„Freiheit für Tibet“ – Tschechen machen auf Umerziehung tibetischer Kinder aufmerksam

„Hlas Pro Tibet“ (Stimme für Tibet)

Am Dienstag wurde vor der chinesischen Botschaft in Prag für Tibet demonstriert.

„Freiheit für Tibet“ skandierten Menschen, die sich am Dienstagabend vor der chinesischen Botschaft in Prag versammelten. Viele von ihnen hatten tibetische Flaggen mitgebracht. Die Kundgebung unter dem Titel „Stimme für Tibet“ war vom Verein Lungta und dem tschechischen Ableger von Amnesty International nicht zufällig für den 10. März einberufen worden. Dazu sagte Lukáš Eršil von Lungta:

Lukáš Eršil von Lungta | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Wir treffen hier anlässlich eines traurigen Ereignisses zusammen. 1959 wurde der tibetische Volksaufstand gegen die chinesische Okkupation blutig unterdrückt. Fast 80.000 Tibeter zahlten damals dafür mit ihrem Leben. Weitere Hunderttausende starben in den folgenden Jahren. Vor 67 Jahren begannen die brutale Unterdrückung und die Zerstörung nicht nur von Menschenleben, sondern auch der Umwelt in Tibet. Seit 2009 haben sich 159 Tibeter aus Verzweiflung selbst verbrannt.“

Der Bürgeraktivist erinnerte jedoch auch an einen positiven Jahrestag:

Foto: Občanské sdružení Lungta

„Vor genau 30 Jahren schlossen sich die ersten vier Rathäuser in Tschechien der internationalen Kampagne ,Flagge für Tibet‘ an. Seitdem wächst die Unterstützung für Tibet hierzulande ständig. Es freut mich sehr, dass heute 885 Rathäuser die Flagge für Tibet zeigen. Der Kampagne schließen sich auch Einzelpersonen an, die tibetische Flagge weht beispielsweise ebenso auf dem Gebäude des Senats des tschechischen Parlaments. Es freut mich besonders, dass 106 Schulen ihr Interesse an der Kampagne bekundet haben.“

Der Bürgeraktivist forderte jeden Teilnehmer der Kundgebung auf, im kommenden Jahr zwei Bekannte zur Demonstration mitzunehmen, um die Unterstützung für Tibet zu stärken.

„Hlas Pro Tibet“  (Stimme für Tibet) | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Mit großem Beifall wurde der Vorsitzende der Vereinigung der Tibeter in Tschechien, Jigme Tenzin Kirti Tsang, begrüßt. Er sagte, der 10. März biete nicht nur eine Gelegenheit, über die Geschichte, sondern vor allem über die Gegenwart von Tibet zu sprechen. Jigme Tenzin Kirti Tsang würdigte die Aktivitäten des Vereins Lungta.

„Die Kampagne ,Flagge für Tibet‘, mit der der Verein seit 30 Jahren auf die Verletzung der Menschenrechte aufmerksam macht, bedeutet für mich die Tatsache, dass Tibet nicht vergessen wird. Obwohl die Tibeter in ihrem Land gezwungen sind zu schweigen, sind die Stimmen der Tibeter im Exil zu hören. Die Flagge für Tibet zu zeigen, ist ein Ausdruck der Solidarität. Im Namen von sieben Millionen Tibetern danke ich dem Verein Lungta und all denjenigen, die gekommen sind, sowie allen Rednern.“

Der Vertreter der in Tschechien lebenden Tibeter bezeichnete als besonders schmerzvoll, dass tibetische Kinder gezwungen würden, an staatliche Schulen Chinas zu gehen. Er merkte an:

„Wenn Kinder von ihren Familien, ihrer Sprache, ihrer Kultur und Religion getrennt werden, wird Tibet seine Zukunft weggenommen.“

Auch die ehemalige Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Klára Šimáčková Laurenčíková, ging auf die Umerziehung tibetischer Kinder ein. Sie sagte unter anderem:

Klára Šimáčková Laurenčíková  | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Es kommt zu gewaltsamen Deportationen tibetischer Kinder auf das chinesische Gebiet. Die Entführungen der Kinder müssen uns interessieren und wehtun – genauso wie die zivilisierte Gesellschaft über die Entführungen ukrainischer Kinder auf Russlands Gebiet erschrocken ist. Die demokratische Welt hat sich bei der Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine zusammengeschlossen. Es ist notwendig und gerecht, sich ebenso auch für das Schicksal und Leid des tibetischen Volkes zu interessieren.“

Der Salesianer-Priester Ladislav Heryán erinnerte in seiner Rede unter anderem an die Haltung des Dalai Lama:

„Am wichtigsten sind seine Werte – die Güte und das Mitgefühl. Seine Heiligkeit kämpft auf diese Weise gegen die chinesische Aggression. Und es scheint, dass das nicht wenig ist.“

Ladislav Heryán | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International
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