Binnenschifffahrt in Tschechien: Gütertransport in der Krise

Die Binnenschifffahrt in Tschechien rutscht weiter ab. Immer weniger Güter werden hierzulande auf Wasserstraßen transportiert, und die Reedereien gehen bankrott.

Die Binnenschifffahrt in Tschechien hat im vergangenen Jahr 786.000 Tonnen Güter transportiert. Dies sind ganze 20 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus den Statistiken des Verkehrsministeriums hervorgeht. Die Hauptursache ist die Dürre. Die uneingeschränkte Schifffahrt auf der Elbe – also ein Wasserstand von mindestens 275 Zentimetern – war im vergangenen Jahr keinen einzigen Tag möglich, wie Klára Kroupa Němcová, Direktorin der staatlichen Schifffahrtsverwaltung sagt:

Klára Němcová | Foto: Elena Horálková,  Tschechischer Rundfunk

„Der Wasserstand in Ústí nad Labem lag nur an 90 Tagen über 180 Zentimetern. Das ist ein Stand, der eine zwar nicht rentable, aber eingeschränkte Schifffahrt ermöglicht. Zudem muss auch in Betracht gezogen werden, dass es im Jahr zuvor, also 2024 zwei Überschwemmungswellen gab.“

Schwankende Wasserstände

Die Überschwemmungen hatten große Ablagerungen am Grund der Elbe zur Folge, wodurch die Durchfahrt für größere Schiffe oder Schiffe mit größerer Ladung unmöglich wurde. Das staatliche Unternehmen Povodí Labe begann Anfang dieses Jahres mit der Beseitigung dieser Ablagerungen.

Das Problem ist aber langfristig. In den letzten zehn Jahren ging die transportierte Gütermenge um fast 60 Prozent zurück. Lukáš Hradský leitet die Ableitung Wasserverkehr beim tschechischen Transportverband:

„Es gibt immer weniger Schiffe und Reedereien. Im vergangenen Jahr endete nach 102 Jahren eines der größten tschechischen Binnenschifffahrtsunternehmen ČSPL. Noch im Jahr 1989 betrieb es mehr als tausend Schiffe.“

60 Prozent weniger Güter in zehn Jahren

Im Register der staatlichen Schifffahrtsverwaltung sind derzeit 43 Frachtmotorschiffe eingetragen. In der Zeit, wenn die Elbe nicht schiffbar ist, bestreiten laut Hradskýs Angaben die Reeder ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Fahrten in Westeuropa.

„Tschechische Kunden müssen ihre Güter mit Lkw und Zügen befördern. Und die Waren, bei denen diese Art des Transports nicht möglich ist, müssen warten, bis die Elbe wieder schiffbar ist.“

Hradský zufolge war dies im vergangenen Jahr nur im November und Dezember der Fall. Nach Daten des Verkehrsministeriums erfolgten lediglich 0,2 Prozent des gesamten Güterverkehrs in Tschechien per Schiff.

Schiffsverkehr auf der Elbe | Foto: Juan de Vojníkov,  CC BY-SA 3.0

Laut der staatlichen Schifffahrtsverwaltung und dem Transportverband ist der Bau einer Staustufe in Děčín von großer Bedeutung für die Zukunft des Binnengüterverkehrs. Sie soll durch Stauregelung ganzjährig einen ausreichenden Wasserstand auf der Elbe gewährleisten. Dadurch würde auch das Problem unzureichender Schienen- und Straßenkapazitäten beseitigt, da ein Schiff die Kapazität von bis zu 40 Lkw ersetzen könne, so Klára Kroupa Němcová von der staatlichen Schifffahrtsverwaltung.

„Zu Wasser werden am häufigsten Kies, Kiessand und verschiedene lose Materialien, Baumaterialien, aber auch etwa Düngemittel befördert.“

Staustufe in Děčín

Laut ihren Angaben transportierten Schiffe im vergangenen Jahr beispielsweise Baumaterial für die neue Dvorce-Brücke in Prag – die Situation der Moldau sei nämlich dank einem System von Stauanlagen, der sogenannten Moldau-Kaskade, besser als die der Elbe.

Der Staat plant den Bau der Elbe-Staustufe in Děčín bereits seit den 1990er Jahren. Nun wird das Projekt für die bereits dritte Umweltverträglichkeitsprüfung vorbereitet.

Mit dem Bau wird in den 2030er Jahren gerechnet, sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums, František Jemelka.

Der Bau der Staustufe ist Teil des aktuellen Regierungsprogramms. Umweltorganisationen lehnen das Vorhaben allerdings ab. Sie weisen beispielsweise auf die Gefahr der Beeinträchtigung von Schutzgebieten oder auf negative Auswirkungen für die Vegetation an den Elbufern sowie für Fische und andere Wasserorganismen hin.

Autoren: Markéta Kachlíková , Sára Adamcová
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