Schutz für eine bedrohte Blume: Nationalpark Riesengebirge umzäunt Narzissen-Windröschen
Wer in diesen Tagen im Riesengebirge auf Wandertour ist, der wird an einigen Stellen umzäunte Blumen sehen. Es handelt sich um Narzissen-Windröschen, die vor dem Verbiss geschützt werden sollen. Denn diese Pflanzenart droht aus dem höchsten Gebirge Tschechiens zu verschwinden.
Lucie Procházková ist Mitarbeiterin des Nationalparks im tschechischen Riesengebirge. Sie steht am Rand einer Wiese an der Hofbaude, auf Tschechisch Dvoračky, oberhalb von Rokytnice nad Jizerou. Auf der Wiese sind einige Narzissen-Windröschen zu sehen…
„Hier an der Hofbaude gibt es ein Vorkommen dieser bedrohten Pflanzenart. Es sind weiße Blüten, die ein wenig an Narzissen erinnern, deswegen der Name Narzissen-Windröschen“, so Procházková.
Die Pflanze kommt hierzulande nur in den höchsten Gebirgen der Sudeten vor, außer dem Riesengebirge sind das noch das Altvatergebirge und der Králický Sněžník. Dort sind sie meist in subalpinen Lagen anzutreffen, so wie an der Hofbaude auf über 1100 Metern Höhe.
Schutz vor dem Verbiss
Lucie Procházková und ihre Kollegin Klára Tlachačová haben Zaungeflecht dabei. Denn der Nationalpark will die Narzissen-Windröschen besser schützen. Ihre Bestände sind besonders in den niedriger gelegenen Gegenden des Riesengebirges in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Tlachačová erläutert:
„Es gibt derzeit viele Narzissen-Windröschen im Riesengebirge, die nicht blühen, weil das Wild sie verbeißt. Und die Pflanzen sind dann nicht genügend vital, um zu blühen. Die Zäune sollen ermöglichen, dass die Narzissen-Windröschen vielleicht noch nicht im nächsten, aber im darauffolgenden Jahr wieder zu Kräften kommen und nach einer gewissen Zeit wieder Blüten und Samen entwickeln.“
Beide Naturschützerinnen rollen nun das Zaungeflecht aus und fassen gleich mehrere Pflanzen auf einmal ein. Lucie Procházková ruft, sie selbst halte das Ende fest, und Klára Tlachačová solle das Geflecht zuziehen…
„Jetzt müssen wir die Enden noch miteinander verklammern, damit alles hält. Wir haben eine runde Umzäunung gemacht, weil dies für uns am einfachsten ist. Festgezurrt wird mit einem Stück Draht und einem Nagel“, ergänzt Procházková.
Die Umzäunung müsse ausreichend tief im Boden verankert werden, merkt ihre Kollegin an:
„Das machen wir vor allem wegen der Nutztiere, gegebenenfalls auch wegen der Hirsche. Wenn sie hierherkommen und ihre Schnauze hineinstecken, sollte sich die Umzäunung nicht wegdrücken lassen, damit der Abbiss verhindert wird.“
Neue Setzlinge
Bei der Weiterverbreitung der Narzissen-Windröschen, die auf Deutsch auch als Alpen-Berghähnlein bekannt sind, helfen die Mitarbeiter des Nationalparks aber nach. So werden kleine Flächen mit freigelegter Erde geschaffen, in die Setzlinge kommen. Denn die Bestände der Pflanze gehen besonders deswegen zurück, weil die geeigneten Flächen immer weiter schwinden.
Ähnlichen Schutz erfahren auch noch weitere Pflanzen im Riesengebirge. Dazu gehören etwa das Männliche Knabenkraut oder die Echte Arnika. Auf diese Weise will der Nationalpark die Artenvielfalt im höchsten Gebirge Tschechiens bewahren.
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