Netz der Tschechischen Zentren soll neues Konzept erhalten und im Franchise-Verfahren weiterwachsen

Tschechisches Zentrum Wien

Die Tschechischen Zentren sind vergleichbar mit den deutschen Goethe-Instituten. Sie sollen die Kultur des Landes vermitteln und propagieren. Außenminister Macinka plant für sie ein neues Konzept und hat dafür einen neuen Generaldirektor berufen.

Sie sind Botschaften der tschechischen Kultur. Es gibt sie etwa in Berlin, in Wien und in München. Die Rede ist von den Tschechischen Zentren. Insgesamt 26 von ihnen sind auf der ganzen Welt verteilt, von New York bis Tokio, die meisten jedoch in Europa. Hinzu kommt noch die Zentrale in Prag.

Betrieben werden die Tschechischen Zentren vom Außenministerium. Zu Beginn des Jahres hatte Ressortchef Petr Macinka (Motoristé sobě) noch skeptisch geklungen, was die Zukunft des Netzes anging. Er monierte, dass diese finanziell mit dem tschechischen Auftritt der Expo 2025 in Osaka verbunden worden sei. Und der Minister deutete an, dass einige der Zentren geschlossen werden könnten. In der Folge wurde spekuliert, dass es die Präsenzen in Stockholm, Tiflis, Mailand und Sofia treffen könnte. Doch nun hat Macinka andere Pläne. Dies gab er vor kurzem bei einer Pressekonferenz bekannt:

„Wir wollen keine Tschechischen Zentren a priori schließen. Wir sehen im Gegenteil ein großes Potenzial und die Chance, dass das Netz noch bedeutend erweitert werden könnte.“

Anbindung an tschechische Minderheiten

Und zwar denkt der Minister an eine Franchise-Linie neben der offiziellen Struktur. Das heißt, dass externe Veranstaltungen an bestimmten Orten über einen zeitlich befristeten Vertrag das Label „Tschechisches Zentrum“ erhalten. Und wer könnten die Träger solcher Franchise-Einrichtungen sein?

Foto: Tschechische Zentren

„Es geht vor allem um Orte im Ausland, an denen eine starke Gemeinschaft der tschechischen Minderheit lebt. Diese haben unterschiedliche Vereine, die teils schon seit 100 oder 150 Jahren bestehen. Und sie sind in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern. So betreiben sie etwa auch Tschechische Häuser oder Sokol-Vereinsheime und organisieren ohne größere Anbindung an Tschechien unterschiedliche Veranstaltungen, deren Inhalte weit über die Belange der tschechischen Minderheit hinausreichen“, sagte der Ressortchef.

Als Außenminister treffe er bei seinen Reisen häufig mit solchen Vertretern der jeweiligen tschechischen Minderheit zusammen, so Macinka weiter. So etwa Ende Juli in Kroatien:

Foto: Tea Veseláková,  Radio Prague International

„Bei meiner letzten Reise habe ich in Zagreb die große und explizite Nachfrage nach solch einem Franchise-Projekt mitbekommen. Die Minderheit ist dort sehr stark und gut organisiert. Sie hat ihre eigenen Räume und ihre eigene Struktur. Der Finanzbedarf würde bei null liegen, das Potenzial wäre hingegen riesig.“

Neuer Generaldirektor im Amt

Weil der Minister noch mehr Änderungen plant, hat er einen neuen Generaldirektor der Tschechischen Zentren ernannt: Ivan Jukl, der vorher Botschafter in Kairo war. Der 61-jährige Diplomat löst Jitka Pánek Jurková ab, die seit Ende 2023 die Zentren geleitet hatte.

Jitka Pánek Jurková | Foto: Tschechisches Außenministerium

Im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte Jukl noch weiter das Konzept von Partnerorganisationen rund um den Erdball. Gemeint sei, dass nicht immer ein Vertreter des Staates vor Ort sein müsste, um ein Tschechisches Zentrum zu betreiben:

„Es können unterschiedliche Vereine von Auslandstschechen sein, aber auch Honorarkonsuln oder Freunde der Tschechischen Republik, die unser Land repräsentieren. An sie können wir unsere Marke verleihen, unter der Voraussetzung, dass sie sich den Tätigkeiten widmen, die in den Statuten der Tschechischen Zentren verankert sind.“

Bei der Pressekonferenz zusammen mit Macinka führte Jukl noch aus, dass auch Kulturinstitutionen anderer Länder, wie etwa die deutschen Goethe-Institute, vergleichbare Modelle an Partnerorganisationen haben.

Petr Macinka  (links) und Ivan Jukl | Foto: Roman Vondrouš,  Profimedia

Im Übrigen gab es bisher drei Wellen der Eröffnung neuer Tschechischer Zentren: ab 1993 mit der staatlichen Eigenständigkeit, ab 2004 mit dem EU-Beitritt und ab 2018, als 100 Jahre seit der Gründung des tschechoslowakischen Staates gefeiert wurden.

