Vlasta Průchová: Die Grande Dame des tschechischen Jazz und Swing wäre 100 Jahre geworden
Sie war eine der größten Persönlichkeiten des tschechischen Jazz: Vlasta Průchová. Die Sängerin brachte den amerikanischen Swing ins Land, als der Eiserne Vorhang die Tschechoslowakei von der westlichen Welt trennte. Und sie empfing zum Beispiel Louis Armstrong bei sich zu Hause, trat zusammen mit dem jungen Karel Gott auf und ist die Mutter einer Musiklegende. Am Sonntag wäre Vlasta Průchová 100 Jahre alt geworden.
Anfang der 1960er Jahre sendete das Tschechoslowakische Fernsehen in einer Show einen Song, der sofort zum Hit wurde. „Až nám bude dvakrát tolik“ (Wenn wir doppelt so alt sein werden) war der Titel. Es handelte sich um ein Duett von Vlasta Průchová mit dem jungen Karel Gott. Der beginnende Schlagerstar stand damals an der Seite der bereits respektierten Jazzsängerin.
Průchovás Stimme verband das Publikum hierzulande auch mit einem weiteren Hit: Docela všední, obyčejný den (Ein ganz gewöhnlicher Tag). Der Song wurde zum Jingle einer populären Fernsehshow, die eben gerade die Sängerin in der Jazzszene etablierte.
Armstrong im Wohnzimmer
Prag war nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der Zentren des Jazz in Europa geworden – trotz des kommunistischen Regimes, das westliche Kulturerscheinungen eher unterdrückte. Doch wo Jazz an der Moldau gespielt wurde, da waren auch Vlasta Průchová und ihr Mann Jan Hammer, ein Arzt und Wegbereiter des tschechischen Swing.
Ihre Wohnung wurde zu einem bekannten Treffpunkt der Musikszene. Die Jam-Sessions bei der Familie waren in der ganzen Stadt bekannt – und einer der Gäste war auch Louis Armstrong. 1965 trat der berühmte US-amerikanische Sänger und Trompeter in Prag auf. Nach dem Konzert lud ihn Průchová zu sich nach Hause ein. Sie kochte für ihn und das halbe Orchester Blumenkohlsuppe, Rinderbraten mit Gemüse und Reis, und als Dessert gab es Apfelstrudel. Den riesengroßen Blumenstrauß, den die Gastgeberin von Armstrong bei dieser Gelegenheit bekam, bewahrte sie bis zum Lebensende wie eine heilige Reliquie auf.
Sohn Jan Hammer wird US-Musikstar
Vlasta Průchová kam am 12. Juli 1926 im slowakischen Ružomberk zur Welt, wuchs aber in Trenčín auf. Ihr musikalisches Talent geht wohl vor allem auf ihre Mutter zurück, doch den Weg zum Jazz fand sie durch ihren späteren Ehemann. Da Jan Hammer zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in der klerikalfaschistischen Slowakei nicht wie gewünscht Medizin studieren konnte (das holte er erst später nach), verschrieb er sich der Musik. Er trat mit den damaligen Größen des Swing auf, und bald stand auch Průchová zusammen mit ihm auf der Bühne. 1947 heirateten beide. Im folgenden Jahr kam ihr Sohn zur Welt, der denselben Namen wie sein Vater erhielt. Schon als Kind saß Jan Hammer junior am Klavier und spielte angeblich mit größter Leichtigkeit.
1968 reiste die Familie, zu der noch Tochter Andrea gehörte, zu einem Aufenthalt in die USA. Sohn Jan erhielt ein Stipendium am renommierten Berklee College of Music, der Vater machte als Kardiologe ein Praxisjahr an einer Klinik. Als die Familie ein Jahr später in die Tschechoslowakei zurückkehrte, blieb Jan Hammer junior in den Vereinigten Staaten von Amerika und startete dort eine sehr erfolgreiche Musikkarriere. Zunächst spielte er beim Mahavishnu Orchestra, der Fusion-Band des Gitarrenmagiers John McLaughlin. Dann gründete er die Jan Hammer Group. Weltweiten Ruhm erlangte der Sprössling jedoch mit der Musik zur 80er-Jahre-Krimiserie „Miami Vice“…
Kommunistische Repression, Ehrung nach der Wende
Für die Emigration ihres Sohnes wurde Vlasta Průchová durch das kommunistische Regime in ihrer Heimat hart bestraft: Sie durfte keine Einspielungen mehr im Studio machen. Zwar wurden ihr Live-Auftritte weiter erlaubt, doch bis in die 1990er Jahre konnte sie kein neues Album mehr herausgeben.
Dabei machte sie harte Zeiten durch. Noch vor der politischen Wende, im Frühjahr 1989, starb ihr Mann Jan Hammer. Zudem musste sie sich um ihre psychisch schwer erkrankte Tochter Andrea und deren Kinder kümmern. Dennoch kehrte Průchová auf die Konzertbühnen zurück. 2003 verlieh ihr Staatspräsident Václav Klaus die tschechische Verdienstmedaille zweiten Grades. Vlasta Průchová starb am 16. Juni 2006, nur wenige Wochen vor ihrem 80. Geburtstag.







