geschehen hinein, das man gemeinsam mit der Hauptfigur durchlebt.“
Es ist nicht Jelineks erste Graphic Novel über Oskar Ed. Den Auftakt der losen Reihe machten ab 2003 drei Comichefte. 2016 folgte dann mit „Můj největší sen“ (Mein größter Traum) ein 344 Seiten starker Roman, für den es auch schon zwei Muriel-Preise gab. Nun also mit „Mein bester Freund“ ein zweites, ähnlich dickes Werk. Branko Jelinek beschreibt seine Beziehung zu Oskar Ed:
„Er ist für mich eine Figur, mit der ich jede mögliche Geschichte durchspielen kann. Es ist, als ob man mit einem Kindertheater Shakespeare spielt. Ich habe es aufgegeben, immer neue Formen für eine Hauptfigur zu suchen, und einfach eine Form für mich definiert. Sie hat Eigenschaften, durch die sich die Leser in sie hineinversetzen können.“
Von Beginn an geht es bei der Oskar-Ed-Reihe viel um die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Die Hauptfigur hat ein eher deformiertes Gesicht, ohne Nase und Haare. Mit seinem neusten Buch wendet Jelinek den Blick aber mehr in das Innere seines Geschöpfes.
„Schon seit einem sehr jungen Alter beschäftigt mich die Sterblichkeit des Menschen. Ich nehme sehr intensiv die fortschreitende Zeit wahr, etwa durch körperliche Veränderungen. Je älter man ist, desto mehr verrät einen der eigene Körper. Für mich wird mit der Zeit immer wichtiger, die Architektur meines eigenen Inneren zu erkunden.“
Zehn Jahre hat Jelinek an „Oskar Ed: Mein bester Freund“ gearbeitet. Zu Beginn einer jeden Comic-Idee würde für ihn immer schon das Ende feststehen, berichtet der Autor. Auf dem Weg dahin könne die Geschichte jedoch durchaus variieren. Er lasse sich dann auch gern von den eigenen Gedanken überraschen...
„Bei mir dominiert die künstlerische Seite der Arbeit. Ich zeichne das ganze Buch, ohne ein fertiges Szenario zu haben oder den Text für die Sprechblasen. Erst am Ende fülle ich die Blasen aus. Bei Dialogen habe ich natürlich ihren Rhythmus und Inhalt vor Augen. Aber ich lasse mich immer von neuem von der Geschichte führen. Und weil ich sie die ganze Zeit im Kopf habe, habe ich auch alles, was ich brauche.“
Ihm gehe es nicht nur um eine körperliche Darstellung, fügt der Zeichner hinzu. Das Aussehen von Oskar Ed habe er bewusst auf ein Minimum reduziert. So versuche er, mit den einfachsten Mittel die kompliziertesten Geschichten zu erzählen, sagt Branko Jelinek. Und laut Jurymitglied Vöröšová ist es eben gerade dieser optische Freiraum, der den Leser zu eigenen Interpretationen anrege:
„Es ist nicht strikt vorgegeben, wie man die Geschichte zu verstehen hat. Jeder Leser findet in ihr seinen eigenen Weg – durch Details, die ihm bekannt sind oder die ihn besonders ansprechen. Darum ist das Buch für eine sehr breite Leserschaft geeignet.“
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