700 Meter langes Mural: Street-Art in Prag hat neues Meisterstück

Tom HRVB aus Berlin

Im Prager Stadtteil Ruzyně ist seit Neuestem ein Graffiti-Kunstwerk von immensem Ausmaß zu sehen. Ähnlich wie die East Side Gallery in Berlin zieht es sich über viele Meter an einer Wand entlang.

30 Künstler haben daran mitgearbeitet – 15 aus Tschechien und 15 aus anderen Ländern. Gemeinsam haben sie eine 700 Meter lange Mauer in Prag in eine Open-Air-Galerie verwandelt. Dabei sei auch Tom HRVB aus Berlin gewesen, berichtet Petr Hájek, Leiter des Festivals Urban Pictus, in dessen Rahmen die Kunstaktion organisiert wurde.

Straße Vlastina | Foto: Gonzalo Núñez,  Radio Prague International

„Als Tom ankam, stieg er aus dem Auto aus, und seine ersten Worte waren: ‚Ich will Svíčková zum Mittag und zum Abendbrot, und das jeden Tag.‘“

Der Gast aus Berlin wurde mit dem berühmten tschechischen Lendenbraten versorgt und trug dafür seinerseits zum „Mural Ruzyně“ bei – wie das Graffiti-Kunstwerk heißt, das gerade im Prager Nordwesten entstanden ist. Es handle sich um das drittgrößte Gruppen-Mural in ganz Europa, sagt Hájek. HRVB ist ihm zufolge als echter Showman aufgetreten und habe beim Sprayen akrobatische Stücke vorgeführt.

Gemeinschaftswerk

Aber auch die anderen Künstler konnten 14 Tage lang bei ihrer Arbeit in der Straße Vlastina beobachtet werden. Selbst in der größten Hitze war jeder an seinem Wandabschnitt zugange. Während der Aktion sagte der französische Street-Artist Smoka vergangene Woche gegenüber Radio Prag International:

Smoka | Foto: Inès Cuvillier,  Radio Prague International

„Am Nachmittag ist es ziemlich anstrengend, dann müssen wir Pausen machen. Aber das ist besser, als wenn es regnen würde. Denn dann könnten wir gar nicht malen. Und es ist auch nicht so heiß wie in Frankreich. Für mich ist es also ok.“

Die Initiative für das Mural kam aus dem Rathaus des 6. Prager Stadtbezirks. Es hatte sich mit der Idee an das Festival Urban Pictus gewandt, dessen Team das Motto für das riesige Wandbild erdachte. Es lautet „Die Schönheit einer Stadt in Bewegung“. Smoka beschreibt, wie der Titel in sein Bild eingeflossen ist:

„Ich habe versucht, etwas zu den Menschen zu malen, die hier wohnen, und weniger zu der Stadt an sich. Darum ist die Bewegung in einem tanzenden Paar vor den Lichtern der Stadt eingefangen. Es ist eine menschliche Bewegung und eben nicht nur der Blick auf die Architektur. Ich möchte immer Emotionen wecken, wenn die Leute meine Murals anschauen.“

Positive Reaktionen

So wie der Franzose Smoka gerade in Prag gastierte, sind auch die tschechischen Künstler des Gemeinschaftsprojektes international aktiv. Chemis zum Beispiel berichtete während der Arbeit in Ruzyně, dass er den Sommer über gut ausgebucht sei:

Chemis | Foto: Hana Řeháková,  Radio Prague International

„Als nächstes werde ich in Malta arbeiten und danach auf Aruba. Vielleicht ergibt sich dann noch etwas in San Francisco, mal sehen. Aber nach Aruba fahre ich jedes Jahr.“

In dem „Mural Ruzyně“ hat sich Chemis aber gerade mit einem optischen Relief verewigt. Darin lässt er die eher eintönige Betonfläche von einer bunten Figur aufbrechen.

Es habe bereits viele Reaktionen der Anwohner auf das Mega-Graffiti gegeben, berichtet Festivalorganisator Petr Kopal:

Das Werk von Vincent Chignier | Foto: Inès Cuvillier,  Radio Prague International

„Wir bekommen jeden Tag Rückmeldungen, und in 99 Prozent der Fälle sind sie positiv. Die Leute sind wirklich froh, dass ein solches Kunstwerk an dieser Stelle entsteht. Denn vorher war hier nur eine graue Betonmauer. Und auf diese Weise hoffen wir, dass sie nun stolz auf diese Wand sein können.“

Die jetzt so bunte Mauer umgibt ein Grundstück des Verteidigungsministeriums. Für das Festival Urban Pictus musste darum erst die Erlaubnis des Ressorts eingeholt werden. Das Mural ist insgesamt 1800 Quadratmeter groß geworden. Es wird zudem mit einer speziellen Schutzschicht gegen unerwünschte Graffiti versehen. Denn das Kunstwerk solle noch viele Jahre glänzen, so die Ankündigung der Organisatoren.

Autoren: Daniela Honigmann , Ruth Fraňková , Sabina Vosecká | Quelle: Český rozhlas
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