Hitze im ÖPNV: Wo in Tschechien die Busse und Straßenbahnen am besten gekühlt sind

Wenn die Außentemperaturen über 22 Grad steigen, sollte die Klimaanlage im ÖPNV-Verkehr in Prag eingeschaltet werden. So steht es zumindest in den Richtlinien der Prager Verkehrsbetriebe (DPP). Doch inwieweit ist dies möglich? Wie viele Busse, Straßenbahnen und O-Busse sind mit einer Klimaanlage ausgestattet? Und die Verkehrsmittel welcher großer Stadt im Land sind in den heißen Tagen am besten gekühlt?

Im Stadtverkehr in Tschechien hat sich die Anzahl der Busse mit Klimaanlage in den letzten fünf Jahren etwa verdoppelt. Dies geht aus den Daten des Verbandes der Verkehrsunternehmen hervor. In den meisten Kreisstädten ist mindestens die Hälfte der öffentlichen Verkehrsmittel klimatisiert. Am häufigsten trifft das auf Busse zu, am seltensten jedoch auf Straßenbahnen.

Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

Verkehrsunternehmen investieren nur selten in die Nachrüstung älterer Fahrzeuge mit Klimaanlagen. Den Betreibern zufolge liegt der Fokus auf der schrittweisen Erneuerung des Fuhrparks – wie beispielsweise in der Hauptstadt Tschechiens. Aneta Řehková ist Sprecherin der Prager Verkehrsbetriebe:

„Bei Bussen, Elektrobussen und Oberleitungsbussen hat die Geschäftsleitung des Verkehrsunternehmens 2017 beschlossen, alle neu angeschafften Fahrzeuge mit einer Klimaanlage auszustatten.“

Flottenerneuerung statt Nachrüstung

Die Prager Verkehrsbetriebe (DPP) erneuern jährlich etwa zehn Prozent ihrer Flotte, indem sie 100 bis 120 Busse austauschen. Ende Juni waren dadurch bereits über 73 Prozent der Busse der Stadt vollklimatisiert. Bei den Schienenfahrzeugen fällt die Bilanz deutlich schlechter aus: Von rund 800 Straßenbahnen verfügen lediglich 147 über eine Klimaanlage. Diese klimatisierten Wagen sind an einem markanten gelben Streifen an der Front erkennbar.

Škoda 15T | Foto: Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag A.G.

Mehr als einhundert Straßenbahnen des Typs 15T sind zwar noch relativ neu, wurden damals jedoch ohne Klimaanlage beschafft. Genau diese Fahrzeuge sollen nun nachträglich klimatisiert werden, wie die Verkehrsbetriebe am vergangenen Freitag mitteilten. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 400 Millionen Kronen (16,5 Millionen Euro) ohne Mehrwertsteuer. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits mit dem polnischen Unternehmen Enika unterzeichnet. Pro Jahr sollen etwa 20 Fahrzeuge nachgerüstet werden. Dennoch werden in Prag auch weiterhin mehr als 500 Wagen ohne Kühlung im Einsatz bleiben.

Ähnlich dürfte es auch in Plzeň / Pilsen aussehen, wo ebenfalls größtenteils in komplett neue Fahrzeuge investiert wird. René Vávro ist Sprecher der örtlichen Verkehrsbetriebe:

Illustrationsfoto: Profimedia

„Abgesehen von der Modernisierung von zwei Straßenbahnen, in die eine Klimaanlage eingebaut wird, planen wir keine weiteren zusätzlichen Klimaanlagen in anderen Fahrzeugen. Dank der Investitionen in die Erneuerung des Fuhrparks gehen wir davon aus, dass alle unsere Fahrzeuge innerhalb von neun Jahren mit einer Vollklimatisierung ausgestattet sein werden.“

Hitze auf Schienen

Škoda 21Tr | Foto: Verkehrsbetrieb der Stadt Brno

Straßenbahnen sind in der Anschaffung teurer als Busse oder Oberleitungsbusse, deswegen geht ihr Austausch am langsamsten voran. Insgesamt seien nur etwa 20 Prozent der Straßenbahnen in Tschechien klimatisiert, so Linda Hailichová, Sprecherin des Verbandes der Verkehrsunternehmen. Bei den Bussen liegt der Anteil ihren Angaben nach bei 60 Prozent:

„Den größten Zuwachs verzeichneten die Oberleitungsbusse: Bei ihnen stieg der Anteil klimatisierter Fahrzeuge von 20,7 auf 49 Prozent. Auch der Anteil klimatisierter Busse hat deutlich zugenommen.“

Karlsbad top, Olmütz Flop

Foto: Verkehrsbetriebe der Stadt Karlsbad

Und wo findet man in den heißen Tagen im tschechischen Nahverkehr die beste Abkühlung? Dieser Frage ging kürzlich das Nachrichtenportal Seznam Zprávy nach. Während die westböhmische Kreisstadt Karlovy Vary / Karlsbad das Ranking anführt, bildet Olomouc / Olmütz das Schlusslicht der Untersuchung. Der Erfolg von Karlsbad basiert darauf, dass in der Stadt keine Straßenbahnen verkehren. Daher kann sich die Stadt damit rühmen, dass ihr gesamter Fuhrpark vollständig klimatisiert ist – konkret handelt es sich um 46 Busse. Hingegen verfügen in Olmütz von insgesamt 148 Fahrzeugen im Einsatz lediglich 18 Straßenbahnen und zehn Busse über eine eingebaute Klimaanlage, was der Stadt den letzten Platz einbrachte.

Autoren: Markéta Kachlíková , Sára Adamcová
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