Antonín Píč – Maler, Sammler, Esperantist und Musiker aus Litomyšl

Vernissage der Ausstellung „Vášně Antonína Píče“

Antonín Píč (1896–1967) war Beamter. Zudem war er jedoch ein vielfach begabter Mensch, der das Kulturleben in Litomyšl stark beeinflusste. Eine Ausstellung im Portmoneum, dem Josef-Váchal-Museum in der ostböhmischen Stadt, stellt die fast vergessene Persönlichkeit vor.

Im Portmoneum, dem Josef-Váchal-Museum in Litomyšl, ist derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Vášně Antonína Píče“ (Die Leidenschaften des Antonín Píč) zu sehen. Er sei in Litomyšl fast unbekannt, erzählt Hana Klimešová. Sie arbeitet im Regionalmuseum der Stadt und hat die Ausstellung über Antonín Píč zusammengestellt.

Hana Klimešová  (links) | Foto: Tomáš Čermák,  Regionalmuseum in Litomyšl

„Píč war ein städtischer Beamter, am Ende seiner Karriere war er für die Führung der Matrikel zuständig. Allen anderen Tätigkeiten widmete er sich in seiner Freizeit. Er war auch Künstler und studierte an der privaten Kunstschule bei Jaroslav Masák. Das waren jedoch nur Abendkurse, sodass Píč eigentlich ein Autodidakt war. Als ich die Ausstellung vorbereitete, hatte ich keine Ahnung, ob es mir gelingen wird, ausreichend Gemälde und weitere Gegenstände für die Schau zusammenzutragen.“

Bei den Menschen aus der Region und Píčs Verwandten habe sie schließlich mehr als 100 Arbeiten gefunden, berichtet die Kuratorin:

Vernissage der Ausstellung „Vášně Antonína Píče“ | Foto: Tomáš Čermák,  Regionalmuseum in Litomyšl

„Den hiesigen Bewohnern kommen die Gemälde sehr bekannt vor. Denn Píč malte Litomyšl und seine Umgebung – wie beispielsweise die Dörfer mit damals noch ganz kleinen Feldern. Die Bilder entstanden nämlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, noch bevor es unter den Kommunisten zur Kollektivierung der Landwirtschaft kam. Zudem sind noch viele volkstümliche Bauten auf seinen Gemälden zu sehen. Diese wurden später abgerissen.“

Nicht nur Gemälde werden in der Ausstellung gezeigt, sondern auch zahlreiche Exlibris. Antonín Píč habe eine große Sammlung gehabt, betont die Kuratorin:

„Denn er war in Briefkontakt mit Sammlern aus der ganzen Welt. Maler Bohdan Kopecký verkaufte die Sammlung nach Píčs Tod angeblich an das Nationale Denkmal des Schrifttums in Prag. Dort wurde sie jedoch leider nicht gefunden. Zudem fanden sich dort keine Daten über den Kauf. Ich denke, dass Kopecký die Kollektion damals einem Privatsammler verkauft hat. Píčs Witwe gab er zwar dafür das Geld, aber die Sammlung ist dadurch leider für uns verlorengegangen.“

Ausstellung „Vášně Antonína Píče“ | Foto: Tomáš Čermák,  Regionalmuseum in Litomyšl

Exlibris und Esperanto

Wie Hana Klimešová anmerkt, hatte Píčs Familie trotzdem noch viele Exlibris zu Hause, sodass im Museum heute eine Reihe von Exponaten von bekannten Persönlichkeiten zu sehen sind. Dazu gehören Exlibris von den Malern Josef Váchal, Otakar Štáfl und František Kobliha, dem Grafiker Jan Konůpek, dem Architekten Alois Metelák sowie von Váchals Freundin, der Künstlerin Anna Macková. Gezeigt werden auch Exlibris aus dem Ausland.