Millionenverluste jedes Jahr

Vor einer möglichen Umsetzung der Franchise-Idee soll der neue Chef jedoch ein Konzept für die Zentren ausarbeiten. Dabei geht es vorrangig darum, den Betrieb effizienter zu gestalten. Gerade deswegen wurde Jukl berufen. Denn er war von 2006 bis 2012 der Chef der staatlichen Exportförderungsagentur CzechTrade.

Minister Macinka erläuterte bei seiner Pressekonferenz, was ihm bisher nicht gefalle:

„Die Tschechischen Zentren weisen jedes Jahr relativ hohe Verluste aus. Das Außenministerium musste immer mehrere Dutzend Millionen Kronen zuschießen, um dies auszugleichen.“

Ein Umstand ist dem Ressortchef aber ganz besonders ein Dorn im Auge…

„Die schrecklichste Erkenntnis für mich im Hinblick auf die Finanzen der Tschechischen Zentren war, dass die Zentrale in Prag rund 40 Prozent aller Kosten verschlingt. Wobei ich die Zahl jetzt nicht genau vor mir habe, aber das ist auch nicht so wichtig. In jedem Fall ist das unglaublich. Und ich verstehe nicht, warum der Generaldirektor mehrere Stellvertreter haben soll, obwohl sie ihn den Statuten nach gar nicht vertreten können“, so der Außenminister.

Schlankere Zentrale gefordert

Und so dürfte die Aufgabe des neuen Generaldirektors Jukl sein, die Zentrale zu verschlanken. Aber auch die 25 Präsenzen im Ausland sollen auf ein anderes Finanzierungsmodell umgestellt werden. Da geht es etwa um die Förderung von Kulturprojekten durch Privatfirmen. Oder wie Macinka sagt:

„Als Minister reise ich ständig zusammen mit tschechischen Unternehmern durch die Welt, genauso macht dies der Premier. Wir helfen sehr dabei, dass sich ihnen Türen öffnen. Dafür können wir vielleicht auch erwarten, dass sie die Tätigkeit der Tschechischen Zentren unterstützen, damit diese nicht ins Minus rutschen. Die erste Frage an jede Firma, die mit mir zusammen in der Wirtschaftsdelegation mitreist, wird daher lauten: Und haben Sie schon ein Tschechisches Zentrum unterstützt? Und so weiter. Ich werde sie also etwas in die Pflicht nehmen und glaube, dass dies im gemeinsamen Interesse ist.“

Foto: Tschechische Zentren

Generaldirektor Jukl will wiederum in diesem Zusammenhang herausfinden, wie in den jeweiligen Zentren die Kontakte zur Privatwirtschaft und die Unterstützung von Veranstaltungen durch Firmen bisher gehandhabt werden.

„Ich werde mit jedem Leiter reden. Gerade Kairo, wo ich als Botschafter war, kenne ich als Ort, an dem eben auch an so etwas gedacht wird. Ich möchte also jene Beispiele finden, in denen nach unserer Vorstellung vorgegangen wurde, und dies ins gesamte Netz der Zentren verbreiten“, kündigte der neue Generaldirektor an.

Kulturdiplomatie anstatt „Kulturkriege“

Eine weitere Frage sind die Grundsätze, nach denen die Tschechischen Zentren betrieben werden. Der Außenminister beklagte, dass sich einige Zweigstellen in den vergangenen Jahren von den ursprünglichen Vorstellungen entfernt hätten. Dazu nutzte er drastische Worte:

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

„Einige Zentren haben sich für mich unverständlicherweise schleichend so umgewandelt, dass sie sich nicht mit Kulturdiplomatie, sondern mit Kulturkriegen beschäftigt haben. Das ist inakzeptabel. Wenn jemand einen Kulturkrieg führen sollte, dann sind das Politiker, aber sicher nicht staatliche Zuschussorganisationen“

Als Beispiel dafür nannte Macinka das Tschechische Zentrum in Budapest und seine Unterstützung für die Gay Pride in der ungarischen Hauptstadt. Dies bezeichnete er als „politischen Aktivismus“.

Jukl wollte sich nicht eingehender mit dem Begriff Kulturkriege auseinandersetzen und sagte stattdessen zur Frage, auf was sich die Tschechischen Zentren in ihrer Arbeit konzentrieren sollten:

„Paradoxerweise auf das, warum die Zentren überhaupt gegründet wurden. Wenn man in ihre Gründungsurkunde schaut, stellt man fest, dass es eine ganze Reihe an Aktivitäten ist. Dazu gehört auch, über die Tschechische Republik zu informieren, die Möglichkeiten für den tschechischen Handel zu unterstützen, Wissenschaft und Innovationen zu propagieren sowie Aktivitäten der Auslandstschechen zu unterstützen. Meine Aufgabe wird sein, solch ein Konzept zu finden, bei dem sich diese unterschiedlichen Tätigkeiten gegenseitig tragen und nicht einander ausschließen.“