Lebensgroße Maradona-Statue, blauweißes Haus: Tschechiens größter Fan der argentinischen Fußballer

Miloslav "Čurby" Urbanec

Miloslav „Čurby“ Urbanec ist schon aufgeregt: „Seine“ Argentinier spielen am Sonntag um ihren vierten WM-Titel. Der 51-Jährige aus Ostböhmen ist der wohl größte Fan des argentinischen Fußballs außerhalb des Landes selbst. Radio Prag International hat ihn getroffen.

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

„Vamos Argentina“ steht auf dem Plakat, das über seiner Garage hängt. Sein ganzes Haus und ebenso sein VW-Bus sind blauweiß gestreift. Für sein Auto hat er das Kennzeichen MAR – ADONA gewählt. Und hinter dem Haus hat er einen eigenen Fußballplatz anlegen lassen, den er „La Bombonera“ nennt, wie das Stadion der Boca Juniors aus Buenos Aires. Miloslav Urbanec, gennant „Čurby“, ist Tschechiens größter Argentinien-Fan. Er lebt im Dorf Bukovka in Ostböhmen. Und nun steht das große Finale an. Am Sonntag spielen seine Lieblinge gegen Spanien um den WM-Titel…

„Ich bin immer schon vor dem Spiel nervös. Sicher werde ich wieder meine Flagge hervorholen, die ich schon seit Jahren zu den Spielen Argentiniens mitnehme. Ich lege sie dann auf den Tisch. Dort steht: In Messi we trust! Darauf vertraue ich auch diesmal wieder – so wie all die Jahre zuvor. Und Messi hat mich nie enttäuscht, ich war immer stolz darauf, wie er gespielt hat“, sagt Urbanec.

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

Lange Haare bei der WM 78

Dass es dem Tschechen ausgerechnet die Kicker aus Argentinien angetan haben, geht auf die WM 1978 zurück, als diese im eigenen Land ihren ersten Weltmeistertitel holten:

„Ich liebe Fußball wirklich sehr, ich spiele gerne und schaue auch gerne die Spiele. 1978, als ich vier Jahre alt war, habe ich mir auf so einem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher die WM angesehen. Und da liefen dann die Jungs wie Kempes, Ardiles oder Passarella über den Bildschirm und hatten lange Haare. Sie sahen so wunderbar aus gegenüber all den anderen, auch die Brasilianer waren gestriegelt. Mein Vater hat immer Brasilien geliebt, wegen Pelé und Sókrates, dieser Generation hervorragender Spieler. Ihm gefielen ihre technischen Fähigkeiten. Ich habe aber Argentinien gewählt, weil die Spieler alle wie Winnetou aussahen, mein Held aus Kindertagen. Und als sie 1978 den Titel holten, war das absolut unglaublich.“

Dann kam die WM 1986…

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

„Damals war ich zwölf Jahre alt, als das mit Maradona war. Ich habe nie einen besseren Spieler gesehen – einer der dominanter und emotionaler auf dem Platz gewesen wäre. Er hätte eher den Ball aufgefressen, als ihn zu verlieren. Das waren 1000 Prozent Hingabe und nicht 90 oder 95 Prozent. Wir geben alles, und entweder sterben wir, oder wir gewinnen“, so der Ultra-Fan.

Das ist es, was Miloslav Urbanec auch am heutigen Team Argentiniens begeistert, Er selbst habe ebenfalls kein leichtes Leben gehabt, stamme aus einfachen Verhältnissen und sei ein trockener Alkoholiker, gesteht der 51-Jährige. Heute ist er der erfolgreiche Manager eines Metal-Festivals in Tschechien.

Wandgemälde zum Titel in Katar

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

In jedem Fall hat er Maradona auch in seinem Garten verewigt – mit einer lebensgroßen Statue, die ihn seinen Worten nach ein halbes Vermögen gekostet hat. Doch die große Umgestaltung seines ganzen Hauses nahm Urbanec erst nach der WM in Katar vor vier Jahren vor – nachdem er den Titelgewinn Argentiniens live im Stadion beim Finale erlebt hatte. Erst da wurde wirklich alles blauweiß getüncht, und an der Rückseite des Hauses entstand ein riesiges Graffiti:

„Ich habe den besten tschechischen Sprayer engagiert, der solche Wandgemälde macht. Dabei musste ich erst einmal ein halbes Jahr warten, bis er herkommen konnte. Das Mural zeigt das gesamte Team inklusive Trainer Scaloni, aber auch seinen Assistenten, den Torwarttrainer und alle Ersatzspieler.“

Außerdem prangt an der vorderen Front seines Hauses die Sonne aus der argentinischen Flagge mit drei Metern Durchmesser, die in der Nacht beleuchtet ist.

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

Und natürlich kommen noch die üblichen Devotionalien eines Fußballfans hinzu, wie unzählige Poster von Maradona und Messi oder handsignierte Trikots vieler weiterer Spieler Argentiniens. Aber auf einen Fanartikel ist er ganz besonders stolz:

„Ein von Maradona handsigniertes Foto aus dessen Zeit in Neapel, den mir ein Kumpel aus den Niederlanden geschickt hat, den ich über die Musik kenne. Er hatte damals nach Neapel geschrieben und um eine von Maradona unterschriebene Karte gebeten. Sie schickten ihm zwei solche Fotos. Die bewahrte er auf. Und vor zehn Jahren sagte er mir: ‚Du bist der größte Maradona-Fan, den ich kenne, ich überlasse dir eine der Karten.‘ Sie hängt in meinem Büro oben im Haus, und ich kann sie immer anschauen.“

Mittlerer Sohn heißt Lionel

Miloslav Urbanec‘ Fußballbegeisterung reicht aber noch weit über die Dekoration seines Hauses hinaus.

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

„Mein mittlerer Sohn heißt Lionel. Und als unser jüngster Sohn geboren wurde, habe ich noch im Kreißsaal meine Frau angefleht: ‚Bitte, lass ihn uns Diego Armando‘ nennen. Sie meinte aber, dass sei nicht gut. Und deswegen heißt er Quentin wie Tarantino und Nikolas wie Nicholas Winton, der im Zweiten Weltkrieg über 600 Kindern das Leben gerettet hat. Aber vielleicht wird ja eines meiner Kinder einen Sohn haben, der den Namen Lionel bekommt“, hofft Urbanec.

Im Finale am Sonntag hofft der große Argentinien-Fan wieder auf die Künste von Lionel Messi, der bei der laufenden Weltmeisterschaft die Rekorde jagt. So hat dieser sich mit nun insgesamt 21 Treffern in sechs Endrundenteilnahmen zum aktuellen WM-Rekordtorschützen aufgeschwungen. Und Miloslav Urbanec sagt:

„Ich wünsche mir so sehr, dass wir wegen Messi gewinnen. Dann kann ich ihm hier eine Statue aufstellen und mich bis zum Ende meiner Tage an ihr freuen.“

Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International
Autoren: Till Janzer , Juan Pablo Bertazza
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