Tschechische Start-ups expandieren mit Hilfe von CzechInvest in die Welt

Für kleine Tech-Unternehmen reicht es nicht, sich auf den tschechischen Markt zu konzentrieren. Sie müssen in die Welt expandieren, wenn sie wachsen wollen. Und diesen Start-ups hilft die staatliche Agentur CzechInvest mit einem speziellen Programm. Wir schildern Ihnen einige Beispiele.

Es sind Firmen wie Kardi AI Technologies – tschechische Start-ups, die in unterschiedliche Teile der Welt ihre Fühler ausstrecken. 90 von ihnen haben bereits über CzechInvest eine Förderung erhalten. Das Geld kommt aus dem EU-Wiederaufbaufonds.

Pavel Digaňa | Foto: Kardi Ai

Kardi AI Technologies hatte dabei eine einfache Idee. Die Macher nahmen einen Brustgurt zum Messen der Herzfrequenz, wie ihn Läufer tragen, und haben ihn mit ihrer eigenen Analyse-App verbunden. Das Ergebnis? Eine Langzeit-Überwachung der Herztätigkeit und Frühwarnsystem für Herzbeschwerden. Pavel Digaňa ist Mitgründer und technischer Leiter des Start-ups:

„Wenn mit unserer App Herzrhythmusstörungen festgestellt werden, muss man kein Holter-EKG mehr machen. Sondern der Arzt kann schon gleich mit der Behandlung beginnen. Das heißt, man geht nicht mit dem Problem zum Arzt, sondern schon mit der Diagnose.“

Expansion nach Indien

Durch dieses Langzeit-EKG ist es laut Digaňa sechsmal wahrscheinlicher, dass Herzrhythmusstörungen auch erkannt werden, als beim Tragen eines Holter-Monitors. Kardi AI Technologies haben für ihr Produkt bereits die europäische Zertifizierung MDR 2a für medizinische Geräte erhalten. Deswegen ist laut Pavel Digaňa nun die Expansion nach Indien einfacher. Weitere Ziele sind Singapur und die USA.

Karel Juřička | Foto: Webout

Genau dort sieht ein weiteres tschechisches Start-up seinen Hauptmarkt. Webout heißt die Firma und nutzt Künstliche Intelligenz, um personalisierte Werbevideos zu produzieren. Karel Juřička, Mitgründer und technischer Leiter, sagt:

„Wir haben eine schlaue Software geschaffen, die sich frei in jede Webseite oder App integrieren lässt. Die Firma nimmt ihr eigenes Video auf und kann dies aufgrund unserer Technologie personalisieren und damit ihre Angestellten oder ihre Kunden ansprechen.“

Hier in Tschechien arbeiten beispielsweise der Fußballverein Sparta Prag oder große Banken wie die Sparkasse Česká spořitelna oder die Komerční banka mit Webout zusammen.

Tal des Todes durchschreiten

Den wirklichen Erfolg solch neuer Technologien bestätigt jedoch erst die Expansion ins Ausland. Die staatliche Agentur CzechInvest hat dazu ihr Hilfsprogramm „Akcelerace“ für Start-ups aufgelegt. 90 Firmen haben daraus insgesamt bereits 160 Millionen Kronen (6,6 Millionen Euro) erhalten. Laut CzechInvest-Generaldirektor Jan Michal helfen die Gelder den aufstrebenden Tech-Firmen, das sogenannte Tal des Todes zu durchschreiten, bevor sie erste Kunden haben…

Jan Michal | Foto: Tschechisches Ministerium für Industrie und Handel

„Es handelt sich um kleinere Subventionsbeträge. Wir helfen aber auch, den Kontakt zu Mentoren herzustellen. Das sind Menschen, die bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Geschäftsmodellen haben“, so der CzechInvest-Chef.

Wie solch eine Unterstützung durch den Staat aussieht, schildert Juřička von Webout:

„CzechInvest hat uns großes Kapital dafür gegeben, dass wir zu Konferenzen ins Ausland reisen konnten – in Japan, in den USA, in London und in Belgien. Es waren wirklich viele. Deswegen mussten wir kein Kapital von Investoren oder aus unseren Einnahmen verbrennen, und die gesparten Gelder konnten wir in die Weiterentwicklung unserer Produkte stecken.“

Bis zu zwei Milliarden Kronen

Jan Michal von CzechInvest sagt, dass an unternehmerischen Ideen in Tschechien kein Mangel herrsche. Doch es brauche eine andere Art der Herangehensweise bei der Umsetzung…

„Jeder sollte von Anfang an die Ambitionen haben, nicht nur hier in Tschechien tätig zu sein, sondern weiter nach Europa und in Welt zu wachsen“, so Michal.

CzechInvest hat das Programm „Akcelerace“ aus dem EU-Wiederaufbaufonds finanziert. Pro Firma wurden maximal zwei Millionen Kronen (82.000 Euro) bereitgestellt. Das Programm soll weiterlaufen und könnte dabei bis zu einer Milliarde Kronen (41 Millionen Euro) aus den Mitteln des Fonds erhalten.

Autoren: Till Janzer , Tomáš Jeník | Quelle: Český rozhlas
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