Vernissage der Ausstellung „Vášně Antonína Píče“ | Foto: Tomáš Čermák,  Regionalmuseum in Litomyšl

Antonín Píč wird im Museum nicht nur als Maler und Sammler, sondern auch als ein passionierter Esperantist vorgestellt. Die Kuratorin:

„Píč studierte Esperanto, und in dieser Sprache korrespondierte er mit Sammlern aus der ganzen Welt. Sein Sohn Karel (1920–1995, Anm. d. Red.) war ein weltbekannter Esperantist. Er dachte sich viele neue Esperanto-Wörter aus und schrieb Romane in der Sprache. Der Name Píč ist unter den Esperantisten heute ein Begriff. Es kommen Vertreter aus der ganzen Welt nach Litomyšl, um das Grab der Familie Píč zu besuchen.“

Portmoneum | Foto: Regionalmuseum in Litomyšl

Wie hat Hana Klimešová den fast vergessenen Maler, Sammler und Esperantisten Antonín Píč entdeckt? Das sei schon vor einigen Jahren gewesen, sagt die Kuratorin:

„2008 stellte ich eine Ausstellung über Josef Portman zusammen, dem das Portmoneum, das heutige Josef-Váchal-Museum, gehörte. Portman war auch ein Beamter wie Píč und außerdem Váchals Freund. In den 1920er Jahren bemalte Váchal auf Portmans Wunsch hin die Räume im Portmoneum. Píč hat auf der Arbeit vermutlich mit Portman darüber gesprochen und kam ins Portmoneum zu Besuch. Ein Beweis für den Besuch stellt das Schlüsselbrett dar, das Váchal für Píč bemalt hat. Wenn man sich dieses näher ansieht, erkennt man die Malereien, die sich an den Wänden im Portmoneum befinden.“

Ausstellung „Vášně Antonína Píče“ | Foto: Tomáš Čermák,  Regionalmuseum in Litomyšl

Schlüsselbrett von Váchal

Das einzigartige von Váchal gestaltete Schlüsselbrett habe Píčs Familie zu Hause gehabt, so die Kuratorin weiter. Mehr über Antonín Píč habe sie von dessen Schwiegersohn erfahren. Dieser habe ihr 2008 für die Museumssammlungen eine Hochzeitseinladung von Josef Portman angeboten, erinnert sich Hana Klimešová:

„Er erzählte mir, dass sein Schwiegervater sich auch an Grafiken versuchte. Das hat mich sehr interessiert. Ich kaufte verschiedene Gegenstände von der Familie für die Museumssammlungen. Die jetzige Ausstellung stellt den Höhepunkt meiner Forschungen über die Persönlichkeit von Antonín Píč dar.“

Píč verbrachte den Großteil seines Lebens in Litomyšl, war jedoch mit Menschen aus der ganzen Welt in Kontakt. Er hatte acht Kinder, von denen heute nur noch Sohn Karel bekannt ist. Die Kuratorin:

„Píč musste in seinem Amt viel leisten. Darum ist bewundernswert, dass er künstlerisch so aktiv war. Außer der Malerei schenkte er auch der Musik viel Aufmerksamkeit. Er beherrschte mehrere Musikinstrumente. Als in den 1920er Jahren das erste Kino in der Stadt eröffnet wurde, spielte Píč Klavier bei den Stummfilmen. Außerdem trat er auch bei Konzerten auf. Wenn in der Piaristenkirche gerade der Organist fehlte, sprang Píč ein und spielte dort Orgel. Das Theaterensemble vom hiesigen Volkshaus engagierte Píč zudem als Dirigenten des Orchesters. Auf den historischen Fotografien, die wir hier zeigen, ist er als Dirigent mit den Schauspielern zu sehen.“

Wie Hana Klimešová unterstreicht, hätten eben Persönlichkeiten wie Antonín Píč große Verdienste um das Kulturleben in Litomyšl. Sie stünden nicht gerade im Vordergrund, ohne sie wäre das Kulturgeschehen in der Stadt jedoch unvorstellbar.

Portmoneum | Foto: Regionalmuseum in Litomyšl

Die Ausstellung über Antonín Píč ist im Josef-Váchal-Museum bis 4. Oktober zu sehen. Das Museum ist vom Mai bis September immer dienstags bis sonntags von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Im April und im Oktober ist das Museum zu den gleichen Zeiten, aber nur am Samstag und Sonntag geöffnet. Mehr erfahren Sie unter https://portmoneum.cz/en.

schlüsselwörter:
abspielen

Verbunden